Was beim „Meistertrunk“ im Kaisersaal des Rathauses passiert, das wissen ja eigentlich alle. Und natürlich auch, dass Altbürgermeister Nusch erfolgreich ist, den Humpen leert und die Stadt so vor Tilly rettet. Christoph Korwitz von den „Freien Reichsstädtern zu Rothenburg“ ergänzt die Geschichte jetzt um eine Facette: mit dem „Kanonendonner im Taubertal“.
Dabei handelt es sich um eine historische Gefechtsdarstellung, wie Korwitz betont, und um keine „Schlacht“. Rund 200 historisch verkleidete Menschen werden am Reichsstadttage-Sonntag, 8. September, Gefechtsszenen auf der Eiswiese nachstellen.
Nur eine Gruppe aus Rothenburg selbst macht mit – die „Freien Reichsstädter zu Rothenburg“. Sie werden von zwölf befreundeten, historischen Gruppierungen unterstützt: Landsknechts-Gruppen aus Delitzsch, Wolkenburg und aus der Oberlausitz greifen in die Schlacht ebenso ein wie Gäste aus Memmingen, Altdorf, Kronach und Bopfingen. Preußische Soldaten aus Magdeburg stehen für die Absicherung im Tal bereit.
Wir wissen, was wir tun.
Die anderen Rothenburger Historiengruppen seien von den Organisatoren zwar angefragt worden, es habe aber leider kein Interesse gegeben, meint Korwitz im Gespräch mit der Redaktion. Für ihn ist das nicht weiter schlimm, denn: „Die Gruppen, die jetzt auf dem Feld sind, die kenne ich alle. Da weiß ich, dass sie funktionieren.“
Aus folgendem Grund ist das sehr wichtig: Denn tatsächlich wurde die Gefechtsdarstellung auf der Eiswiese noch nicht geprobt und das wird sie auch nicht. „Dadurch, dass die Gruppen aus ganz Deutschland kommen, können wir das nicht wirklich proben.“ Die Gruppen treffen also am kommenden Sonntag das erste Mal an diesem Ort aufeinander.
Das bereitet Korwitz aber gar kein Kopfzerbrechen. „Wir wissen, was wir tun.“ Denn die Gruppen seien alle sehr erfahren und hätten das, was im Taubertal veranstaltet werde, schon „x-Mal mitgemacht“. Denn der Rothenburger Kanonendonner wird nach dem Vorbild der „Schlacht am Weißen Berg“ bei Prag gestaltet.
Diese Schlacht wird jedes Jahr mit knapp 300 Leuten auf dem Feld nachgespielt – mit Christoph Korwitz mittendrin. Und genau das will er auf Rothenburg ummünzen und sagt entsprechend: „Das wollen wir eins zu eins, von der Machart her, nach Rothenburg bringen.“ Nur die Hintergrundgeschichte eben ein bisschen anders.
Die Geschichte, die sie nachspielen werden, geht dem Tourismus Service (RTS) zufolge so: „Wir befinden uns mitten im Dreißigjährigen Krieg. Seit 13 Jahren tobt ein Krieg im deutschen Reich, der Land und Städte verwüstet, Tod und Zerstörung bringt. Es geht um Macht, Einfluss und Besitz. Vor allem aber geht es um den richtigen Glauben.
Söldnerheere ziehen umher und holen sich, was sie zum Leben brauchen. Das katholische Heer unter Führung von Graf T’Serclaes von Tilly befindet sich auf dem Rückzug nach Bayern. Angst geht um in den Gassen der protestantischen Stadt.“
Weiter heißt es in der Information des RTS: „Es gibt Kunde, dass das kaiserliche Heer gen Rothenburg zieht. Der Rat hat beschlossen, die Stadt nicht kampflos zu übergeben. Man hat ein Bündnis mit dem schwedischen König Gustav II. Adolf geschlossen und hofft auf den Schutz durch dessen Heer. Ein Bote ist bereits ausgesandt, um es heranzuführen. Doch wann es eintreffen wird, das weiß niemand.“
Daher habe der Rat der Stadt „einen der ihren ausgesandt, um Kämpfer aus dem Umland herbeizuholen“. Dieses „tapfere Häuflein soll den Feind aufhalten, bis der Schweden Hilfe naht“. Während des Gefechts auf der Eiswiese wird das katholische Heer auf die Verteidiger Rothenburgs treffen.
Laut könnte es werden: „Das Gefecht wird mit Kanonen, Mörsern, Wallbüchsen, Musketen, Piken und Blankwaffen ausgefochten.“
Wir haben doch das Festspiel. Warum nehmen wir nicht diese Geschichte und bauen sie ein bisschen aus?
Für Korwitz geht damit ein großer Traum in Erfüllung. Seit Jahren fragt er sich: „Warum machen wir so etwas nicht in Rothenburg?“ Er findet: „Wir haben doch das Festspiel. Warum nehmen wir nicht diese Geschichte und bauen sie ein bisschen aus?“ Die Gefechtsdarstellung soll eine Art Vor-Handlungsstrang sein.
Insgesamt 2000 Menschen dürfen zuschauen – Karten gibt es noch zu kaufen, entweder online bei reservix.de unter dem Suchbegriff „Kanonendonner im Taubertal“, bei der Tourist-Info am Marktplatz oder an den Tageskassen unten im Tal. Zwei Shuttlebusse bringen die Gäste vom Bezoldweg zur Barbarossabrücke.
Die Vorfreude bei Korwitz und seiner Gruppe ist groß. Die Aufregung auch. Er sagt: „Ich kann schon seit Wochen nicht mehr richtig schlafen.“
Einlass zur rund eineinhalb Stunden dauernden Darstellung ist ab 12.30 Uhr, Beginn um 14 Uhr. Ab 13.30 Uhr sorgt die Gruppe Mummenschanz für Stimmung. Das RTS empfiehlt, einen Gehörschutz mitzunehmen; Tiere sind nicht gestattet.