Neue Mobilfunkantennen an einem Wahrzeichen der Stadt Leutershausen, dem Oberen Tor, stören seit März die historische Optik. Nun sind sie verkleidet worden – doch das macht es nicht besser. „Die Hauben haben die Wirkung verschlimmert“, befand Stadtrat Harald Domscheit (ALL). Er ist mit diesem Eindruck nicht allein.
Der Mobilfunkanbieter Vodafone hatte im März seine vorhandenen Antennen ersetzt. Die neuen Geräte ragten weit über die Silhouette des Torturmes hinaus und riefen deshalb einigen Unmut hervor – auch in Stadtratskreisen. „Das sieht furchtbar aus“, lautete einer der entsetzten Kommentare, verbunden mit der Frage, wie so etwas vom Denkmalschutz gebilligt werden könne.
Das Landratsamt beschwichtigte. Denn die neuen Sendegeräte sollten noch verkleidet werden – das sei Teil der genehmigten Planung. Solchermaßen „getarnt“, würden die Antennen weniger ins Auge stechen.
Weit gefehlt. Von einer „Verschlimmbesserung“ sprach nun, nachdem besagte Verkleidung installiert worden ist, Harald Domscheit im Bauausschuss. Und niemand wollte seiner Einschätzung widersprechen, dass die Aufbauten am Oberen Tor „nicht gelungen“ seien.
Der Architekt stört sich neben dem Erscheinungsbild auch an der „hanebüchenen“ Befestigungsart. Man habe „einfach in unsere Konstruktion reingeschraubt“. Damit seien Folgeschäden programmiert, warnte Domscheit. Hätte man die Antennen einfach farblich passend lackiert statt verkleidet, „wäre das weit weniger aufgefallen“.
Der ALL-Stadtrat ging auch auf das Dilemma ein, in dem sich der Stadtrat bereits im März sah: Die Realität sehe anders aus als das, was man anhand der dem Bauausschuss vorgelegten Skizzen habe erwarten dürfen. „Was die Firma abgeliefert hat, war vermeintlich so in den Plänen erkennbar“, sagte Domscheit. Dr. Bastian Wojek (SPD) wurde deutlicher: Zwei von drei Darstellungen, die den Ausschlag für einen positiven Bescheid gaben, seien „sehr irreführend“ gewesen.
Bürgermeister Markus Liebich, selbst „nicht glücklich“ mit dem Ergebnis, nannte den der Planung zu entnehmenden Maßstab der Antennen-Einhausung „interpretationsfähig“. Das Unternehmen behaupte allerdings, jede andere Lösung würde die Funktion der Sendeanlage beeinträchtigen. „Der Blickwinkel der Protagonisten kann unterschiedlich sein“, gab sich der Rathauschef diplomatisch, wenngleich er einräumte: „Das hat eine andere Wirkung jetzt.“
„Das ist uns durch die Lappen gegangen“, meinte Stadtrat Domscheit selbstkritisch, warb für mehr Sensibilität in solchen Fällen und zog einen Vergleich zu einem Exempel, das vor Jahren hohe Wogen in Ansbach geschlagen hatte: Der „Bock’sche Balken“ im Herrieder Tor – ein Leuchtkörper, der in natura anders aussah als auf Papier. Schnell musste er wieder verschwinden.
Mit dem Hinweis auf die kommunale Gestaltungssatzung zur „Erhaltung des überlieferten Stadtbildes“ fährt der Stadtrat von Leutershausen eine eher restriktive Linie bei der Genehmigung von Photovoltaikanlagen auf Dächern in der Altstadt. Das sorgte in jüngster Vergangenheit wiederholt zu Konflikten.
Das Regelwerk besagt, dass „bauliche Anlagen“ in Form, Maßstab, Gliederung, Material und Farbe „den historischen Charakter, die künstlerische Eigenart und die städtebauliche Bedeutung der vorhandenen Bebauung sowie des Straßen- und Platzbildes und des Altstadtgefüges nicht beeinträchtigen“ dürfen.
Konkret heißt es in der Satzung weiter: „Technische Aufbauten wie zum Beispiel Antennen, Satelliten- oder Photovoltaikanlagen stören das historische Stadtbild. Diese dürfen deswegen nur in Ausnahmefällen auf vom Straßenraum nicht einsehbaren Dachflächen montiert werden.“ Das Anbringen von Funkantennen, Parabolspiegeln Windrädern „und dergleichen auf den Dachflächen“ ist ausdrücklich „nicht zulässig“.