Nach der Schließung des Schlachthofs in Wassertrüdingen konkretisieren sich die Pläne, ihn mit Hilfe einer Gesellschaft wieder in Betrieb zu nehmen. Das bestätigt Felipe Soto, Geschäftsführer des Landesverbands der Bayerischen Geflügelwirtschaft auf Nachfrage der FLZ. Eine Wiederinbetriebnahme wäre ab Ende des Jahres denkbar.
Im April waren Videos der Tierrechtsorganisation Aninova bekannt geworden. Sie zeigen schweren Missbrauch an Tieren in einem Hennen-Schlachthof in Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach. Der Betrieb wurde danach geschlossen. Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat die Videos mittlerweile ausgewertet und sieben Beschuldigte identifiziert, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Friedrich Weitner vor Kurzem auf FLZ-Anfrage mitteilte. Sie werden nun vorgeladen und vernommen. Das gebe in erster Linie den Tatverdächtigen die Möglichkeit, sich zu äußern. Verpflichtet, eine Vorladung wahrzunehmen, sind Beschuldigte nämlich nicht.
Schon länger stand die Gründung einer Gesellschaft im Raum, um den Betrieb wieder öffnen zu können. Die Pläne dazu haben sich nun „weiter konkretisiert”, sagt Felipe Soto vom Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft. Ungefähr 70 Betriebe aus Bayern und Baden-Württemberg seien momentan im Gespräch, den Standort finanziell zu unterstützen. Darunter Investoren und größere Geflügelhalter. Alle stammen aus dem süddeutschen Raum.
Für die Gesellschaft wurde laut Soto schon Eigenkapital gesammelt und „wir haben uns einen Businessplan erstellen lassen”, erklärt er. Dieser sei dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium Ende Juli vorgetragen worden und werde derzeit geprüft. Auch in Baden-Württemberg laufe ein solcher Antrag. Wann der Plan fertig ausgewertet sein wird, kann Soto nicht sagen. Um damit voranzukommen, „müssen wir konkretisieren, wer dabei ist. Es muss klar sein, dass nur Firmen aus Süddeutschland profitieren”.
Sicher sei aber laut Soto: „Wir können nicht wieder aufmachen, so wie der Betrieb zugemacht wurde.” Neben den Misshandlungen der Tiere in den Videos waren auch bauliche Mängel im Betrieb bemängelt worden. Solang diese nicht beseitigt sind, ist eine Wiederinbetriebnahme ausgeschlossen, wie die bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) zuletzt erklärte. Ein Gutachten dazu steht aktuell noch aus.
„Wir wollen auch mehr Tierschutz und es müssen einige Sachen geändert werden”, betonte Felipe Soto. Eine Wiederaufnahme des Betriebs am Schlachthof in Wassertrüdingen wäre möglicherweise ab Dezember 2025 oder Januar 2026 denkbar, so Soto. Dafür müssen aber erstmal die Rahmenbedingungen stimmen. Es braucht „Personal, einen neuen Tierschutzbeauftragten und eine neue Geschäftsführung”.
Die Beschuldigten, die auf den Videos identifiziert werden konnten, seien alle fristlos gekündigt. Doch auch ein großer Teil des restlichen Personals (ehemals 120 Mitarbeitende) sei weg. „Der Betrieb ist seit April geschlossen. Das kann sich keiner leisten, das Personal zu halten.” Etwa die Hälfte des Personals, so Soto, müsse ersetzt werden. Er könne sich aber auch vorstellen, dass ein Teil der Belegschaft zurückkommt, da viele aus der Gegend stammen.
Die Geschäftsführung des Schlachthofs habe laut Soto bereits am ersten Tag nach der Schließung gesagt: „Wir machen nicht weiter.” Schon vorher habe es „Auseinandersetzungen mit Behörden” gegeben. Der Skandal im April sei dann der letzte Schritt gewesen. Auf eine Anfrage der FLZ hat der Schlachthof aus Wassertrüdingen bislang nicht geantwortet.
Sollte es so weit sein, dass der Betrieb wieder aufmacht, werde die Geschäftsführung in der Einarbeitungszeit erstmal unterstützen, sich dann aber danach komplett zurückziehen, sagt Soto. Ein paar Namen für die neue Geschäftsführung stünden bereits im Raum. Auch werde sich der Betrieb ganz neu vermarkten – unter anderem mit einem neuen Firmennamen.
Auch wenn vieles bei einer Wiederinbetriebnahme anders als vorher laufen soll: Die Zahl der Schlachtungen wird wohl auf gleichem Niveau bleiben, schätzt Soto. „Eine gewisse Auslastung braucht man. Man kann den Standort nicht einfach kleiner machen.” Der Schlachthof in Wassertrüdingen sei in Süddeutschland der einzige in dieser Größenordnung für Suppenhühner.