Traumstrände, palmengesäumte Inseln, eine beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt – solche Bilder kommen beim Gedanken an die Philippinen in den Sinn. Doch dies ist weit weg vom harten Alltag der etwa 600.000 Menschen im Slum auf dem Smoky Mountain – einem gigantischen Müllberg in der philippinischen Hauptstadt Manila.
Karin Burkhardt-Thelen und Werner Thelen aus dem Bechhofener Ortsteil Königshofen haben sich dem Missionsdienst bei den Ärmsten der Armen in Fernost verschrieben. Sie haben alles hinter sich gelassen und sind dem Ruf ihres Herzens und ihrer religiösen Überzeugung gefolgt.
Seit Jahren hätten sie schon ein Herz für die Mission gehabt, die Unterstützung von Patenkindern in armen Ländern sei selbstverständlich gewesen, so die Missionare unlängst bei ihrem Heimaturlaub. Doch der Impuls, selbst aktiv einzusteigen, sei bei einer Konferenz der Freien Christlichen Jugendgemeinschaft (FCJG) in Lüdenscheid gekommen. Dort sei eindrücklich über die missionarische Arbeit in den Slums von Manila berichtet worden sei.
Danach, so erzählt Werner Thelen, habe er immer wieder das Bild von Kindern, die an ihm zerrten, vor Augen gehabt. Seiner Frau sei es ähnlich ergangen. 2018 verschafften sich die beiden Königshofener dann einen persönlichen Eindruck vom Slumgebiet „Tondo“ in Manila. Und bei diesem „Outleach“ genannten Auslandseinsatz seien die Eindrücke der um Hilfe bettelnden Kinder Wirklichkeit geworden.
Nach einer Phase des Überlegens sei dann der Entschluss zum Besuch einer Missionsschule gereift: „Gott will, dass wir in den Dienst einsteigen“, hätten sie als Auftrag verspürt. Doch die ersten Gespräche mit ihren Familien seien nicht einfach gewesen, viele Emotionen waren im Spiel. Die beiden haben jeweils sechs eigene Kinder, fünf Enkelkinder sind mittlerweile dazugekommen.
Der Dienst an den Ärmsten sei grundsätzlich etwas Tolles, doch wenn plötzlich die eigene Mutter an das andere Ende der Welt strebt, sei dies etwas ganz anderes, erinnert sich Karin Burkhardt-Thelen. Zudem galt es, die sichere berufliche Existenz hinter sich zu lassen: Karin Burkhardt-Thelen kündigte 2019 ihre Stelle als Gruppenleiterin im Feuchtwanger Sonnenhof und Werner Thelen gab seinen Posten als Produktionsleiter in der Automobilzulieferindustrie auf. „Das war schon eine harte Nummer“, gesteht er. Denn da gelte es, ein großes Stück Verantwortung aus der Hand zu legen und Gott zu vertrauen.
Dann zog das Ehepaar für ein Jahr nach Lüdenscheid, wo es die Vollzeitschule für Weltmission (Revival School Germany) in Trägerschaft der überkonfessionell und bibelorientierten FCJG besuchte. Nach einem Praktikum in einer Drogen-Reha-Einrichtung ging es weiter zu einer Sprachschule der FCJG in Texas, bevor der eigentliche Dienst auf den Philippinen Anfang 2022 begann.
Ihr zentrales Einsatzgebiet ist jetzt der Slum von Tondo auf dem Smoky Mountain. Dessen Bewohner leben unter extrem prekären Verhältnissen: Wie die Missionare berichten, versuchen die Menschen dort, durch das Sammeln und Trennen von Müll über die Runden zu kommen. So schmelzen Kinder von Kabelresten den Kunststoff ab und verkaufen das Kupfer. Andere lesen in der Manila Bay Treibholz auf, um es zu Grillkohle zu verarbeiten. Doch all dies sei gesundheitsschädlich und reiche oft kaum zum Überleben. Hinzu komme der verbreitete Drogenkonsum und in dessen Folge die Prostitution.
Viele junge Menschen, die aus den Dörfern auf der Suche nach einem besseren Leben in die Metropole ziehen, gerieten schnell in einen Strudel aus Armut und Haltlosigkeit, schildert das Ehepaar, das den Menschen neben der Nothilfe auch Wertschätzung entgegenbringen und sie durch den Glauben ermutigen will.
Die vom Verein „Help international“ geleistete Arbeit habe mehrerlei Facetten: Im Father’s House fänden im Schnitt 20 vernachlässigte Kinder und Waisen ein neues Zuhause und erhielten Zugang zu Bildung. Im Set Free Center wolle man Drogenabhängige durch religiöse Umkehr von der Sucht befreien. Zudem gingen die Mitarbeitenden unter dem Motto „City Mission“ dorthin, wo die Menschen dringend Zuspruch und Ermutigung bräuchten – einen besonderen Schwerpunkt bilde dabei die Arbeit in den überfüllten Gefängnissen, deren Insassen unter unbeschreiblichen Bedingungen dahinvegetierten. Und unter dem Titel „Help Tondo“ laufe die tägliche Arbeit in dem großen Slum.
„Reis ist das Brot Asiens“, sagt Werner Thelen und bezeichnet die Ausgabe von Reisspenden als zentralen Punkt bei der Nothilfe. Doch darüber hinaus wolle man durch Wertschätzung und Ermutigung im Glauben Perspektiven schaffen. Und so berichten die beiden Missionare stolz, dass sich in kurzer Zeit eine rasch wachsende Gemeinde auf dem Müllberg gebildet hat.
Mit Schulpatenschaften fördere die Hilfsorganisation langfristig bedürftige Familien sowie die Zukunft von deren Nachwuchs. Ein großes Problem ist laut Karin Burkhardt-Thelen, dass viele Kinder nicht registriert sind und mangels Geburtsurkunden keine Schule besuchen können. Auch deshalb sei Unterstützung beim bürokratischen Prozess in dieser Hinsicht wichtig.
Eine gute medizinische Infrastruktur gebe es zwar auf den Philippinen. Weil sie für die Bewohner der Slums aber unerschwinglich sei, spiele das Gebet um Heilung eine große Rolle für Menschen in Tondo.
Die Philippinos sind aufgrund der über 400-jährigen spanischen Kolonialgeschichte in großer Mehrheit katholisch geprägt. Dennoch werde die Arbeit der freikirchlichen FCJG staatlicherseits wohlwollend aufgenommen und nicht behindert, informieren die beiden Königshofener. Es finde lediglich eine qualitative Kontrolle statt.
Aktuell arbeiten die aus Franken stammenden Missionare daran, ihre Sprachkenntnisse in Tagalog, der philippinischen Umgangssprache, zu verbessern. So wollen sie künftig auch jene Menschen direkt erreichen, die des Englischen nicht mächtig sind. Und nachdem die Thelens zunächst im Kinderhaus gewohnt hatten, haben sie nun seit einiger Zeit ein Haus in Manila angemietet. Zudem haben sie einen Pkw angeschafft, um bei ihrer täglichen Arbeit mobiler zu sein.
Bei all ihren täglichen Ausgaben und ihrem Dienst sind die beiden auf Spenden sowie auf Sponsoren angewiesen, denn sie erhalten weder in Deutschland noch auf den Philippinen Geld aus öffentlicher Hand. Darum haben sie während des nun ausgeklungenen zweimonatigen Heimaturlaubs um Mittel für ihre missionarische Arbeit geworben. Mindestens genauso wichtig war die Zeit aber auch, um den Kontakt mit ihren Familien stabil zu halten und Freunden zu begegnen. Dazu kamen Vorträgen berichtete das Ehepaar in Kirchengemeinden und Hauskreisen.
Nun freuen sich die beiden auf weitere Gelegenheiten, während ihres nächsten Heimataufenthalts in Königshofen erneut über ihre Arbeit berichten zu können. Anfragen dazu sowie nach Möglichkeiten des Sponsorings, etwa für Schulpatenschaften, können per E-Mail an die Adresse werner.thelen7@gmail.com gerich-tet werden.