Millionen für ein überflüssiges Containerdorf in Dietersheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.07.2025 07:00

Millionen für ein überflüssiges Containerdorf in Dietersheim

Das ehemalige EKA-Möbelwerk ist in Besitz des Immobilienhändlers Thomas Sommer. Der will den Landkreis nicht so einfach aus dem Vertrag wegen des Containerdorfs für Geflüchtete herauslassen. (Archivbild: Nina Daebel)
Das ehemalige EKA-Möbelwerk ist in Besitz des Immobilienhändlers Thomas Sommer. Der will den Landkreis nicht so einfach aus dem Vertrag wegen des Containerdorfs für Geflüchtete herauslassen. (Archivbild: Nina Daebel)
Das ehemalige EKA-Möbelwerk ist in Besitz des Immobilienhändlers Thomas Sommer. Der will den Landkreis nicht so einfach aus dem Vertrag wegen des Containerdorfs für Geflüchtete herauslassen. (Archivbild: Nina Daebel)

Das Dietersheimer Containerdorf wird noch in diesem Jahr errichtet. Das jedenfalls sagt Thomas Sommer, Besitzer des Eka-Areals in Dietersheim, auf dem die Container aufgestellt werden sollen. Gegenüber der Redaktion erklärte der Geschäftsmann: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, das Containerdorf wird erstellt.”

Damit kommt es nun aller Voraussicht nach zu jener absurden Situation, die Landrat Christian von Dobschütz vor Wochenfrist gegenüber der Redaktion schon befürchtet hatte: Die Container werden aufgebaut, Thomas Sommer erklärt die offizielle „Inbetriebnahme” und der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zahlt vier Jahre Miete für eine Geflüchtetenunterkunft, die er schon lange nicht mehr braucht. Von Dobschütz nannte keine Zahlen, aber es darf von einem Gesamtmietbetrag zwischen 3,5 und fünf Millionen Euro ausgegangen werden.

Zur Erinnerung: Im Mai 2024 hatte der Vorgänger von Christian von Dobschütz, Altlandrat Helmut Weiß, den Vertrag mit Sommer unterzeichnet. Getrieben wurde Weiß von den Erfahrungen des Jahres 2023, als er monatelang vergeblich versucht hatte, für die große Zahl an zugewiesenen Geflüchteten Wohnraum zu organisieren. Zusätzlichen Druck hatte die phasenweise eklatant überbelegte Notunterkunft in Scheinfeld verursacht - mit dem Projekt Dietersheim wollte Weiß den ärgsten Druck aus dem Kessel nehmen. Bis zu 150 Personen sollten dort untergebracht werden können (später war dann von 100 Menschen die Rede), die Lage zwischen Bundesstraße und Bahnhalt schien aus logistischen Gründen ideal.

Die Dietersheimer allerdings waren nicht begeistert. Vor allem aufgrund der großen Zahl der einzuquartierenden Geflüchteten befürchtete man eine Ghettobildung - es formierte sich Widerstand. „Geflüchtete ja, aber bitte mit Maß und Ziel und möglichst dezentral untergebracht” lautete das Motto einer eigens gegründeten Dietersheimer Initaitive und siehe da: Genau dieses Ziel ist mittlerweile erreicht. Dank stark reduzierter Zuweisungen, viel Diplomatie und einem geschickten Wohnraum-Management sind die Geflüchteten über 18 Kommunen im ganzen Landkreis verteilt.

Immobilienmogul pocht auf Vertrag

Das bedeutet: Die Scheinfelder Notunterkunft ist nur noch spärlich belegt, der Druck des Jahres 2023 ist nur noch eine Erinnerung. Im Klartext: Das Dietersheimer Containerdorf wird nicht mehr gebraucht. Dies jedoch ficht Thomas Sommer nicht an. Im Gespräch mit der Redaktion macht der Immobilienmogul keinen Hehl daraus, dass ihm die angebotene Abstandszahlung der Staatsregierung - auch hier gibt es keine offiziellen Zahlen, aber unter der Hand wird von einem mittleren sechsstelligen Betrag gemunkelt - „deutlich zu wenig” ist.

Stattdessen pocht Sommer auf den Vertrag mit dem Landkreis: Egal, ob und wie viele Geflüchtete in seinen Containern untergebracht werden - er kassiert Monat für Monat allein für die Inbetriebnahme seine Miete. Vier Jahre lang.

Sommer hält Gelände für „schwierig”

Rechtlich ist dagegen nichts zu machen, deutete Christian von Dobschütz an. Natürlich habe man es prüfen lassen, sehe aber keine Möglichkeit, aus dem Kontrakt auszusteigen. Somit wird das Unvermeidliche laut Sommer demnächst geschehen: „Die verlangten Bodenbohrungen sind gemacht, für die Kanalspiegelung, die von der Gemeinde gefordertt wurde, ist der Auftrag erteilt. Wenn wir damit fertig sind, bestellen wir die Container und stellen sie auf. Ich gehe davon aus, dass das noch in diesem Jahr sein wird.”

Auf die Frage, ob er sich denn für die Industriebrache mitten in Dietersheim nicht auch eine andere Nutzung vorstellen könnte, sagt Sommer, das sei eine „schwierige Gegend”, dafür gebe es kaum Anfragen. Aktuell habe er mit einem Möbelgroßhändler einen Mietvertrag für ein Jahr abgeschlossen, ansonsten stehe nichts in Aussicht. Prinzipiell stehe er einer Neubebauung aufgeschlossen gegenüber, aber „das kommt natürlich auf die Ideen an”. Der Abriss koste schließlich viel Geld - zukünftige Projekte müssten schon Aussicht auf Erfolg haben. Auch die ins Spiel gebrachte Wasserstofftankstelle sei zwar durchaus überlegenswert, aber „die kommt auch nicht mehr in diesem Jahr”.

Landkreis im Zugzwang

Für den Landkreis bedeutet dies nun, er wird in Dietersheim Geflüchtete unterbringen müssen - ob er will, oder nicht. Tut er es nicht, würde man Miete ohne jede Gegenleistung bezahlen - ein gefundenes Fressen für jeden Rechnungsprüfer. Das bedeutet: Die Verträge von angemieteten Objekten, die demnächst auslaufen, werden nicht verlängert und die dort lebenden Geflüchteten werden nach Dietersheim überstellt. Rund 20 Personen könnten das werden, schätzt von Dobschütz.

Dietersheims Bürgermeister Jürgen Meyer ist nicht erfreut, aber auch nicht schockiert: Die Verhandlungen zwischen Sommer, dem Landrat und der Regierung habe er mitbekommen, dass jetzt bis zu 20 Personen ins Containerdorf einziehen können, sei auch „in Sachen Integration durchaus zu bewältigen”. Was ihn ein wenig wundert: „Der Staat hat doch so viele Juristen. Da frage ich mich schon, warum in diesem Vertrag keine Ausstiegsklausel drin ist.”

Angesprochen auf die Aussage von Thomas Sommer, es handele sich um ein schwierig zu vermarktendes Areal, verteidigt Meyer seinen Ort: „Ich glaube schon, dass man dort etwas Gutes entwickeln könne, so schlecht ist die Lage nicht.” Im Scherz habe er Sommer schon einmal vorgeschlagen, dieser könne doch dort auch ein Museum für seine zahlreichen Oldtimer bauen, doch darauf sei der Geschäftsmann nicht eingegangen.

„Für mich wäre es das Schlimmste, wenn das Gelände auch die nächsten 20 Jahre so bleibt”, sagt Meyer und kündigt an, sich demnächst mit Spezialisten zu beraten, „wo es damit denn mal hingehen könnte”. Aber klar sei auch: „Egal, worüber wir nachdenken: Ohne Thomas Sommer geht nichts.”


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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