Der spektakuläre Einbruch in eine Bank in Gelsenkirchen hat viele Menschen aufgeschreckt. Auch in Westmittelfranken dürfte sich seitdem mancher fragen: Was wäre, wenn es mich treffen würde – und wie sicher sind Schließfächer bei uns eigentlich? Die FLZ hat bei mehreren Instituten nachgefragt.
Es war wohl der 27. Dezember gegen 11 Uhr, da gelang Unbekannten in einer Sparkassenfiliale im Gelsenkirchner Stadtteil Buer ein Coup, der seinesgleichen sucht. Laut Polizei gelangten die Täter über eine manipulierte Tür vom angrenzenden Parkhaus in die Bank. Sie bohrten sich dazu ihren Weg durch ein Loch ins Gebäude in Richtung Tresorraum und plünderten dort zahlreiche Schließfächer. Die Beute hatte mutmaßlich einen Wert von über 100 Millionen Euro.
Gefragt nach den Sicherheitsprinzipien ihrer Schließfächer sind sich die Banken in der Region einig: Zu konkreten baulichen oder technischen Vorkehrungen geben sie keine Auskünfte. Das gilt ausdrücklich auch mit Verweis auf den aktuellen Anlass. Dennoch: „Bankschließfächer zählen weiterhin zu den sichersten Aufbewahrungsorten für Wertgegenstände”, versichert etwa Manuela Hofmann von der Sparkasse im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
Schließfachanlagen würden sich an hohen Sicherheitsstandards orientieren, baulich und technisch gesichert sind und die Konzepte mit Sicherheitsbehörden und Fachleuten ausgearbeitet werden: So betonen es alle angefragten Geldinstitute in der Region.
Genannt werden außerdem organisatorische Maßnahmen wie das Vier-Augen-Prinzip und gesicherte Bereiche. „Und wir haben auch keine Tiefgarage nebenan”, versichert etwa Bernd Großmann, Vorstandsmitglied der VR-Bank im südlichen Franken.
Dabei ist es nicht so, dass Schließfächer nur in wenigen zentralisierten Standorten vorhanden sind. Die verschiedenen Sparkassen und VR-Banken in Westmittelfranken berichten, dass sie solche Dienstleistungen in zahlreichen Filialen anbieten. Die Größen unterscheiden sich je nach Anlage: Das reiche üblicherweise von den Maßen eines Schuhkartons bis zu denen eines Handgepäckstücks.
Zu den gelagerten Inhalten machen die Banken keine Angaben – aus einem einfachen Grund: Sie wissen nicht, was die Kundinnen und Kunden in die Schließfächer einlagern. Aus der Praxis werde aber deutlich, dass es nicht nur um klassische Wertgegenstände wie Schmuck oder Gold geht, sondern teils auch um Dokumente, Urkunden oder Erinnerungsstücke, erklärt Großmann.
Wer auf absolute Nummer sicher gehen will, muss sich aber mit einer zusätzlichen Frage befassen: Lohnt sich eine Versicherung fürs Schließfach?
Das immerhin ist auch einer der Knackpunkte für viele Kundinnen und Kunden in Gelsenkirchen. Hier ist inzwischen klar: Jedes Schließfach war laut Sparkasse mit 10.300 Euro versichert. Wer darüber hinaus keine Absicherung hatte, steht vor einem Vermögensverlust.
In der Region ist die Regelung hierzu unterschiedlich: Die Banken verweisen darauf, dass ihnen der Inhalt der Schließfächer nicht bekannt und die Absicherung deshalb häufig über Grundwerte oder pauschale Summen geregelt ist. So berichtet die Sparkasse im Neustädter Kreis von einer Versicherung über 11.000 Euro, die VR-Bank im südlichen Franken von bis zu 10.000 Euro – je nach Standort. Von der VR-Bank Mittelfranken Mitte heißt es wiederum, der Inhalt eines Fachs sei „grundsätzlich nicht automatisch über die Bank versichert”.
Für höhere Werte besteht die Möglichkeit, sich zusätzlich abzusichern, etwa über eine Schließfachversicherung. Abhängig vom Vertrag könne die Hausratversicherung eine Rolle spielen, ergänzt Großmann.
Die Banken raten ihren Kunden jedoch: Wer ein Schließfach nutzt, sollte akribisch notieren, was eingelagert ist. Im Schadensfall kann das bei der Klärung und Beweissicherung entscheidend sein – genauso wie die Frage, ob die eigene Versicherungssumme wirklich zum Inhalt passt.