Millionen-Auftrag aus Köln für die Maschinenbau-Firma IMRO in Langensteinach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.10.2025 09:00

Millionen-Auftrag aus Köln für die Maschinenbau-Firma IMRO in Langensteinach

3D-Planung wie die Rostasche-Aufbereitungsanlage später aussehen wird. Ein Großprojekt. (Screenshot: Andreas Hein)
3D-Planung wie die Rostasche-Aufbereitungsanlage später aussehen wird. Ein Großprojekt. (Screenshot: Andreas Hein)
3D-Planung wie die Rostasche-Aufbereitungsanlage später aussehen wird. Ein Großprojekt. (Screenshot: Andreas Hein)

Bei der Maschinenbaufirma IMRO im Langensteinacher Industriegebiet knallen die Korken. Die Geschäftsführer Manfred Ingrisch, Reinhard Ott und ihr Team haben den größten Auftrag der Unternehmensgeschichte an Land gezogen: den Bau der Rostasche-Aufbereitung für die Müllverbrennungsanlage der Stadt Köln. Auftragsvolumen: 16 Millionen Euro.

Wer ins Langensteinacher Industriegebiet nahe der A7 fährt, dem fällt gleich vorne in der Landwehrstraße das IMRO-Schild auf. Maschinenbau steht als Zusatz dabei. Doch viele Uffenheimerinnen und Uffenheimer wissen gar nicht so recht, was das Unternehmen überhaupt fertigt. „Die Leute haben 20 Jahre lang gedacht, wir bauen nur Förderbänder”, sagt Ott und lacht. Weit gefehlt: IMRO hat sich im Recycling-Markt längst so manches Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, bei der Rostasche-Aufbereitung sind die Langensteinacher Marktführer. Aber was ist das überhaupt, Rostasche-Aufbereitung?

Eisen, Aluminium, Kupfer, Silber und sogar Gold

Wenn Müll verbrannt wird, bleiben nicht brennbare Rückstände zurück: die Rostasche. Schlacke, Keramik, Glas, aber eben auch Eisen, Aluminium, Kupfer und sogar Gold und Silber sind darin enthalten. Diese Stoffe bleiben – und sind bares Geld wert. IMRO mit seinen rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich darauf spezialisiert, genau diese Wertstoffe zurückzugewinnen. Dafür haben die IMRO-Tüftler über die Jahre (die Firma ist seit 1991 am Markt) spezielle Maschinen konzipiert, die genau das können.

Bitterfeld, Augsburg, Weisweiler, Marseille: „In den letzten zehn Jahren ist in Europa keine Rostasche-Aufbereitungsanlage mehr gebaut worden, an der wir nicht beteiligt waren”, sagt Ott. Manchmal als Generalunternehmer, manchmal als Zulieferer der benötigten Technik. Mit dem Kölner Neubau, der auf der Deponie in Erftstadt in einem ehemaligen Kohleabbau-Gebiet entstehen wird, setzen die Langensteinacher jetzt neue Maßstäbe – in mehrfacher Hinsicht.

Am Anfang stand die europaweite Ausschreibung. Die hat IMRO gleich gereizt, Reinhard Ott hat sich mit einem kleinen Team beraten: Sollen wir oder sollen wir nicht? Eine Angebotserstellung im geforderten Umfang mit Planungsleistungen kostet schließlich 100.000 Euro, erklärt der Geschäftsführer, „die einfach weg sind, wenn man den Zuschlag nicht erhält”. Planung, Fördertechnik, Funktionsmaschinen mit Stahlbau und Stahlhalle sind im Los enthalten. 16 Millionen Euro Auftragsvolumen. „Wir haben ein gutes Netzwerk beim Recycling. Man kennt sich, man kennt die Kunden und man kennt die Materialien.” Die Maschinenbau-Firma hat ein Angebot abgegeben – und vor drei Monaten den Zuschlag erhalten.

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Fast 160 Meter lang und 20 Meter hoch

„Seitdem sind wir voll in der Werkplanung”, sagen Reinhard Ott und Projektingenieur Andreas Hein. Stets in Abstimmung mit dem Planungsbüro und der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG) Köln, dem Auftraggeber. Aber: „Wir haben die meiste Erfahrung, wir sind die Praktiker.” Die Aufbereitungsanlage hat jedenfalls stattliche Ausmaße: knapp 160 Meter lang ist sie, 20 Meter hoch. Sie wird komplett eingehaust, also in einer Halle versteckt.

Die Kölner hatten jedenfalls noch eine Überraschung parat: Der Baugrund ist eine ehemalige Kohlegrube, mehr als 20 Meter tief, die bis 1998 mit Restmüll aufgefüllt wurde. Das alles wurde dann mit Rostasche verdichtet. Trotzdem bleibt der Untergrund eine Herausforderung, sagen Ott und Hein. Entsprechend musste erst einmal ein Stabilitätsgutachten gefertigt werden.

Aber Alternativen gibt es eigentlich nicht, erklärt der Geschäftsführer: „Eine Genehmigung einer solchen Anlage auf der grünen Wiese ist fast unmöglich.” Die komplette Anlagentechnik inklusive Stahlhalle wird auf höhenverstellbaren Füßen stehen. So können Setzungen ausgeglichen werden, ohne dass der Gigant aus dem Gleichgewicht gerät. Baubeginn in Erftstadt soll dann im Sommer 2026 sein, wenn bis dahin die Gewerke „Tiefbau” und „Infrastruktur” ihr Werk vollendet haben.

Die meisten Bestandsanlagen sind technisch überaltert

Die Rostasche-Aufbereitung boomt. Die meisten Bestandsanlagen sind 20 bis 30 Jahre alt, technisch völlig veraltet. So manche Stadt baut deshalb moderne Alternativen. Und dann ist IMRO ziemlich sicher mit im Boot. Entsprechend plagen Reinhard Ott und sein Team keine Zukunftssorgen. Alleine die Projekte, bei denen sich die Kunden eine Umsetzung von IMRO wünschen, würden die Auftragsbücher für mindestens fünf Jahre voll ausfüllen, sagt Andreas Hein.

Denn das Herausfischen von Metallen und sogar Edelmetallen ist ein Multi-Millionen-Euro-Geschäft. 180.000 Tonnen Rostasche werden im Einschichtbetrieb Jahr für Jahr durch die Kölner Anlage laufen. Die 16 Millionen Euro für die Technik haben sich da schnell amortisiert, sagt Ott. Hinzu kommt der gelebte Klimaschutz, betont Hein. In der Aluminiumproduktion spart das Recycling nach seiner Aussage 90 Prozent Energie ein im Vergleich zur Herstellung aus Erz.

Eisen wird mit einer besonderen Magnettechnik aus der Asche geholt, für Edelmetalle wie Silber und Gold – sie stammen überwiegend aus falsch entsorgtem Elektroschrott, vor allem Kontakte sind vergoldet – findet eine spezielle Wirbelstromtechnik Anwendung. Und dann gibt es noch Sensormaschinen, die Wertstoffe erkennen und mithilfe eines kleinen Luftstoßes ausblasen, berichtet Hein.

Innovationen und neue Märkte

Im Langensteinacher Werk startet langsam, aber sicher auch die Produktion der Maschinen fürs Köln-Projekt. Ganz nebenbei versuchen Ingrisch, Ott und ihr Team Innovationen voranzubringen und neue Märkte zu erschließen. In den USA steckt viel Potenzial, erst vor Kurzem besuchte außerdem eine japanische Delegation aus Tokio IMRO. Und so dürfte auch in den nächsten zehn Jahren kaum ein Projekt in der Rostasche-Aufbereitung vergehen, für das keine Technik und kein Know-how aus Langensteinach geliefert werden.

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