Michael Riedel aus Baudenbach wird Kantor der Nürnberger Lorenzkirche | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.09.2024 07:34

Michael Riedel aus Baudenbach wird Kantor der Nürnberger Lorenzkirche

Michael Riedel tritt im Februar 2025 seine Stelle als Kantor in Bayerns größter evangelischer Kirche an. (Foto: Beba Dacic)
Michael Riedel tritt im Februar 2025 seine Stelle als Kantor in Bayerns größter evangelischer Kirche an. (Foto: Beba Dacic)
Michael Riedel tritt im Februar 2025 seine Stelle als Kantor in Bayerns größter evangelischer Kirche an. (Foto: Beba Dacic)

Die größte evangelische Kirche in Bayern ist Sankt Lorenz in Nürnberg, wo auch der Landesbischof eingeführt wird. Wer dort das Amt des Kantors innehat, muss wahrlich gut sein. Ab Februar 2025 tritt Michael Riedel seine neue Stelle dort an. Er stammt aus Baudenbach im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

„Ich habe mich ganz klassisch beworben“, sagt der fröhliche Kirchenmusiker, der schon über zehn Jahren in der Epiphanias-Kirche in Frankfurt am Main für Kirchenmusik zuständig ist. Dort lebt und arbeitet der 39-Jährige, der am 2. Oktober seinen runden Geburtstag begeht und mit einer Südkoreanerin verheiratet ist.

Konzert in der Heimat 2023

Michael Riedel weilt nicht oft in Franken. Anfang Februar 2023 gab er zuletzt mit einem befreundeten Trompeter Moritz Görg ein Konzert in der Baudenbacher Lambertuskirche auf der kleinen Orgel. In einem halben Jahr wird er „die größte Orgelanlage in einer evangelischen Kirche Deutschlands, die nach dem katholischen Dom in Passau zweitgrößte in Deutschland und die elftgrößte Orgelanlage der Welt“, wie er erklärt, spielen.

Die Kirchenmusik liegt in der Familie Riedel. Seine Mutter Tanja Riedel spielt seit Jahrzehnten am Sonntag in Baudenbach die Orgel und leitet dort den Liturgischen Chor. Schon kurz vor seinem Teenageralter habe er in der Kirche auch selbst im Gottesdienst gespielt.

Anfang im Windsbacher Knabenchor

Schon zu Schulzeiten kristallisierte sich heraus, dass sich Michael Riedel in diese Richtung entwickelte. Als Zehnjähriger fing er im Windsbacher Knabenchor an, wohnte auch bis 2004 im Internat. „Damals habe ich schon dem Lorenzkantor Matthias Ank über die Schulter geschaut, als unser Chor in der Nürnberger Kirche einmal pro Monat die Motette sang“, erinnert er sich. „Nun werde ich sein Nachfolger“, sagt Michael Riedel. Stiller Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

Dankbar erinnert er sich an den Orgelunterricht beim inzwischen verstorbenen Helmut Duffe in Windsbach. „Das war ein ganz toller, älterer netter Lehrer für Kirchenmusik. Bei ihm hat es Spaß gemacht.“ Ein weiterer Förderer war der Kantor Andreas Schmidt, der in der Ansbacher Gumbertuskirche und der Johanniskirche wirkte. Die letzten beiden Jahre in seiner Windsbacher Zeit saß auch der junge Baudenbacher dort auf den Orgelbänken vor diesen majestätischen Instrumenten.

Eine gute Erinnerung an Nürnberg

Am Ende seiner Windsbacher Jahre war er bereits als Schüler an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth eingeschrieben. Diese Studien führte er auch als Zivildienstleistender in Nürnberg fort. „Ich habe eine gute Erinnerung an Nürnberg.“ Es folgte eine Hochschulausbildung, die sich wahrlich sehen lassen kann. Riedel legte drei Hochschulabschlüsse hin, und zwar als Dirigent in Köln, als Kirchenmusiker in Düsseldorf und als Organist in Rotterdam, wo er französische Orgelsymphonik studierte.

Seine erste nebenamtliche Stelle hatte er in Düsseldorf seine erste hauptamtliche Stelle in Bonn – beides noch als Student. Düsseldorf sei eine Art Wahlheimat für ihn und seine Frau und in Frankfurt geht es ihm auf der Arbeitsstelle auch gut. Dann erfuhr er, dass Matthias Ank in den Ruhestand geht.

Auswahlverfahren mit 20 Bewerbern

Die Stelle war deutschlandweit ausgeschrieben. Da er bereits die Epiphanias-Kantorei mit 80 Sängerinnen und Sängern leitete und auf genügend Erfahrungen zurückgreifen kann – auch mit seinen monatlichen Fullmoon-Konzerten – stellte er sich mit rund 20 Bewerbern dem Auswahlverfahren.

Spannend war seinen Worten zufolge die Endrunde, die am 14. und 15. Juni über die Bühne ging. „Wie ein Wettbewerb“ ist ihm das in Erinnerung. Sein Ziel beim künstlerischen Auswahlverfahren war es, punktgenaue Arbeit mit einer gewissen Routine abzuliefern.

Improvisation über den „Engelsgruß“

Zuerst musste er in einem Orgelvorspiel, das „eine Mischung aus Konzert und Gottesdienst“ gewesen sei, seine Kompetenz unter Beweis stellen. Doch waren noch mehr Aufgaben mit dem Orgelvorspiel verbunden, unter anderem musste Michael Riedel auch über den Englischen Gruß („Engelsgruß“), das berühmte Kunstwerk von Veit Stoß in der Lorenzkirche, improvisieren.

Die Chorprobe mit dem 120-köpfigen Bachchor Nürnberg – der Hauptchor der Kirchengemeinde – stellte den zweiten großen Block dar. Hier musste er ein Pflichtstück und ein Wahlstück dirigieren. Letzteres war „Timor et Tremor“ (Furcht und Zittern) von Francis Poulenc. Als Drittes unterzog er sich dem Bewerbungsgespräch mit einer hochkarätig besetzten Kommission und einer Fachjury.

Die Vertreter der evangelischen Landeskirche, des Dekanats Nürnberg und Stadt Nürnberg (das ist die Kommission) und der Chor gaben ihre Voten ab – eine Woche später war Michael Riedel gewählt. Jetzt freut er sich wieder auf seine Eltern, die er von Nürnberg aus häufiger sehen kann, wie er hofft.

Bachchor und Vokalensemble

Zu seinen Aufgaben zählen nicht nur das Orgelspiel, sondern auch die Leitung des Bachchores und des Vokalensembles St. Lorenz, eines Kammerchores, der aus rund 40 versierten Laien besteht sowie die Bereitschaft, innovative Projekte in der weitgehend säkularisierten Großstadt Nürnberg umzusetzen, wie es aus der Gemeinde St. Lorenz hieß.

„So oft werden solche Stellen nicht frei“, sagt Michael Riedel und macht deutlich: „Nach Hermann Harrassowitz und Matthias Ank bin ich der dritte Lorenzkantor nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg. Es ist eine Ehre, für die Leute, die diese Stelle dann antreten.“

„Der Sandstein absorbiert den Klang”

Auf der riesigen Orgelanlage künstlerisch anspruchsvoll zu spielen, ist nicht einfach. „Das sind ja drei größere Orgeln, die zusammenhängen“, erläutert Riedel. Jedoch ist diese Orgelanlage akustisch heikel. „Der Sandstein absorbiert den Klang“, weiß er und erklärt noch ein Phänomen: „Es dauert eine gewisse Zeit, bis man hört, was man gespielt hat“, erklärte er. Diese Verzögerung sei eine „große Herausforderung, davor habe ich Respekt“.

Doch wer in Baudenbach auf der Orgel mit sechs Registern und einem Manual schöne Klänge erzeugt – kann das in Nürnberg auf der Steinmeyer/Klais-Orgel-Anlage mit fünf Manualen und 157 Registern und 12.000 Pfeifen vielleicht noch besser.

Im Rahmen der „Konzerte bei Kerzenschein“ ist Michael Riedel zusammen mit dem Trompeter Moritz Görg am Samstag, 21. September, im Münchsteinacher Münster ab 20 Uhr zu erleben. Zusammen spielen sie Werke aus mehreren Jahrhunderten und verbinden dabei alte und neue Musik.

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