Für Michael Jakob ist es paradox, wie unterschiedlich Bayern mit Alkohol, Nikotin und Cannabis umgeht. Darauf macht er mit einer Kunstaktion vor Schulen aufmerksam.
Michael Jakob ist bekannt wie ein bunter Hund. Bei über 160 Poetry-Slams war er in Ansbach bisher mit von der Partie, als Dichter oder Moderator. Regelmäßig steht er auf der Bühne in den Kammerspielen. Allerdings taucht der 45-Jährige derzeit auch tagsüber auf: Ganz plötzlich posiert er dann in einem mit leuchtend grünen Cannabis-Blättern bedruckten Anzug vor Schulen – und dokumentiert die Aktion mit Fotos in sozialen Medien.
„Um aufzuzeigen, wie lächerlich ich die politische Stimmungsmache von Markus Söder zum Thema Cannabis empfinde, stelle ich mich einen Monat lang jeden Tag mit Zigarette, Bier und Hanfblatt-Anzug vor eine bayerische Schule“, erklärt der prominente Slam-Poet. „Das ist legal, weil von Alkohol und Nikotin in Bayern ja offenbar keine Gefährdung für Kinder und Jugendliche ausgeht.“
Während Alkohol getrunken werden darf, auch wenn Kinder in der Nähe sind, ist der Konsum von Cannabis in Sichtweite bayerischer Schulen sowie auf Volksfesten und in Biergärten verboten. Auf diese „Ungleichbehandlung“ möchte Jakob hinweisen. „Die gesellschaftlichen Schäden durch Alkohol sind riesig, und trotzdem wird der Alkoholkonsum in Bayern richtig zelebriert. Söder lässt sich gern mit Bierkrug ablichten.“
Der Slammer und Moderator, der in Ansbach aufgewachsen ist und nun in Zirndorf wohnt, will Cannabis nicht verharmlosen: „Ich selbst kiffe nicht. Doch dass auf Volksfesten und in Biergärten Kiffen verboten ist, man sich aber bis zur Besinnungslosigkeit besaufen darf, das ist für mich nicht nachvollziehbar.“
Die Aktion, über die die FLZ am 4. Mai berichtete, hatte für Michael Jakob ungeahnte Folgen. Er wurde deswegen von einer Veranstaltung der Stadt Ansbach ausgeladen. Dort hatte er eine Rede über die Freiheiten des Grundgesetzes halten sollen.