Metal-Power aus dem Neustädter Keller mit „Bulletdrop“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.01.2025 17:00

Metal-Power aus dem Neustädter Keller mit „Bulletdrop“

Bulletdrop, das sind (von links) Schlagzeuger Oliver Grüner aus Diespeck, Sänger Elias Kroninger (Markt Erlbach), Gitarrist Leon Kern (Pahres) und Bassist Julius Engert (Markt Erlbach). (Foto: Johannes Zimmermann)
Bulletdrop, das sind (von links) Schlagzeuger Oliver Grüner aus Diespeck, Sänger Elias Kroninger (Markt Erlbach), Gitarrist Leon Kern (Pahres) und Bassist Julius Engert (Markt Erlbach). (Foto: Johannes Zimmermann)
Bulletdrop, das sind (von links) Schlagzeuger Oliver Grüner aus Diespeck, Sänger Elias Kroninger (Markt Erlbach), Gitarrist Leon Kern (Pahres) und Bassist Julius Engert (Markt Erlbach). (Foto: Johannes Zimmermann)

Man nehme eine große Tasse Musik-Talent, mische sie mit einer ordentlichen Prise Oldschoolness und ergänze ganz viel Liebe zur Metal-Musik. Fertig ist das Erfolgsrezept, das mit „Bulletdrop“ überschrieben ist. Die Band hat jüngst den Neustädter Sessionraum eingeweiht und einen Workshop von Profi Ilker Ersin bekommen. Aber wer sind die vier überhaupt? Ein Besuch.

Wenn Oliver Grüner (18) aus Diespeck am Schlagzeug sitzt, dann beben die Becken. „Der hat vielleicht einen Anschlag“, sagt Ilker Ersin begeistert. Dieses Markenzeichen möchte er herausarbeiten. Gitarrist Leon Kern (15) aus Pahres und Bassist Julius Engert (17) aus Markt Erlbach sind für die Zupf-Instrumente zuständig und haben ein paar Riffs im Gepäck. Sänger Elias Kroninger (Markt Erlbach, 17 Jahre) studiert den Text.

Am Ende des ersten Workshops überhaupt in der Sessionraum-Historie im Keller des ehemaligen Finanzamtes in Neustadt soll der erste eigene Song von Bulletdrop einigermaßen stehen. Auch wenn Ilker Ersin mit der Raumgestaltung noch nicht so ganz fertig ist, hat er es sich nicht nehmen lassen, noch im Jahr 2024 die erste Band zu coachen. Immerhin hat er es so versprochen, „und wenn ich etwas verspreche, dann halte ich es auch“. Der Raumklang ist schon gut. Nur die Akustik-Platten wollen noch nicht so recht an der Decke halten. Das ist Ersin aber jetzt erst einmal egal. Der volle Fokus liegt auf den vier Jungs von Bulletdrop.

Erste Kontakte in der Schulgruppe

Leon Kern und Oliver Grüner kennen sich aus der Schulband. Beide sind musikbegeistert. „Zu zweit haben wir häufiger gejammt und ein paar Songs aufgenommen.“ In der Schule haben sich die beiden dann noch Gleichgesinnte gesucht. So kam eins zum anderen – und irgendwann stand es fest, das Bulletdrop-Quartett. Die vier sind auch privat sehr gut befreundet – ein unschlagbares Team sozusagen.

Alles begann mit diesem einen Lied – „Enter Sandman“, ein Zeitlosklassiker der amerikanischen Metaler von „Metallica“. Damit sollte jeder zur ersten Probe kommen, mit den Akkorden und Takten schon im Blut. In Pahres bei Leon Kern im Keller wurde somit das zarte Bulletdrop-Pflänzchen gesät. Wachsen darf es seitdem im Keller von Oliver Grüner in einer Diespecker Siedlung. Sein Vater hat eine Konzertanlage, Lautsprecher und sogar ein Pult. Der perfekte Ort für Nachwuchsmusiker. Das allerdings sahen nicht alle Nachbarn so – einer schickte sogar die Polizei. Doch die Familie Grüner stand zu ihrem Oliver.

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Sänger Elias Kroninger wusste anfangs nicht so recht, ob er bei Bulletdrop richtig aufgehoben ist. Denn eigentlich war die Queen-Richtung mehr sein Favorit. Aber dieses Metal-Ding überzeugte ihn. „Anfangs war ich noch schlecht“, sagt der 17-Jährige. „Aber ich habe immer mehr verstanden, wie man singt.“ Jetzt will er zusätzlich professionellen Unterricht nehmen. Stellte sich nur noch eine Frage: die nach dem Namen. „Wir hatten 1000 Vorschläge“, erinnert sich Oliver Grüner. Bulletdrop, die Senkung der Geschosse, das taugte letztlich allen.

Die „Open Stage“ als Spielveränderer

Drei Monate Proberaum folgten. Dann rieselten bereits die ersten Auftrittsmöglichkeiten rein. In Nürnberg-Gostenhof feierte das Quartett Live-Premiere, nur einen Tag später rockte die Band das Neustädter Jugendzentrum „Lazarett“ und hatte auch gleich – einen auffällig weiblich geprägten – Fanclub mit dabei.

„Die Open Door – Open Stage war eigentlich die erste Gelegenheit für uns, so richtig aufzutreten“, sagt Oliver Grüner und dankt Organisator Ilker Erin ausdrücklich. „Da haben wir gesehen, dass es ziemlich gut ankommt“, betont Leon Kern. Weitere Open-Stage-Auftritte folg(t)en.

„Uns war eigentlich schnell klar, was wir spielen wollen“, erklären die Bandmusiker. Weg vom modernen Schund ohne Qualität. Hin zum 80er-Metal und weiter in die Moderne. Metallica, Slipknot, Rage Against the Machine, Alice in Chains. Ein bisschen Punk und Indie. Und Snot. Ja, ganz wichtig: Snot. Die absolute Lieblingsband der Jungs. „Crossover“, fasst Ersin zusammen. Er ist der Mentor der Gruppe.

Leon Kern und Oliver Grüner haben sich schon an den ersten eigenen Texten versucht. An jenem Freitag sollen nun alle verschiedenen Instrumentenparts zusammenklingen. Das Riff steht, Ilker Ersin will noch ein bisschen an den Details feilen, gibt Tipps, wagt Experimente. „Ganz klar, wir wollen eigene Songs machen“, sagt Schlagzeuger Grüner, „und rausfinden, was jeder kann und will.“

Der Traum vom Album

Ein eigenes Album, davon träumen die vier. Mit der Musik Geld zu verdienen, das wäre der Hammer. Aber sie alle wissen erstaunlich reflektiert, wie schwer das wird. Vor allem das Leben von Julius Engert hat die Band aber schon jetzt verändert, denn der hat vorher gar kein Instrument gespielt: „Das war Elias und seine Passion, mehr Musik zu machen. ,Lern doch mal Bass, wir machen ne Band‘, hat er zu mir gesagt.“

Mit Songs und Videos in die Sozialen Medien

Und so leben sie ihre Passion. Mit Ilker Ersin und dem Sessionraum gehen die vier den nächsten Schritt. Ein Auftritt auf dem Ansbacher Nachwuchsfestival „Anton“ wäre was. Dafür aber brauchen sie erst ein kleines Mixtape mit eigenen Liedern. An dem arbeiten sie gerade. Die Unterstützung der Eltern ist gewiss. Vor allem Vater Grüner ist ein Fels in der Brandung. Wütende Nachbarn? Kein Problem. „Er bringt uns bei jeder Probe Bananenmilch“, dankt der Sohn und hebt zugleich die elterlichen Fahrdienste hervor.

In den Sozialen Medien veröffentlichen Bulletdrop Videos, von Cover-Songs und eigenen Ideen. Aber eines betont Elias Kroninger sofort: „Wir sind nicht so eine TikTok-Band. Für uns steht die Musik im Vordergrund“, nicht die fünf Sekunden Berühmtheit. Schließlich ist Musik auch „ein gutes Ventil, um sich auszudrücken“. Sie wollen relevant sein.

Und sie wollen einen Kontrapunkt zur Chart-Musik bilden. „Alles hört sich gleich an und ist überproduziert“, sagt Oliver Grüner. Nicken. „Die Musik verliert komplett an Wert.“ Aber die Livekultur, „die darf nicht aussterben“. Leon Kern spricht wohl allen aus der Seele: „Mein Ziel ist es, live zu spielen, die Energie zu spüren.“ Und vielleicht warten sie ja bald, die großen Bühnen des Landes.

„Das beste Beispiel, dass es sich lohnt“

Ilker Ersin ist jedenfalls stolz auf seine Schützlinge. „Ihr seid das beste Beispiel, dass es sich lohnt“, sagt er mit Blick auf das Veranstaltungsformat „Open Door – Open Stage“ und den neuen Sessionraum. „Ihr könnt so auf euch aufmerksam machen.“ Und Oliver Grüner betont: „Ohne die Open Stage hätten wir keine Auftritte.“ Es wächst also zusammen, was zusammengehört. Wo früher Plakate des SPD-Ortsverbands lagerten, ist nun der neue Neustädter Treffpunkt für Bands und Musikverrückte.

Wer sich die Musik anhören und die Videos von Bulletdrop anschauen will, findet die Band in den gängigen Sozialen Medien unter bulletdropband.

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