Melkroboter in der Region: Die Kuh wird zum Tech-Experten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.02.2024 17:35

Melkroboter in der Region: Die Kuh wird zum Tech-Experten

Längst hat Hightech in die Landwirtschaft Einzug gehalten: In 80 Prozent aller neuen Ställe werden die Kühe heutzutage von Melkrobotern gemolken. (Foto: Fritz Arnold)
Längst hat Hightech in die Landwirtschaft Einzug gehalten: In 80 Prozent aller neuen Ställe werden die Kühe heutzutage von Melkrobotern gemolken. (Foto: Fritz Arnold)
Längst hat Hightech in die Landwirtschaft Einzug gehalten: In 80 Prozent aller neuen Ställe werden die Kühe heutzutage von Melkrobotern gemolken. (Foto: Fritz Arnold)

In 35 Prozent aller Milchviehhaltungen mit mehr als 50 Kühen steht heute ein automatisches Melksystem (AMS). Bei Neubauten entscheiden sich mittlerweile schon 80 Prozent für einen Melkroboter. Das war Thema beim Neustädter Milchviehhaltertag des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten Fürth–Uffenheim.

Dass Kühe von Maschinen und schließlich von Robotern gemolken werden könnten, konnten sich frühere Generationen, als vor allem Frauen mit Schemeln unter der Kuh saßen, kaum vorstellen. Doch das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Seit 2007 hat die Zahl der Ställe mit Melkrobotern, die landläufig die AMS bezeichnet werden, schnell und stetig zugenommen.

Milchrekord im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim

So stand beim Milchviehhaltertag diese Technik am Anfang der Fachvorträge. Dass der Veranstaltungssaal in der Kohlenmühle trotz des Strukturwandels voll besetzt war, hat auch damit zu tun, dass die Milcherzeugung im Bereich der Aisch hohen Stellenwert genießt. Laut jüngster Statistik geben die Kühe hier mit durchschnittlich 8783 Liter im Jahr mehr Milch als in allen anderen mittelfränkischen Landkreisen.

Wie Dr. Jan Harms vom Institut für Landtechnik und Tierhaltung bei der Landesanstalt für Landwirtschaft erläuterte, sind bei der Umstellung auf dieses Melkverfahren viele Details zu beachten. Er machte dabei die Erfahrung, dass in manchen Fällen die Kuh den Umgang mit der neuen Technik schneller lernt als der Landwirt. Sein Vortragsthema lautete deshalb auch „Was braucht die Kuh – was braucht der Mensch?“

Wenn eine Stallbaufirma einen Plan für einen Neu- oder Umbau vorlegt, dann sollte dieser kritisch hinterfragt werden, empfahl der Fachmann. Oft seien die Zugänge zur Melkbox zu knapp bemessen. Es gelte Sackgassen und keilförmige Zugänge für die Kühe zu vermeiden. Schließlich komme die Kuh zwei- bis dreimal am Tag freiwillig zum Melken, weil sie die Milchabgabe braucht.

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Melksystem ist auch eine Kostenfrage

Die Abkehr vom Handmelken begann in den 1950er-Jahr mit dem Einzug der Melkmaschinen – zuerst als „Bauch- oder Eimermelker“, dann mit der Absauganlage, bis in größeren Betrieben die Wahl auf Melkstände als sogenannter Fischgrätenmelkstand oder als Melk-Karussell fiel. In größeren Betrieben kommt auch das sogenannte Side-by-side-System in Frage.

Wie die Veranstaltung zeigte, ist die Entscheidung, ob man ein automatisches Melksystem oder eine Melkstandsystem wählt, auch eine Kostenfrage. Schließlich kostet ein Melkroboter, der für das Melken von 50 bis 70 Kühen reicht, rund 150.000 Euro. In größeren Beständen sind dann auch mehrere Roboter im Einsatz. Deutlich günstiger sind Melkstände.

Die Planer setzen auf Automation

In der Anfangszeit der Melkroboter war dabei noch oft das Argument zu hören, dass die Entscheidung zu Gunsten des Melkstandes deswegen erfolgt, weil damit am Tag zwei feste Melkzeiten vorgegeben sind. Beim Melkroboter muss dagegen nicht ständig ein Mensch beim Melken dabei sein, doch lautete ein wichtiger Einwand, dass sich bei technischen Störungen zu allen möglichen Zeiten das Smartphone meldet. Wie die Zahlen zeigen, entscheiden sich heutzutage aber doch 80 Prozent der Planer von neuen Kuhställen für ein automatisches Melksystem.

Größtenteils entkräftet sei laut Jan Harms auch der Einwand, dass der Betreiber eines Melkroboters keinen Nachbarn hatte, der ihm helfen könne. Heutzutage jedoch seien so viele Betriebe mit AMS vorhanden, dass man sich gegenseitig bei Störungen unterstützen könne.


Von Fritz Arnold
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