Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Tremel in Röckingen setzt mit dem Anbau von Hanf auf eine Nischenkultur – unter staatlicher Kontrolle. Die verwendeten Sorten haben keinen berauschenden Effekt, aber die kleinen Körnchen sind trotzdem der Knaller: wegen ihrer Nährwerte.
Ende April sät Landwirt Friedrich Tremel neuen Hanfsamen aus. Auf einem etwa drei Hektar großen Feld baut er Hanf an. Über die Sommermonate hinweg gedeiht der Hanf, bis er groß und reif ist, um Anfang September gedroschen zu werden.
Der Mähdrescher trennt den Samen vom Halm. Die fasrigen Stängel bleiben auf dem Feld liegen und dienen als Gründüngung für kommende Kulturen. Die Hanfsamen werden mit warmer Luft getrocknet, um ihnen die Restfeuchtigkeit zu entziehen, und anschließend gereinigt.
Durch das schnelle Wachstum der Hanfpflanzen sei es nicht nötig, Pflanzenschutzmittel einzusetzen, sagt Friedrich Tremel. Die robusten Pflanzen kämen mit wenig Wasser aus, weil ihre Wurzeln tief in die Erde reichen. Das mache den Hanf als Zwischenfrucht für strapazierte Böden attraktiv, denn die Wurzeln lockern den Boden.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
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Die Hanfpflanzen würden so gut wachsen, dass Unkräuter schnell unterdrückt werden. Dadurch, dass der Hanfacker nach der Saat nicht mehr befahren werde, biete er Lebensraum für Insekten, Bienen, Vögel und Niederwild wie Reh, Hase, Rebhuhn, Fasan oder Fuchs.
Den Hanfsamen mit und ohne Schale vermarktet die Landwirtsfamilie ab Hof, sowohl in größeren Mengen als Sackware, aber auch in kleineren Portionen. Die 250-Gramm-Tüten „Röckinger Knusperhanf“ werden inzwischen an 18 weiteren Standorten in der Region angeboten: von Direktvermarktern, Hofläden und Lebensmitteldiscountern, die ihre Regale auch mit Naturprodukten füllen.
Hanf ist wegen seines hohen Proteingehalts und der vielen Ballaststoffe bei Veganern und Vegetariern Bestandteil ihrer Ernährung. Als „Superfood“ wird Hanfsamen mit seinem leicht nussigen Geschmack beispielsweise ins morgendliche Müsli oder über den Salat gestreut, für Nudelsoßen und Bratlinge verwendet oder als Snack zum Knabbern.
Petra Tremel, gelernte Hauswirtschafterin, die in Großküchen Speisepläne gemacht und Mahlzeiten zubereitet hat, kocht und bäckt mit Hanf. Für köstliche Erlebnisse bei Familie und Gäste sorgen ihre selbst gemachten Sachen: Himmelstochter-Torte, kernige Hanfstängel, süße Hörnchen, Hanfmilch, Hanfdessert, Cracker oder Dinkel-Hanf-Brot. Nutzhanf sei in der Küche auf vielfältige Weise verwendbar, stellt die Hausfrau heraus.
Dass Hanf trotz seines Potenzials als Rohstoff eine Nischenkultur ist, liegt an den fehlenden Strukturen. Aus Hanfsamen lässt sich Speiseöl pressen. Die Hanffasern eignen sich für die Herstellung von Dämm- und Verbundwerkstoffen, von Textilien, Papier und Seilen. Auch die Schäben, das sind die holzigen Teile des Hanfs, lassen sich verwerten: zum Beispiel als Tiereinstreu oder als Bestandteil von Baustoffen.
Julia Tremel (23) ist seit dem vergangenen Jahr fest in den elterlichen Betrieb involviert. Vater, Mutter und Tochter bilden ein starkes Team. Dreimal in der Woche hilft eine Frau aus dem Nachbardorf im Kuhstall beim Melken. Als Jüngste von drei Geschwistern hat Julia Tremel in Triesdorf ihre Ausbildung zur Landwirtin gemacht, nachdem sie festgestellt hatte, dass ein Bürojob nichts für sie ist. Nach dem mittleren Schulabschluss hatte sie Technische Produktdesignerin der Fachrichtung Maschinen- und Anlagenkonstruktion in einem Betrieb in Wassertrüdingen gelernt. Sie entwarf am Computer Bauteile und Anlagen. „Mich interessiert Technik“, sagt sie.
Als Landmädel liebt sie die Natur und ihre Pferde. Schon im frühen Kindesalter hat Julia Tremel mit dem Reiten angefangen. Inzwischen besitzt sie zwei Stuten und einen Wallach. Auf Zuruf und Pfiff der Herrin reagiert die Gruppe und kommt über die Weide galoppiert. Als Belohnung gibt’s Streicheleinheiten und intensives Kraulen an der Mähne.
Julia Tremel entschied sich für die vielfältige Lebens- und Arbeitssituation auf dem heimischen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Eltern, beide Ende 50, halten ihrer Tochter alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. „Wir wollen sie nicht in eine Richtung drängen“, betont ihr Vater.