Die Milch macht's. Familie Steingruber-Wittmann betreibt ihren Hof mit Milchviehhaltung in Obermögersheim bei Wassertrüdingen bereits in der fünften Generation. Jetzt ist sie mit einer kleinen Hofmolkerei in die Direktvermarktung eingestiegen.
Davor hat eine vollautomatische Melkanlage im Kuhstall Einzug gehalten. Die Tiere entscheiden selbst, wann sie zum Melken kommen. In dem offenen Stall hat das Vieh Platz zum Liegen, Wiederkäuen, Laufen und Fressen. Einzeln traben die Milchkühe mit prall gefülltem Euter in den Gitterstand. Der Appetit nach Kraftfutter hat sie angelockt. Während sich das Tier am Futter – präzise abgemessen – genüsslich bedient, fährt ein Roboterarm unter die Milchdrüsen des weiblichen Rindes. Reinigungsbürsten säubern die Zitzen, dann rückt der Melktrichter in die richtige Position, durch die die Milch dann gesogen wird.
Der Computer weiß alles über das Tier. Die moderne Melktechnik brachte dem Familienbetrieb Zeitersparnis und Arbeitserleichterung. Freiraum, um Neues zu schaffen. Es entstand eine kleine Molkerei in einem Neubau auf der Hofstelle.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
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Landwirtin Simone Steingruber-Wittmann (37) hat in der Ausbildung in Triesdorf gelernt, einen landwirtschaftlichen Betrieb eigenständig zu leiten und weiterzuentwickeln. Ihre Eltern haben sie nicht dazu gedrängt, den Hof zu übernehmen. „Ich habe das gern gemacht“, sagt sie.
Nach dem plötzlichen Tod des Vaters mit 52 Jahren durch einen Betriebsunfall auf der Biogasanlage musste sie größere Verantwortung übernehmen. Zusammen mit Ehemann Markus, gelernter Landwirt und Anlagenmechaniker, sowie Mutter Sieglinde entwickelt sie den Betrieb weiter.
Die Rohmilch von den eigenen Kühen wird in der Hofmolkerei schonend verarbeitet, um mögliche Keime abzutöten. Der Fettgehalt der Milch ist naturbelassen. Das familiäre Beziehungsnetz ist auch bei der Direktvermarktung der erzeugten Produkte wesentlicher Bestandteil der Hofmolkerei. Neben dem Selbstbedienungsstand auf dem Hof in Obermögersheim werden die Produkte an drei weiteren Standorten mit gut frequentierter Lage in Automaten angeboten: am Bahnhof in Muhr am See, in Unterhambach und in Edersfeld im Fränkischen Seenland. Enge Verwandtschaft widmet der Sache besondere Aufmerksamkeit und ist damit Teil des Verteilkonzepts.
In der Hofmolkerei helfen die beiden jüngeren Schwestern der Landwirtin und eine Mitarbeiterin beim Abfüllen der Trinkmilch. Die Zutaten für die selbst gemachte Vanille-, Erdbeer-, und Schokomilch oder den Eiskaffee bezieht sie von einer Firma, die sich auf Direktvermarkter spezialisiert hat. Auch Joghurtsorten aus eigener Herstellung haben die Steingrubers ihrem Sortiment hinzugefügt.
Die einheimische Kundschaft bevorzugt die Mehrwegflaschen und -gläser, für die sie Pfand bezahlt. Feriengäste und Radtouristen greifen dagegen eher zur Kunststoffflasche, weil sie leicht ist und unterwegs nicht zerbricht. Deshalb bietet die Hofmolkerei Glas- und PET-Behältnisse an.
Beinahe alles wird in der Hofmolkerei noch von Hand gemacht für die Verarbeitung der kleinen bis mittleren Mengen. Den größten Anteil ihrer Rohmilch liefern die Steingrubers weiter an den schwäbischen Milchverarbeiter Gropper in Bissingen als wichtigsten Abnehmer. Die Zusammenarbeit sei dabei eine flexible Form „und erleichtert uns die Direktvermarktung“, freut sich Simone Steingruber-Wittmann.
Die 300 Hühner legen täglich frische Eier. Das Federvieh lebt in einem Stall auf Rädern mit eigener Energieversorgung durch das Solardach. Automatische Klappen gewähren den Hühnern Auslauf auf der Wiese. Auf verschiedenen Ebenen kann die Schar scharren, Körner picken, die Legenester nutzen oder sich zur Nachtruhe begeben.
Die Eier werden auch für Nudeln und Eierlikör verwendet. Netzwerkpartner vom Getreidebauer, Schweinehalter, Landmetzger bis zum Imker – unterstützen den Familienbetrieb bei der Direktvermarktung. So hat sich das Angebot um Kartoffeln, Fleisch, Wurst, Honig, Kartoffelchips und Essigsorten erweitert. Simone Steingruber-Wittmann hat Freude daran, für eine bäuerliche, familienorientierte Landwirtschaft zu werben: „Es macht richtig Spaß“.