Die Forstwirtschaft ist für die Landwirtsfamilie Hechtel im Windsbacher Weiler Wolfsau eine wichtige Einnahmequelle, neben Ackerbau, Viehwirtschaft und Milcherzeugung. Die Aufforstung ist daher von hoher Priorität.
Der Familienbetrieb besitzt über 27 Hektar Wald. In einem Teil von dessen Altbestand recken sich junge Bäume Richtung Licht. Herbert Hechtel und Tochter Annika (25) pflanzen an frostfreien Tagen nach und nach auf einer 8000 Quadratmeter großen Waldfläche insgesamt 4500 klimastabile Jungbäume, die dort an dem Standort kaum oder nicht vorkamen.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
Welche Schwierigkeiten Landwirte haben und warum der Erhalt ihrer Höfe so wichtig für unsere Gesellschaft ist, lesen Sie hier.
Meist dominieren auf den sandigen Böden um Windsbach Fichten- und Kiefernbestände, die von früheren Generationen zur Verwendung als Bau- und Brennholz gepflanzt awurden. Heute weiß man, dass Baumarten in gleichförmigen Monokulturen dem Klimawandel nicht mehr gewachsen sind. Ein Mischwald, der an die jeweiligen Standortansprüche und klimatischen Bedingungen angepasst ist, soll das Risiko großflächiger Schäden durch Trockenstress und Schädlinge verringern.
Die Landwirtsfamilie ist Teil des Waldumbauprojekts „Goldberg“ im Forstrevier Windsbach, das vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach initiiert wurde. Widerstandsfähige Zukunftsbäume wie Eichenarten und heimische Laubbäume sollen gezielt gefördert werden. So wird ein bisher reiner Kiefernbestand, der sich von selbst ausgedünnt hat, mit anderen Baumarten durchmischt.
Die noch sehr kleinen Pflanzen kann man nicht sich selbst überlassen, damit sie später ihre verschiedenen Funktionen erfüllen können. Die Pflanzaktion gilt erst dann als gesichert, wenn die Bäume so groß geworden sind, dass Rehe nicht mehr den obersten und wichtigsten Teil der Pflanzen verbeißen können.
Eine scharfe Bejagung auf dieser Fläche in der Wachstumsphase kann helfen. „Unser Nachbar und ein Waldbesitzer in Retzendorf betreiben Jagd“, sagt Herbert Hechtel. „Das erleichtert die Abstimmung.“ Eine Tannen-Naturverjüngung gedeiht besonders gut, weil er die Jahrestriebe mit Plastikclips gegen Wildverbiss geschützt hat.
Die Trockenheit und Hitze des Sommers 2022 war für den Kartoffelbauer „eine Katastrophe“. Statt 350 erntete er nur 120 Doppelzentner pro Hektar – und damit zwei Drittel weniger. Viele Knollen waren auch kleiner als sonst und wurden an die Rinder verfüttert, anstatt zu Kloßteig oder Spätzle verarbeitet zu werden.
Hauptabnehmer der Hechtel-Speisekartoffeln ist ein großer Lebensmittelhersteller in Wassermungenau (Landkreis Roth). Direktvermarkter aus der Region kaufen vor allem die festkochenden Sorten am Hof. Bei der Kartoffelernte auf dem Feld packt die ganze Familie an. Sogar die Verwandtschaft hilft mit.
Auf einer Sortieranlage in der Halle werden die Kartoffeln in groß und klein getrennt. Grüne oder beschädigte Knollen sortiert die Familie per Hand aus. Die verkaufsfähige Ware gelangt in eine Absackeinrichtung. Hier werden die 25-Kilo-Säcke eingehängt und befüllt. Eine Waage zeigt das exakte Gewicht an.
Annika Hechtel wird einmal den Hof ihrer Eltern übernehmen. Sie ist schon jetzt eine tüchtige Kraft im Betrieb. Nach dem Abitur am Gymnasium Windsbach hat sie in Triesdorf Landwirtschaft studiert. Das abwechslungsreiche Leben auf dem Bauernhof und der verantwortungsvolle Umgang mit den Tieren, das ist ihr Ding. Um sich weiterzuqualifizieren absolviert die 25-Jährige momentan einen Kurs zur Erlebnisbäuerin. Für drei kleine Nachbarskinder, die gern mit ihr in den Stall gehen, ist sie das schon.
Die Milch von den Kühen verarbeitet eine Großmolkerei im bayerischen Schwarzenfeld. Die Rinder nimmt eine Genossenschaft ab. Sie werden größtenteils in einem Schlachthof in Bayreuth geschlachtet.
Die Familie investiert immer wieder in den Hof. Seit 2019 versorgt ein Hackschnitzel-Heizwerk von ihr mit Holz aus dem heimischen Wald den Ort mit Nahwärme. Im modern gebauten Bauernhaus kommt die Wärme aus dem Kachelofen. Ein großer Esstisch ist das Zentrum der Gastlichkeit.
Das Familienunternehmen funktioniert wie ein eingespieltes Team. Sonst wäre die ehrenamtliche Arbeit von Herbert Hechtel als Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Ansbach-Fürth sowie für den Erzeugerring für Qualitätskartoffeln Roth und Umgebung nicht möglich. Außerdem engagiert er sich in der Saatkartoffelvereinigung Mittelfranken für den bäuerlichen Berufsstand.