Vor über 30 Jahren waren die Bedenken, Fremde auf den Hof einzuladen, durchaus vorhanden. Friedrich und Elfi Joas hatten damals die Idee, zusätzlich zur Schweinezucht das zweite Standbein „Ferien auf dem Bauernhof“ aufzubauen. Auf dieses baut nun schon die zweite Generation.
Die Liebe ist auf dem Hof geblieben, die Eltern sind nicht mehr da. Nach dem Tod der Mutter Elfi ist Vater Friedrich Joas wieder zurück in die Ortsmitte von Gerolfingen gezogen. Der Hof trägt noch immer die Handschrift der Eltern. Ein Herz schmückt die Haustür des Bauernhauses, üppig blühen Petunien in den Kästen vor den Ferienhäusern, eine Hollywoodschaukel lädt zum Verweilen ein. Schon als Mutter Elfi 1992 die erste Wohnung im Haus der Familie zur Ferienwohnung umbauen ließ, hat sie sich Gedanken gemacht, wie alles gestaltet werden muss, damit die Gäste gerne verweilen. Dieses „Sich-Gedanken-Machen“ leben Sohn Martin Joas (42) und seine Frau Isabella (32) weiter.
Rund 83 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Ansbach sind land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ist in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Es gibt weniger, dafür größere Betriebe. Etwa 40 Betriebe bewirtschaften mehr als 200 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche.
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Nach der Erkrankung der Mutter hat Martin Joas den Hof im Jahr 2013 übernommen. Er war derjenige von drei Brüdern, bei dem der Zeitpunkt am besten gepasst hat. „Ich war Single und Wirtschaftsingenieur. Den Beruf habe ich aufgegeben, damit ich mich auf dem Hof voll einbringen kann“, erinnert er sich. Bei arbeitsreichen Ereignissen wie der Ernte packt immer noch die ganze Familie mit an. Die Brüder kommen und auch der 76-jährige Vater, der 500 Meter weiter im Ortskern wohnt.
„Meine Eltern haben das hier gelebt“, sagt Martin Joas. Weil die alte Hofstelle vor 40 Jahren zu klein wurde, haben sich seine Eltern entschlossen, an den Dorfrand zu ziehen. „Hier war damals nichts“, sagt der Landwirt. Wenn er jetzt um sich blickt, steht da das Wohnhaus, Stallungen für Pferde und Kühe sowie ein Gebäude mit 600 Mastschweinen. Dahinter befindet sich das Feriendorf mit sechs Häusern.
Kinder auf Kettcars und Dreirädern fahren über den Hof, ein Mädchen spielt mit einer Katze. Gemeinschaftliches Grillen, Basteln, Planwagenfahrten und weitere Aktivitäten mit den Gästen zählen zum Portfolio des Ferienhofes Joas. „Ich kenne das nicht anders. Ich bin so aufgewachsen“, sagt Martin Joas. Inzwischen spielen seine beiden Kinder Emma (2) und Paul (5) mit den Ferienkindern.
In der „Mini-Farm“, einem offenen Stall in der Mitte des Hofes können die Gäste eine Auswahl aller Tiere des Hofes betrachten. „Die Kinder helfen gerne beim Ausmisten mit“, erklärt Martin Joas. Damit alles auf dem Hof läuft, die Gäste zufrieden und Tiere und Felder versorgt sind, arbeiten Martin Joas und seine Frau von Montag bis Sonntag durch. Vom Frühjahr bis zum Herbst sind die Ferienhäuser meist ausgebucht. Im Winter wird es etwas ruhiger.
Die Entscheidung der Eltern, Familienurlaub auf dem Bauernhof anzubieten, fiel Angang der 1990er. Kurz davor hatte im Landkreis Ansbach die Schweinepest gewütet. „Meine Eltern hatten Einbußen. Es war klar, dass ihr damaliger Schwerpunkt, die Schweinezucht, als alleiniges Standbein zu wackelig ist“, schildert Martin Joas.
Gerade in dieser Zeit stand nach dem Tod der Oma eine Wohnung im Haus leer. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach gab der Familie den Tipp, diese als Ferienwohnung zu vermieten.
Ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke: „Meine Eltern haben überlegt, wie sich wohl die Anwesenheit anderer Menschen auf unser Leben auswirken wird. Die Leute werden uns in die Suppenteller schauen, haben wir gescherzt“, erinnert sich Martin Joas.
Mit Ankunft der ersten Feriengäste lösten sich die Bedenken in Luft auf. Der Austausch mit Menschen, die abendlichen Gespräche am Lagerfeuer – Elfi und Friedrich Joas sind in der neuen Aufgabe voll aufgegangen. „Wegen des Hofes waren sie kaum weg. Durch die Gäste und ihre Erzählungen ist der Urlaub zu ihnen gekommen“, sagt der Sohn.
Bis zum Jahr 1993 wurde auf drei Ferienwohnungen ausgebaut, die große Erweiterung zum Feriendorf nahm der Vater in den Jahren 1994 und 1995 vor. Der Aufenthalt auf einer Raststätte hatte ihn dazu inspiriert: „Auf dem Parkplatz standen Holzhäuser. Und mein Vater wusste: So etwas will ich daheim haben.“ Die Entwürfe für die ersten vier Häuser zeichnete Friedrich Joas selbst und setzte sie gemeinsam mit einem Zimmermann aus dem Ort um.
„Die Idee des Feriendorfes ist nicht zu toppen“, sagt Isabella Joas. Der Austausch zwischen allen, die auf dem Hof arbeiten, leben oder Urlaub machen, gelingt durch die Anlage perfekt. Auf den Wegen zwischen den Häusern spielen ihre Kinder mit den Urlaubsgästen, in der Gemeinschaftsküche und am Grillplatz wird gemeinsam gekocht und gelacht. Und falls mal jemand einen Blick auf den Teller des anderen wirft, stört das niemanden.