Wer im Landkreis Ansbach den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzt, braucht bisweilen Geduld und gute Nerven. Eine Echtzeit-Auskunft zur aktuellen Verspätung von Bussen kann da für die Wartenden eine Erleichterung sein. Doch dieses System ist im Landkreis aktuell noch lange nicht flächendeckend vorhanden.
Wer auf Bus und Bahn angewiesen ist, oder aus ökologischen Gründen den ÖPNV benutzen möchte, der muss zumeist deutlich mehr Zeit einplanen als mit dem Auto. Besonders ärgerlich ist es, wenn man bei Wind und Wetter an der Haltestelle steht und erst gar nicht klar ist, ob der Bus überhaupt kommt. In solchen Fällen helfen Echtzeit-Informationen zu Verspätungen oder Ausfällen, die über das Smartphone abgerufen werden können. Doch dass dieses System zuverlässig funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit.
Grundsätzlich läuft die Übermittlung von minutengenauen Online-Fahrtauskünften inklusive der Anzeige der Verspätungen über die zentrale bayernweite Plattform DEFAS (Durchgängiges Elektronisches Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungs-System). Das erklärte das Ansbacher Landratsamt auf Nachfrage.
Für die Übermittlung solcher Daten muss aber im Fahrzeug ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem (RBL) eingebaut sein. Dies ist bei den Bussen im Landkreis Ansbach aktuell nicht flächendeckend der Fall. Im Landkreis werden die einzelnen Busverbindungen organisatorisch als Linienbündel zusammengefasst. Momentan verfügen laut Landratsamt folgende Linienbündel über das nötige DEFAS:
Linienbündel 1 (Linien 805, 807, 813 und 814), Linienbündel 2 (Linien 705, 706, 734), Linienbündel 3 (Linien 707, 708, 711, 712, 715, 716, 717, 718, 719, 721, 722). Ab dem 15. Dezember sollen auch die Linien des Linienbündels 6 (Linien 741, 825, 826, 829, 827, 874, 875, 877) und 7 (Linien 736, 737, 738, 739, 802, 803, 804, 822) über DEFAS verfügen. Am Jahresende werden also 34 von insgesamt 87 Buslinien – diese Zahl nennt das Landratsamt auf seiner Homepage – im Landkreis über die Möglichkeit verfügen, Verspätungen in Echtzeit zu melden. Das Landratsamt weist zudem darauf hin, dass bei allen Ausschreibungen die Teilnahme an DEFAS mittlerweile Vorgabe ist. Perspektivisch werde die Echtzeitauskunft also bei allen Linien vorhanden sein.
In welchen Apps die Echtzeit-Daten angezeigt werden, sei davon abhängig, ob diese auf DEFAS zurückgreifen. Das Landratsamt nennt zum Beispiel die VGN-App und die App MoBY. Auch der VGN erklärte auf Nachfrage, dass in seiner App Verspätungen aber natürlich nur dann angezeigt werden können, „wenn die Fahrzeuge mit den entsprechenden Geräten ausgestattet sind und eine Datenübertragung stattfindet“. Wenn das der Fall ist, funktioniere die Datenübertragung automatisch.
Am 17. Januar, dem Tag des groß angekündigten Blitzeises, fielen im Landkreis am Morgen flächendeckend die Busverbindungen aus. Auch der ÖPNV-Nutzer und Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig wartete an diesem Morgen in Feuchtwangen zusammen mit anderen Passagieren vergeblich auf einen Bus. Dass dieser nicht fahren würde, erfuhr die Gruppe erst vor Ort durch einen Anruf beim Busunternehmen.
Der Politiker nahm das zum Anlass, sich unter anderem beim Landratsamt und beim VGN für einen verbesserten Informationsfluss einzusetzen. „Die kompletten Bündel 1, 2 und 3 verfügen schon über Echtzeitinfos. Leider wurde das System von einzelnen Busunternehmern aber nie genutzt. Das Landratsamt hat das zwar zur Bedingung gemacht und die Geräte sind verbaut. Aber es wurde nie kontrolliert, ob sie auch zum Einsatz kommen“, wundert er sich.
Auch bei extremen Wetter-Ereignissen hätte das System bereits in der Vergangenheit genutzt werden können. Das bestätigt auch das Landratsamt: „Bei kurzfristigen Ausfällen ist auch eine unmittelbare Weiterleitung von Informationen zur ausfallenden Fahrt über RBL möglich.“ Für Fahrgäste bleibe neben dem Prüfen der Echtzeitauskunft aber auch die Information beim Busunternehmen selbst empfehlenswert, da dieses am besten über die aktuelle Situation Auskunft geben könne.
Die Echtzeiterfassung auf immer mehr Buslinien im Kreis sei, so Stümpfig, eine echter Gewinn. Seit drei Wochen seien nun auf den Linien 805 und 813 die Echtzeitdaten in der App des VGN einsehbar, nicht aber in der DB App.
„Auf meine Nachfragen konnte ich jetzt erreichen, dass die Geräte zumindest auf bestimmten Strecken auch genutzt werden. Über diese Verbesserung freue ich mich sehr. Sie muss aber nun überall und dauerhaft genutzt werden, wo dies technisch möglich ist. Ich kann aber nur den Kopf schütteln, warum es seit Jahren schon möglich gewesen wäre und nicht genutzt wurde“, ärgert sich der Landtagsabgeordnete.