Mehr als Vorlesen: 26 „Sprachbuddies” im Einsatz | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.02.2023 16:12

Mehr als Vorlesen: 26 „Sprachbuddies” im Einsatz

Conrad Gehringer ist als Sprachbuddy im Rahmen seines FSSJ in der katholischen Kita in Neustadt im Einsatz. Durch die weißen T-Shirts sind der 14-Jährige und seine Kollegen gut zu erkennen. Foto: Ute Niephaus
Conrad Gehringer ist als Sprachbuddy im Rahmen seines FSSJ in der katholischen Kita in Neustadt im Einsatz. Durch die weißen T-Shirts sind der 14-Jährige und seine Kollegen gut zu erkennen. Foto: Ute Niephaus
Conrad Gehringer ist als Sprachbuddy im Rahmen seines FSSJ in der katholischen Kita in Neustadt im Einsatz. Durch die weißen T-Shirts sind der 14-Jährige und seine Kollegen gut zu erkennen. Foto: Ute Niephaus

„Conrad, Conrad“, rufen die beiden kleinen Jungen und ein Mädchen ungeduldig. Das Trio, das den katholischen Kindergarten in Neustadt besucht, nutzt die Wartezeit, um zu bestimmten, wo der 14-Jährige sitzen soll. „Neben mir“, ruft einer der Knirpse und klopft neben sich auf die Bank. Inzwischen ist Conrad Gehringer mit einem Bilderbuch zurück. Es ist ein „Lesebuddy“.

Als er mit ruhiger Stimme loslegt, ist das quirlige Trio sofort mucksmäuschenstill. Eng zusammensitzend, lauschen sie dem Achtklässler und schauen dabei die Bilder im Buch an. Ab und zu werfen sie eine Frage oder eine Bemerkung ein. Die Vorleserunde geschieht im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Schuljahres (FSSJ), das Conrad Gehringer in der Kita St. Johannes absolviert.

14-Jähriger liest selbst sehr gern

Ein Mal in der Woche ist er zwei Stunden lang dort anzutreffen. Von den Kindern wird er stets sehnlichst erwartet, erzählt Erzieherin Annkathrin Löhr. Auf die Idee, als Lesebuddy aktiv zu werden, brachte ihn sein Vater, der von diesem Angebot gelesen hatte, sagt der Gymnasiast. „Ich fand das toll, da ich gerne lese.“ Der 14-Jährige ließ sich auf das Projekt ein, Erfahrung im Vorlesen hatte der Neustädter Gymnasiast bisher nicht gesammelt. Doch das machte nichts. Wie er wurden auch die 25 weiteren Schülerinnen und Schülern, die sich im Schuljahr 2022/23 im Rahmen des FSSJ im neu initiierten Projekt „Sprachbuddies“ von der Stiftung Kinderförderung von Playmobil sowie dem Freiwilligenzentrum „mach mit“ engagieren, auf ihre Aufgaben gut vorbereitet.

Junge Leute werden in Schulungen vorbereitet

Dies geschah im Rahmen von Schulungen. Im ersten Workshop wurde den Sprachbuddies, die in 16 Kindertagesstätten im Einsatz sind, das nötige Rüstzeug vermittelt. Dabei wurde beispielsweise erklärt, was beim Vorlesen und der Buchauswahl zu beachten ist, wie Spannung aufgebaut wird und wie man auf die Kinder am besten eingeht. Dies zu wissen, zahlt sich in der Praxis aus.

Denn eines lernten Conrad Gehringer und die anderen schnell: Mit dem Vorlesen allein ist es nicht getan. Wichtig ist zudem, die richtige Umgebung zu schaffen, stellen Löhr und Katharina Meßbacher von der Stiftung Kinderförderung von Playmobil fest. In der Regel gesellen sich zwei bis drei Kinder zu Conrad Gehringer und lauschen den Geschichten, oft wird danach noch darüber gesprochen. „Für uns ist es eine große Bereicherung, dass er da ist“, resümiert die Erzieherin und lobt die gute Vorbereitung, die dem Kita-Personal vieles erleichtert.

Die dort gesammelten Ideen können die Sprachbuddies mit in die Kitas nehmen, betont die Leiterin des Freiwilligenzentrums und FSSJ-Projektleiterin Iris Reichel. Ein weiterer Workshop ist im März geplant. Dann stehen Sprachlernspiele im Fokus sowie Infos darüber, wie Sprachförderung und -entwicklung durch Bewegung und Rhythmus unterstützt werden können. Vorlesen regt aber auch die Fantasie an, weckt die Freude am Zuhören und motiviert, später selbst zu lesen, stimmen die Fachleute überein. Auf diese Weise werden vielleicht auch die Eltern animiert, ihren Sprösslingen regelmäßig etwas vorzulesen, hofft man.

Caritas-Geschäftsführer Andreas Schilling freut sich ebenfalls, dass die Sprachbuddies in den Kitas so gut ankommen. „Ich hoffe, dass wir das Angebot flächendeckend ausweiten können und es nicht nur auf ein Jahr begrenzt ist.“ Man sei diesbezüglich mit der Stiftung Kinderförderung von Playmobil im Gespräch. Wie Katharina Meßbacher betonte, sehe man auch seitens der Stiftung den Bedarf.

Wer Lust hat, im neuen Schuljahr im Rahmen des FSSJ Lesebuddy zu werden, ist willkommen Conrad Gehringer kann sich gut vorstellen, ein weiteres FSSJ zu machen, will dann aber gern etwas Neues ausprobieren – eventuell im Sportverein.

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