Mehr als ein Hobby: Seit 75 Jahren züchtet Paul Mösch aus Haslach Rassegeflügel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.01.2026 19:14

Mehr als ein Hobby: Seit 75 Jahren züchtet Paul Mösch aus Haslach Rassegeflügel

Paul Mösch hält ein Exemplar seiner geliebten Bassetten-Zwerghühner auf dem Arm. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Paul Mösch hält ein Exemplar seiner geliebten Bassetten-Zwerghühner auf dem Arm. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Paul Mösch hält ein Exemplar seiner geliebten Bassetten-Zwerghühner auf dem Arm. (Foto: Friedrich Zinnecker)

Gerade mal zwölf Jahre alt war Paul Mösch, als sein Vater ihm ein Dutzend Eier der Geflügelrasse „Brahma hell“ als Geschenk mitbrachte. Nachdem die Bruthenne fünf Küken ausgebrütet hatte, war beim heute 87-jährigen Paul die Leidenschaft für Geflügel aller Art entfacht.

Neben den geliebten Hühnern hielt er auch immer Gänse und Enten. Mittlerweile reicht ein Zimmer fast nicht aus, um all die in sage und schreibe 75 Jahren gesammelten Urkunden, Plaketten, Teller und Bänder zu zeigen. Mösch ist Ehrenmitglied im Rassegeflügelzuchtverein Dinkelsbühl, im Kleintierzuchtverein Dürrwangen sowie beim Kreisverband des Kleintier- und Geflügelzuchtvereins im Landkreis Ansbach. Sein großes Hobby hat sich im letzten Dreivierteljahrhundert zu einer seiner lebensprägenden Beschäftigungen entwickelt.

Daneben widmete er sich seinen langjährigen ehrenamtlichen Aufgaben als zweiter Bürgermeister der Marktgemeinde Dürrwangen, als Pfarrgemeinderat und Schützenmeister. Außerdem gehört er dem Rassegeflügelzuchtverein Schopfloch an und bekommt heute noch Anfragen, wie man eine Zucht artgerecht beginnt oder wie man kranke Tiere wieder „aufpäppelt“.

„Ich stelle nach wie vor aus”

Bereits 1953 beteiligte er sich zum ersten Mal an einer Geflügelschau. Das Gasthaus „Grünes Meer“ in Dinkelsbühl als Austragungsort ist längst Geschichte, Paul Mösch aber macht weiter, „solange ich kann und Unterstützung von der Familie und einem Züchterfreund bekomme“. Erst jüngst war er in Aichau und Wittenbach vor Ort. „Auch mit 87 Jahren stelle ich nach wie vor aus“, betont Mösch.

Der früher hauptberuflich als Getränkehändler tätige Mösch erinnert sich an manche Begebenheit aus seiner Jugend. So konnte er zum Beispiel im Jahr 1955 selbst nicht an der Schau des bayerischen Landesverbands in Bayreuth teilnehmen. Also setzte er seinen imposanten Brahma-Hahn mit der markanten Befiederung an den Füßen in Dinkelsbühl in den Zug. In Bayreuth wurde das Tier dann von einem Bekannten abgeholt und zur Ausstellungshalle gebracht. Dort heimste er von der Jury die Wertung „sehr gut“ ein. Die Brahma-Rasse stammt aus Indien und wurde über Nordamerika nach Deutschland eingeführt.

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Dabei gab es viele Züchterinnen und Züchter, die mit „befriedigend“ oder „gut“ vorliebnehmen mussten. Nur ganz wenige erzielten bei einem Punktesystem bis 97 die Prädikatsstufen „hervorragend“ und „vorzüglich“. Die Preisrichter, die eine dreijährige Ausbildung nachweisen müssen, beurteilen das Aussehen und den Pflegezustand des Gefieders sowie Typ, Form, Farbe und Gewicht von Hühnern, Tauben und anderem Federvieh.

Gefahr der Geflügelpest durch Zugvögel

Die kürzlich erfolgten Absagen von Vogelschau-Großveranstaltungen in Leipzig und Erfurt wegen der grassierenden Geflügelpest bedauert Mösch. Auch bei uns sei besonders mit dem Vogelzug im Herbst eine Gefährdung für jeden Geflügelhaltenden nicht auszuschließen. So könne über den Kot eines erkrankten Wildvogels der gesamte Tierbestand angesteckt werden.

Die Vogelgrippe sei hingegen bei seinem Hobby-Start vor 75 Jahren kein Thema gewesen. Mösch erinnert sich: „Es war keine Impfung nötig, als Futter gab es meist Naturprodukte mit Weizen, Mais, Gerste, Hafer und Sonnenblumen, aber auch Küchenabfälle ohne Essig.“ Wenn die vom Verband der deutschen Geflügelwirtschaft geforderte bundesweite Pflicht zur Aufstallung käme, fehle den Tieren der Auslauf mit viel Platz zum Scharren und Bewegen und das natürliche Grün, so der Geflügelexperte.

Zwerghühner legen 120 Eier pro Jahr

Inzwischen hat Mösch die Brahma-Zucht mit weiß-schwarzcolumbia aufgegeben und widmet sich der Rasse gelb-schwarzcolumbia. Zehn Hühner und zwei Hähne lassen sich beim Futterpicken nicht stören. Stolz ist der Züchter auf die erst kürzlich aus Belgien gekommenen flugfähigen Bassetten. Sechs kleine Zwerghühner mit einer Legeleistung von 120 Eiern im Jahr und ein Hahn sind seine Vorzeige-Exemplare.

Lange Jahre engagierte sich Mösch auch beim „Sonderverein des aussterbenden Augsburger Huhns“. Dieses Tier war das einzige in Bayern gezüchtete Huhn, der Hahn hatte einen auffälligen Kronenkamm. Mittlerweile stehe die Rasse nicht mehr auf der roten Liste, so der Hühner-Fachmann.

Und wie reagierte in all den Jahrzehnten die Nachbarschaft auf das frühmorgendliche Hähnekrähen? Mösch verweist schmunzelnd auf sein weitläufiges Grundstück und das Leben auf dem Land: „Das war nie ein Problem, auch mit 30 Hähnen nicht!“

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