In Südostasien werden bei zwei möglichen Flüchtlingskatastrophen mehr als 500 Menschen vermisst. Zwei Boote, die nach Angaben von Angehörigen von der Küste Myanmars in den Golf von Bengalen abgelegt haben, würden vermisst, berichten die UN-Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). „Es gibt bislang keine Berichte über Überlebende“, sagte ein IOM-Sprecher der dpa.
An Bord sollen überwiegend Rohingya gewesen sein, also Angehörige der muslimischen Minderheit, die im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten drangsaliert wird.
Angaben über die Boote stammen von betroffenen Familien, Nachrichtenportalen und Hilfsgruppen, die die UN-Organisationen für glaubwürdig halten. Überprüfungen sind in Myanmar schwierig. Das Militär kontrolliert seit einem Putsch 2021 das Land und überall sind Rebellengruppen aktiv. Es sei möglich, dass Tragödien wie diese nie verifiziert werden können, sagte der IOM-Sprecher.
Die Organisation Rohingya Rights Watch befürchtet 530 Tote, darunter Frauen und Kinder. Sie beschuldigt ein organisiertes, länderübergreifende Menschenhandelsnetzwerk, das immer wieder Flüchtlinge in Lebensgefahr bringe. An Bord sollen auch Menschen aus dem riesigen Rohingya-Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch gewesen sein. Die Menschen leben dort seit Jahren in beengten Verhältnissen und viele sehen keine Zukunftsperspektive mehr.
Nach einem Bericht des Nachrichtenportals Rohingya Khobor soll ein Boot mit rund 250 Menschen an Bord unweit der Küste gekentert sein. Die Menschen sollen versucht haben, nach Malaysia zu flüchten - eine Überfahrt, die in gefährlichen Gewässern zwei Wochen dauern kann. Leichen seien nach Angaben von Anwohnern an der Küste angespült worden, heißt es in dem Bericht des Nachrichtenportals. Unabhängig bestätigen ließen sich die Informationen nicht.
Bei einem zweiten Boot mit rund 280 Menschen an Bord sei kurz nach dem Start der Kontakt abgebrochen, berichten IOM und UNHCR. Es soll den Angaben zufolge bereits am 8. Juli gesunken sein. Das Portal Action Against Rohingya Atrocities (AARA) schreibt, das Fischer vor der Küste zahlreiche Leichen im Meer gesehen hätten. Auch dies ließ sich nicht unabhängig überprüfen.
„Auch wenn die Vorfälle und die Opferzahlen noch nicht offiziell bestätigt wurden, sind das UNHCR und die IOM zutiefst besorgt über den möglicherweise verheerenden Verlust an Menschenleben“, teilten die Organisationen mit.
© dpa-infocom, dpa:260716-930-392907/2