Ein mögliches Industriegebiet unweit von Frauental (Stadt Creglingen) sorgt weiter für Unmut. Während die Gegner die Sinnhaftigkeit des Projekts anzweifeln und von einer „irrsinnigen Planung“ sprechen, sehen der Creglinger Bürgermeister Uwe Hehn und die Projektentwickler eine gute Chance auf hoch qualifizierte Arbeitsplätze und Zuzug.
Tauberzell erlebt am Donnerstagabend einen Besucheransturm – der Adelshofener Ortsteil ist zugeparkt. Grund dafür: eine proppenvolle Infoveranstaltung der Interessensgemeinschaft (IG) „Für unsere Region – gegen den Logistikstandort Frauental“ im Falken-Saal. Klaus Adam aus Aub, einer der Sprecher der IG, setzt sich zum Ziel, die Fakten aufzuzeigen und zu begründen, weshalb die Stadt Creglingen und der Projektentwickler dieses Vorhaben aufgeben sollten.
Zum einen fürchten besonders die Bürger aus dem westlichen Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim eine massive Verkehrszunahme. Sie zeigen sich sicher, dass die Laster vor allem durch Bayern fahren, um zum Industriegebiet zu kommen, das am Rande von Baden-Württemberg liegt.
„Optimale Anbindung entlang der A7“, heißt es im Projektexposé, im Internet ist gar von einer „Logistikfläche bei Würzburg“ die Rede. Für die Gegner ist das eine glatte Lüge. Jeder, der aus dem Uffenheimer Raum ins Ländle fährt, wisse: „Das sind sehr schöne Landstraßen mit schnuckeligen Ortsdurchfahrten.“ Sie punkteten durch Idylle, nicht aber durch Eignung für Laster.
Über Langensteinach müssten diese – in einem Protokoll ist von gut 300 Lastwagen täglich die Rede – rund zehn Kilometer Landstraße von der A7 bis nach Frauental fahren, über Gollhofen 18 Kilometer. Größere Fahrzeuge passten aufgrund der schmalen Straße kaum aneinander vorbei. Hinzu kämen Kreuzungen, die „sehr unfallträchtig sind“, betont ein Bürger aus der Gemeinde Simmershofen. „Wir sollten das Staatliche Bauamt Ansbach fragen, wie viele Tote sie akzeptieren.“ Tödliche Unfälle seien nur eine Frage der Zeit.
Steffen Jodl, Regionalreferent des Bund Naturschutz für Unterfranken: „Es wird Schwerlastverkehr in Regionen geben, wo es bisher kein Problem war.“ Das werde sich massiv auf die „Haltbarkeit der Straßen“ auswirken. Der Baulastträger müsse häufiger sanieren – und wer zahlt? Jodl: „Der Steuerzahler.“ Neben dem Verkehr werde auch das Industriegebiet für Lärm sorgen, sagt Adam. Er fürchtet Spitzen von bis zu 90 Dezibel – der Sprecher vergleicht das mit dem Lärm einer Flex. „Die Lärmausbreitung wird über das Tal hinweggehen“, nur Creglingen werde nichts hören – das Städtle sei zu weit weg.
Hierin sehen einige Redner „politisches Kalkül“ vom Creglinger Bürgermeister. Frauental und Sechselbach: „Die zwei kleinsten Dörfer sucht er aus.“ Hehn argumentiert damit, dass Creglingen unter Bevölkerungsschwund leide und er dagegen dringend etwas unternehmen müsse. Ein Industriegebiet mit attraktiven Arbeitsplätzen sieht er als Magneten.
„Den Bevölkerungsschwund hältste damit nicht auf“, sagt hingegen der Uffenheimer Erwin Keller. Adam: „Wir müssen Hehn klar machen, dass sich sein Wunsch nicht erfüllen wird.“ Auch großen Reichtum für die Stadt sieht niemand. „Goldesel gibt’s leider nur im Märchen.“ Keller: „Das ist einfach ein Irrtum von Hehn.“
Weiteres Argument: der Flächenfraß. Mit rund 155.000 Quadratmeter Grundstücksfläche wirbt der Projektentwickler, umgerechnet rund 22 Fußballfelder. „Die Flächen gehören ja noch nicht mal der Stadt Creglingen“, ruft einer. „Mit Geld geht alles“, antwortet ein anderer. Die Halle soll rund acht Hektar groß werden, Adam spricht von einer der „größten, zusammenhängenden Hallenflächen Süddeutschlands“ und fragt: „Wollen wir das? Bei so einem Klotz kommen mir die Tränen.“ Natur- und Klimaschutz, Schäden für den Tourismus, Brandschutz, der gesättigte Arbeitsmarkt und die jetzt schon verzweifelte Suche der heimischen Firmen nach Fachkräften: Die Gegner nennen viele Kritikpunkte.
Wer sich später ansiedeln wird, weiß noch keiner. Ein Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gebe es noch nicht. „Wir sind jetzt noch in der Phase, wo wir es am besten verhindern können“, so Christine Primbs von der IG. „Es geht ja nicht nur um den Verkehr, es geht auch darum, dass das Industriegebiet nur ein Anfang ist, weitere Ansiedlungen könnten folgen.“ Um ihren Unmut über die Pläne der Stadt Creglingen und der Projektentwickler kundzutun, wollen sie bei deren Infoveranstaltung am Donnerstag, 4. Mai, um 19.30 Uhr in der Creglinger Mehrzweckhalle Präsenz zeigen, Farbe bekennen. Von roten Karten, die sie den Verantwortlichen zeigen, ist die Rede. Von Traktorblockaden. Von einem Infostand. Von Transparenten.
„Wir brauchen richtig Widerstand, alles andere bringt nichts“, sagt einer. Die IG will sich Rechtsbeistand holen, um später womöglich gegen die Bauplanung zu klagen. Auch von einem angestrebten Bürgerbegehren ist die Rede. Eben „richtiger Widerstand“ gegen den „Unfug“. Aber Klaus Adam beruhigt: „Wir werden uns nicht vor die Stadthalle kleben.“
Die Nachfrage nach Gewerbeflächen in Deutschland ist groß, sagen Peter Kunz und Wolfgang Speer, beim Projektentwickler „Lang & Cie.“ zuständig für das Frauental-Vorhaben. Die Republik müsse mehr Lagerraum schaffen, um sich von anderen Nationen unabhängiger zu machen. Das habe Corona gezeigt. „An den Autobahnen ist vieles schon abgegrast.“ Entsprechend sei man über Bürgermeister Uwe Hehn auf Creglingen gekommen.
„Es gibt viele Argumente dafür, es gibt aber auch viele dagegen, das wissen wir“, sagt Kunz. „Wir nehmen die Sorgen der Bevölkerung ernst und stellen uns dem Dialog.“ Allerdings habe die Interessensgemeinschaft Gesprächstermine bislang abgelehnt. Das Duo widerspricht dem Lasteraufkommen – die kursierenden Zahlen würden nicht erreicht. Andere Daten wollen sie aber nicht nennen. Nur so viel: „Es wird jemand sein, der in vertretbarem Maße Verkehr verursacht.“
Der Tenor aber ist klar: „Es muss sich wirtschaftlich rechnen“, betonen Kunz und Speer mehrmals. „Das sondieren wir gerade.“ Ob das Projekt für die Stadt und den Landkreis sinnvoll ist, das müssten letztlich die Stadträte als gewählte Bürgervertreter entscheiden.
Die Lang&Cie-Vertreter versprechen: „Wir werden das Gebäude nur errichten, wenn wir einen konkreten Nutzen“, sprich eine Firma, „haben“. Und nein, es sei keine Müllhalde im Gespräch. Eine Hand voll Interessenten gebe es, Namen verraten die beiden nicht. „Wir sind guter Dinge, im Laufe des Jahres einen Nutzer präsentieren zu können.“
Und: „Es wird eine Firma sein, die jeder Bürgermeister gerne auf dem Klingelschild hat – alles Firmen, die man kennt.“ Kunz: „Es wird keine industrielle Nutzung, wie man es sich vielleicht vorstellt, mit Schornstein und Chemie.“ Und auch kein E-Commercialer, der die Sprinterflotte platziert. Sondern eben eine Multifunktionshalle, wohl auch mit einer kleinen Produktion.
Der Bau werde nach Nachhaltigkeitsstandards errichtet, sei fast energieneutral. Arbeitsplätze werden entstehen, „so viele, dass Creglingen sich wohlfühlt. Es wird stadtverträglich sein.“ Die gesamte Region werde profitieren, zeigt sich das Duo sicher. „Derzeit ist der Wegzug eklatant.“ Kunz spricht von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen, vielleicht sei auch eine Vernetzung mit der Hochschule und ein Angebot für ein duales Studium möglich. Die Jugend könne man ohne hochwertige Arbeitsplätze nicht hier halten, andere Fachkräfte nicht anlocken.
Auch das Gebäude werde sich in die Umgebung einbetten, so Kunz. Die Gegner malten sich ein „Schreckensszenario“, das auf Missverständnissen, Befürchtungen und Halbwahrheiten beruhe. Speer: „Wir kennen die Gegend gut genug und wissen, was man dort machen kann.“ Entsprechend freue man sich darauf, am 4. Mai aufzuklären.
Mit der Brechstange sei man nicht unterwegs: „Wenn am Ende des Tages entschieden wird, nein, dann ist das eben so.“ Und ob die Halle tatsächlich, wie angekündigt, bis zum zweiten Quartal 2025 fertig wird, auch daran gibt es leise Zweifel.