Die Schwarzmann und Ansbach: das passt. Hier spielt sie einst zu Beginn ihrer Karriere in der Kammer vor 70 Besuchern, füllt später den Onoldiasaal und erreicht nun als Startschuss des Ansbach Open den Rang eines Zuschauermagneten. Über 2000 Besucher wollen die Kabarettistin sehen, und hören, was sie zu erzählen hat.
„Ich freu´mich, dass ich wieder mal in Ansbach sein darf“, sagt Martina Schwarzmann gleich zu Beginn ihres Auftritts am Freitagabend am Campus der Hochschule, wo das Mini-Festival nach vierjähriger Pause reüssiert und damit den neuen Spielort einweiht. Der Abend ist ein Heimspiel für die Oberbayerin, trotz dialektischer Hürden und „auch wenn ich hier gar keine Verwandten hab´“. Ihre Anziehungskraft in Ansbach ist ganz simpel erklärt. „Wenn man immer wieder kommt, kommen die Leute auch.“
Die 45-Jährige aus der Nähe von Fürstenfeldbruck begegnet der Welt, den Menschen mit all ihren Befindlichkeiten, dem tagtäglichen Stress und den Auswüchsen politischer Korrektheit mit einfachen Mitteln. Herrlich pragmatisch stellt sie sich dem Wahnsinn des Alltags.
Leserbriefe in der Zeitung amüsieren sie, es gibt aber kein spezielles Thema, das sie selbst aufregt, „weil mir so viel wurscht ist“. Die Schilddrüse, hatte ihr Papa schon, „keine Charaktereigenschaft”, wie sie beteuert. Wurscht ist es ihr auch, tote Mäuse kurzerhand im Staubsauger entschwinden zu lassen, wie das ihre Kinder machen. Eh klar. „Anfassen mag tote Mäuse ja keiner.“
Apropos Nachwuchs: Schwarzmann hat den sicher so herausfordernden wie spannenden Spagat zwischen Rampenlicht und enervierender Aufsichtsperson einer pubertierenden Kinderschar am heimischen Bio-Bauernhof in der fern jeglicher touristischer Anziehungskraft liegenden Provinz zum Programm gemacht. Das ist nicht neu, funktioniert aber: Kinder und die bessere Hälfte, da können viele Menschen mitreden und mitunter mitleiden. Schwarzmanns Familie ist der rote Faden, der sich durch ihr rund zweieinhalbstündiges Programm zieht.
Dem hat sie den Titel „Ganz einfach“ verpasst, weil vieles im Leben ihrer Meinung nach ja auch ganz einfach ist – oder sein kann. Zumindest, wenn man großzügig über vieles hinwegsieht und vor allem nicht zu ernst nimmt. Da gehört die Tofu-Kette für den veganen Schützenkönig genauso dazu wie in Kirschsaft getauchte Tampons, die ihren Apfelbaum vor allzu gierigen Nachbarn erfolgreich abschirmen. Ihre wirklich bissigen Gemeinheiten hat sie gut versteckt und setzt sie wohl dosiert ein: Die Frage, warum der Mann, der ihr bei einer verhassten Halloween-Tour mit ihren Kindern begegnet, die Tür im orangefarbenen Frottee-Schlafanzug öffnet und warum vor allem die Knie durchgewetzt sind, „mag ich mir nicht vorstellen.“ Augen zu und durch.
Besonderen Spaß aber hat das Publikum, wenn Schwarzmann von „familieninternen Irrtümern“ berichtet. Wenn die Kinder meinen, überreife Bananen analog zu alten Brotscheiben im Toaster wiederaufbereiten zu können. Oder was ihrem Mann dabei durch den Kopf gehen könnte, wenn er spinnenbeinartig über die zwei Körbe voller frischer Wäsche auf der ersten Stufe der Treppe kraxelt. „Seitdem ich es im Programm erwähne, macht er es nicht mehr.“
Die kleinen Botschaften, die die Kabarettistin fern jeglichen ideologischen Eifers und aller Wurschtigkeit dann doch transportieren will, nehmen sich leicht verdaulich aus: „Das Beste im Leben ist kostenlos“, meint sie und findet: „Es ist egal, was du isst. Wichtig ist, wer neben dir sitzt.“
Schwarzmann gibt die erwachsene Pippi Langstrumpf. Die ist heute Bio-Bäuerin und begeistert im Nebenerwerb tausende Menschen. Ganz einfach, oder?