Lukas Dreßlein ist einer der wenigen Darts-Trainer in Deutschland | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.01.2024 21:15

Lukas Dreßlein ist einer der wenigen Darts-Trainer in Deutschland

Lukas Dreßlein ist der Mann der Darts: Als einer von rund 20 Menschen in Deutschland besitzt der Uffenheimer den B-Trainerschein für den Sport der Pfeile. (Foto: Johannes Zimmermann)
Lukas Dreßlein ist der Mann der Darts: Als einer von rund 20 Menschen in Deutschland besitzt der Uffenheimer den B-Trainerschein für den Sport der Pfeile. (Foto: Johannes Zimmermann)
Lukas Dreßlein ist der Mann der Darts: Als einer von rund 20 Menschen in Deutschland besitzt der Uffenheimer den B-Trainerschein für den Sport der Pfeile. (Foto: Johannes Zimmermann)

Die Dartswelt, sie ist im Wandel: Weg vom Kneipen-Image, hin zum Leistungssport. Mittendrin: der Uffenheimer Lukas Dreßlein. Als einer von nur rund 20 Menschen in ganz Deutschland besitzt er eine B-Trainerlizenz für den Sport. Sein Verein: der SV Viktoria Weigenheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Seine Passion: Pfeile. Seine Mission: ein gutes Training.

Der Wind peitscht den Regen durch die Uffenheimer Albrecht-Eyring-Straße. Die Siedlung ist wie leergefegt. Doch in einem Haus brennt Licht, ganz oben, im Dachboden – die Beleuchtung einer Dartscheibe. Auf der grau-braunen Couch hat es sich Lukas Dreßlein bequem gemacht. Er ist Botschafter des Dartssports. Und der steht derzeit wieder besonders im Fokus der Öffentlichkeit.

Denn in den vergangenen Tagen haben sich wieder die Größen der Szene im Londoner Alexandra Palace – auch Ally Pally genannt – gemessen. Verrückte Party trifft auf außergewöhnlichen Sport. Acht Millimeter breit ist es, das Feld, das am meisten gelöchert wird: die dreifache Zwanzig, die dem Spieler 180 Punkte mit drei geworfenen Darts beschert. Dann schlägt der große Moment des Callers: „Ooooonehhhundredaaandeeeighty.“

Begehrte Eintrittskarten

Einmal auf dieser WM-Bühne vor 10.400 feierwütigen Fans zu stehen, davon träumt mutmaßlich jeder, der Dartpfeile schon einmal länger als drei Sekunden in Händen hielt. Fährt also Lukas Dreßlein 2024/2025 zur WM nach London? Er lacht und antwortet mit einem „Ja“. Nach einer kurzen Pause schiebt er nach: „Als Zuschauer“. Der Uffenheimer will mit Freunden heiß begehrte Karten ergattern. Bis dahin wird der 32-Jährige aber noch viele Darts in sein Dachboden-Board schmettern.

Rund 44.000 Würfe pro Jahr

Eine Handy-App erfasst jeden einzelnen Pfeil, der seine Hand verlässt. Im Jahr 2023 waren es ziemlich genau 44.000 Würfe, nur auf seiner Privatscheibe. Von dieser Zahl ist selbst Dreßlein überrascht. Er ist Kapitän der Dartsmannschaft des SV Viktoria Weigenheim, Führender in der „Viktoria Order of Merit“, also Ranglistenerster in Weigenheim, und gleichzeitig Trainer. Ausgebildeter Trainer.

Früh kreuzten sich die Wege von Dreßlein und den Pfeilen. Mit 14 Jahren zockte er mit einem Kumpel im Uffenheimer Kult-Bistro „Schwabylon“ am Billard-Tisch. Daneben warfen die Sportler vom Dartclub Sligo Power ihre Pfeile. „Ich hab interessiert geschaut“. Da hat ihm einer drei Darts in die Hand gedrückt. Er warf. Und warf. Und warf. Drei Spitzen, eine Passion zu erwecken.

Bis auf eine Pubertätspause übte der Uffenheimer den Sport aus – und der Begriff „Sport“ ist ihm überaus wichtig. „Es ist ein bunter Gesellschaftssport, den jeder machen kann – vom kleinen Mann bis zum Vorstandsvorsitzenden.“ Und Leistungssport, mit dem so mancher Profi-Spieler mittlerweile seinen Lebensunterhalt verdient.

Mit dem Nationaltrainer im Lehrgang

Später wechselte Dreßlein nach Weigenheim, wo gerade frisch eine Dartsabteilung das Licht der Welt erblickt hatte. Was ihn in all den Jahren nervte: das unkreative Training. Überall warfen sie nur ihre Darts ins Board, 501 Punkte auf 0 herunterspielen, aber niemand scherte sich um die richtige Körperhaltung, um den perfekten Wurfstil, um Technik. Das wollte er ändern.

So absolvierte Dreßlein die Prüfung für die C-Lizenz, dann die B-Lizenz. Einen schriftlichen Test musste er hierfür bestehen und einen möglichen Trainingsplan für einen Darts-Profi entwerfen. Mit in seinem Lehrgang war der heutige deutsche Darts-Nationaltrainer Dirk Wurzel. Das offizielle B-Zertifikat ziert nun auch die Wand in Dreßleins Darts-Raum.

Technik, Stil und die große Mathematik

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag, beim Spiel der Pfeile geht es um viel mehr als nur ein paar Würfe. „Wichtige Spiele werden zu großen Teilen im Kopf entschieden.“ Die Spieler mental zu festigen ist deshalb wichtiger Anker des Trainings. Gedankenstopp. Sich nie beirren lassen. „Es gibt verschiedene Techniken, verschiedene Ansätze.“ Auch sonst sind durchaus variable Übungseinheiten möglich.

Mit einem Doppelfeld muss das Spiel beendet werden. Diese zu treffen, auch das muss trainiert werden. Das Scoring, also mit drei Pfeilen möglichst viele Punkte zu erzielen, will gelernt sein – wie auch Treffer im Bulls-Eye, der Mitte des Dartboards. „Kill Bull“ nennt Dreßlein diese Einheit.

Mit wenigen Pfeilen perfekt ans Ziel

Hinzu kommt die Mathematik. Wer erfolgreich Darts spielen will, muss mehr als das kleine Einmaleins aus dem Stegreif beherrschen. Lange Rechenpausen rauben Konzentration. „Ein Profi fängt ab 300 Punkten das Rechnen an“, um mit möglichst wenigen Pfeilen perfekt ans Ziel zu kommen.

Zuerst aber gilt es, das richtige Equipment zu finden. Lukas Dreßlein öffnet seinen Schrank, holt mehrere Boxen heraus, die an kleine Schraubenkästen erinnern. Er stellt eine Feinwaage auf den Tisch. „Nein, ich nehm’ keine Drogen“, sagt er und lacht. Er legt den Barrel darauf, ein Teil des Pfeils. 22 Gramm. Eine der üblichen Gewichtseinheiten. Aber es gibt viele Varianten, viele Möglichkeiten. Eine Wissenschaft für sich.

Derzeit spielt Dreßlein mit der Weigenheimer Viktoria in der Bezirksliga B. Lange Fahrtzeiten gehören da genauso dazu – „leider“, findet Lukas Dreßlein. 150 Kilometer bis nach Amberg – zwei Stunden Fahrt, vier Stunden Spiel, zwei Stunden Fahrt. Der Uffenheimer hofft auf eine Umstrukturierung mit weniger Fahrstrecken. Die Verhandlungen laufen, noch aber ist nichts spruchreif.

Vorfreude aufs Derby

Und am Ende verrät Lukas Dreßlein noch seinen kleinen Traum. Die PDC, mit der größte Veranstalter von Darts-Events weltweit, hat mit der Next-Gen eine neue europaweite Turnierserie für 2024 angekündigt. Dreßlein würde gerne mitspielen. „Auch wenn ich vermutlich nichts reiße. Ich mache fehlendes Talent mit Begeisterung wett“, stapelt er tief.

Und viel mehr begeistert ihn das Gesamtpaket: die Gemeinschaft, der Sport, das Miteinander. Sein persönliches Spiel der Spiele steht am 13. Januar an. Ab 20 Uhr treffen dann im Uffenheimer Bistro „Joy“ der SVV Weigenheim und Sligo Power Uffenheim aufeinander. Derbytime.

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