Von Taubendreck und Gegurre haben viele Lichtenauer die Nase gestrichen voll. Die Verwaltung hofft, die Population mit einem Maßnahmenpaket, bestehend aus drei Säulen, ein für alle Mal in den Griff zu kriegen. Geschäftsstellenleiter Thomas Balles stellte das Konzept im Gemeinderat vor.
Bei einem Ortstermin habe der Vertreter eines Taubenabwehrunternehmens bestätigt, dass Vergrämen – zum Beispiel mit Taubenabwehrspitzen, die an Hausfassaden montiert werden – das Problem nur verlagert, teilte Balles mit: „Die Tauben ziehen dann von einem Haus zum anderen.“ Jedoch werde die Zahl der brütenden Vögel letztlich nicht reduziert.
Stattdessen will die Verwaltung nun auf eine Kombination dreier Maßnahmen setzen. Erstens soll ein Taubenschlag betrieben werden, in dem die Vögel brüten. Durch gezielte Entnahme der Eier kann man die Population eindämmen. Gesucht werden Ehrenamtliche, die das tägliche Füttern sowie die Reinigung übernehmen und die Eier gegen künstliche Exemplare tauschen. Gebraucht werden mindestens drei Freiwillige, die sich abwechseln. Schließlich könne die Fütterung nicht ausgesetzt werden, wenn jemand im Urlaub ist, erläuterte Balles, denn „dann haben die Tauben Hunger“.
Geprüft wurde bereits, ob ein solcher Taubenschlag in den Dachstuhl der evangelischen Dreieinigkeitskirche eingebaut werden könnte. Dies hätte sich angeboten, weil sich rund um den Martin-Luther-Platz besonders viele verwilderte Haustauben tummeln.
Leider ist der Raum zu klein, wie ein Termin mit einem Vertreter des Staatlichen Bauamtes – die Behörde ist der Baulastträger – ergab. „Deshalb ist dieser Standort aus dem Rennen“, stellte Balles auf FLZ-Nachfrage fest. Die Verwaltung ist bereits auf der Suche nach Alternativen. „Es würde sich noch ein Taubenschlag auf einer gemeindlichen Fläche anbieten. Wo das sein könnte, wurde noch nicht näher untersucht. Eine andere Alternative wäre ein Standort bei der Justizvollzugsanstalt (JVA), die auch von einem Taubenproblem geplagt wird.“
Bürgermeister Markus Nehmer hat bereits mit einer Vertreterin der dortigen Bauabteilung Kontakt, wie er in der Sitzung bekannt gab. Von Seiten der JVA habe man sich offen gezeigt, das Problem gemeinsam anzugehen.
Als zweite Maßnahme sollen Wanderfalken angesiedelt werden. Bei der Greifvogelart stehen Tauben auf dem Speiseplan. Durch Nisthilfen in der Nähe der Population könnte man die Tauben zum Abwandern animieren. Geeignet ist laut Balles zum Beispiel der Schlauchturm der Feuerwehr. „Das Problem ist, dass sie den Wanderfalken nicht zwingen können, dort zu nisten“, bemerkte er. Gemeinderat Dr. Christoph Keßler schlug vor, auch außerhalb des Ortskerns einige Nisthilfen anzubringen. Seine Idee wurde in den Beschlussvorschlag aufgenommen.
Als dritter und letzter Punkt soll ein gezieltes Fütterungsverbot für ein Privatgrundstück ausgesprochen werden. Nach Angaben der Verwaltung werden die Vögel dort bislang mit Futter versorgt. Fällt diese Nahrungsquelle weg, führt das vielleicht ebenfalls zur Abnahme der Taubenanzahl.
Der Gemeinderat segnete alle drei Maßnahmen einstimmig ab. Gremiumsmitglied Gisela Strößner regte an, zusätzlich über die Antibabypille für Tauben nachzudenken. Auch dieser Vorschlag wird geprüft.