Man könnte meinen, man ist in der Vergangenheit gelandet. Ein alter Mähbinder aus den 1960er Jahren zog seine Bahnen über ein Feld in Triesdorf. Mit viel zusätzlicher Handarbeit ist das Langroggenstroh geerntet worden.
Wie der Name schon vermuten lässt, hat der besondere Roggen sehr lange Halme. Rund zwei Meter hoch kann die alte Sorte wachsen und bleibt dabei sowohl stabil als auch flexibel. Perfekte Voraussetzungen für eine weitere Verarbeitung also. Genutzt wird das Stroh zur Dacheindeckung.
Doch wer deckt heute sein Dach noch mit Stroh? Naja, das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim. Bauernhäuser der Mittelalter-Gruppe sind mit historischen Strohdächern versehen. Seit 2022 wird das Material in einem gemeinsamen Projekt in Triesdorf angebaut und in Bad Windsheim weiter verwendet.
Für die weitere Verarbeitung darf das Stroh nicht geknickt oder zerbrochen werden, deshalb setzen die Verantwortlichen keine modernen Maschinen ein. Stattdessen tuckerte ein kleiner Schlepper mit dem alten Mähbinder über das rund ein Hektar große Feld. Der Roggen wird anschließend getrocknet und später an einer stationären Maschine gedroschen. In Handarbeit werden die Halme zu Strohschauben, also zu Büscheln, gebunden. Weil der Prozess so aufwendig ist, kommt das jetzt geerntete Stroh erst 2026 aufs Dach.
Die Ernte fand dieses Jahr etwas später als gewohnt statt. Die Wochen davor hat es zu viel geregnet. An der Qualität des Strohs ändert das allerdings laut der Mitteilung nichts. Direktor Markus Heinz bezeichnet es als eine „Top-Ernte”, die dem Freilandmuseum geliefert werde.
Museumsdirektor Dr. Herbert May und LLA-Direktor Markus Heinz betrachteten laut der Mitteilung die geernteten Strohgarben und betonten einstimmig: „Der Anbau von Langstrohroggen ist ein sehr schönes Projekt zwischen unseren beiden Bezirkseinrichtungen. Hier können wir moderne Landwirtschaft mit traditionellem Handwerk verbinden.“