Aus einem Gewerbeareal wird ein Wohngebiet: Wo die Edeka noch bis vergangenen Herbst in der Sachsener Bahnhofstraße ein Logistikzentrum betrieben hat, sollen auf 4,8 Hektar Grundstücke für Häuser entstehen. Das Großprojekt wird die Gemeinde über Jahre beschäftigen.
„Mitte September sind die letzten Lkw mit Lebensmitteln hier rausgefahren”, erzählt Sachsens Bürgermeister Bernd Meyer. Dass sich auf dem Gelände nahe der S-Bahn-Haltestelle bis vor einiger Zeit ein Zentrallager der Edeka befand, ist nur noch an dem Schild mit dem blauen E auf gelbem Grund zu erkennen.
Bereits im Herbst 2023 wurde bekannt, dass die Unternehmensgruppe Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen neben ihrem Frischelager in Schwabach auch das Trockenlager in Sachsen bei Ansbach schließt. Als Grund gab Edeka an, dass der Platz nicht ausreiche, um den Standort aus den 1960er Jahren zu erweitern. In Sachsen waren rund 180 Angestellte von der Schließung betroffen. Inzwischen werden die Waren vom oberfränkischen Marktredwitz aus an rund 900 regionale Märkte in Franken, in der Oberpfalz sowie in den Bundesländern Thüringen und Sachsen geliefert.
In den riesigen Hallen am Sachsener Bahnhofsweg herrscht nun gähnende Leere. Die großen Hochregale sind abgebaut, im oberen Geschoss, wo sich einst Büros befanden, zeugen noch ein paar vergessene Zimmerpflanzen und alte Aktenordner von den Vorbesitzern. Seit Ende November ist die Gemeinde im Besitz der Fläche. Über den Preis wurde mit der Edeka Stillschweigen vereinbart.
Die Entscheidung für den Kauf begründet Bürgermeister Bernd Meyer mit der Ortsentwicklung. Ursprünglich sei das Logistikzentrum am Rande der Gemeinde gebaut worden. „In all den Jahrzehnten ist Sachsen immer weiter gewachsen.” So entstanden in unmittelbarer Nähe mehrere Wohngebiete wie Bergfeld und Himmelreich. Durch den Lkw-Verkehr, der für die Anwohner Lärm bedeutete, war die Situation zuletzt nicht ideal. Auch nicht für die Edeka, die sich mit immer mehr Beschränkungen konfrontiert sah. So war beispielsweise kein 24-Stunden-Betrieb mehr erlaubt.
Auch für einen Nachfolge-Logistiker wäre die Lage nicht gut geeignet, weil die Fahrzeuge ebenfalls durch den Ort fahren müssten – die Autobahn ist ein gutes Stück entfernt. Schließlich fiel die Entscheidung, kein Gewerbe mehr zuzulassen, sondern eine Nutzungsänderung anzustreben und ein Wohngebiet zu schaffen. „Wir haben fußläufig den S-Bahn-Halt, das ist ideal. Man braucht nicht mal ein Fahrrad, sondern kann direkt hinlaufen”, schwärmt Meyer. Eine Lärmschutzwand oder andere bauliche Maßnahmen könnten die Anwohner später vor zu lauten Geräuschen durch vorbeifahrende Züge schützen.
Zunächst aber muss die bestehende Immobilie abgerissen und das Gelände neu erschlossen werden. Derzeit untersucht eine Fachfirma das Baumaterial, auch mit Blick auf mögliche Schadstoffe. Erst danach kann eine grobe Kostenschätzung erstellt werden. „Es sind sicher ein paar Millionen Euro, die allein der Abriss kostet”, prophezeit der Rathauschef aber schon jetzt.
An mancher Stelle können aber irgendwann auch Kosten eingespart werden: Die gesamte Fläche von fast fünf Hektar ist aktuell versiegelt. „Das Wasser geht komplett in unseren Mischwasserkanal”, stellt Meyer fest. Wenn im Zuge der Erschließung des künftigen Wohngebiets ein Trennsystem errichtet wird, „werden wir unseren Kanal wahnsinnig entlasten. Wir sparen allein durch das Herausnehmen dieser großen Fläche aus dem Mischwasserkanal Millionen bei unserer Kanalsanierung. Das rechnet sich”.
Welche Art von Wohnbebauung auf dem Gelände einmal entsteht, ist noch unklar - vom klassischen Einfamilienhaus bis hin zum Geschosswohnungsbau ist alles denkbar. Möglich wäre auch eine gemischte Nutzung mit Arztpraxen und Gewerbe, das die Anwohner nicht stört. Abschnittsweise könnten Bauträgerprojekte verwirklicht werden.
Der Weggang der Edeka bedeutet neben einer Chance auf Innenentwicklung aber auch negative Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Gemeinde Sachsen. Weil der größte Gewerbesteuerzahler weggebrochen ist, musste reagiert werden. Um den Einnahmenverlust auf lange Sicht aufzufangen, wird ein neues Gewerbegebiet an der B14 bei Neukirchen erschlossen. Der Abriss auf dem Edeka-Areal soll noch 2026 beginnen, kündigt Bernd Meyer an. Parallel dazu soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Im besten Fall könnte 2027 bereits die Erschließung beginnen.