Menschen mit Behinderung möchten kein Mitleid. Lebensgeschichten aus dem Landkreis Ansbach zeigen, dass ein glückliches Leben möglich ist, auch wenn ein Familienmitglied eine Beeinträchtigung hat.
Christine und Rainer Foltyn haben ein pflegebedürftiges Kind. Die Familie hat viele Grenzerfahrungen gemacht – Notfälle, Krankenhausaufenthalte, der Rettungshubschrauber in die Klinik. Elli ist inzwischen fünf Jahre alt, quirlig und voller Lebensfreude. In der inklusiven Kindertageseinrichtung KiM der Lebenshilfe Ansbach wächst sie mit anderen Kindern auf.
Für die Eltern ist ihre Tochter kein Schicksalsschlag, kein „Leid”, wie es Außenstehende vielleicht betrachten. „Es ist anders, manchmal auch anstrengend. Das bezieht sich vor allem auf die vielen Rahmenbedingungen, die es einzuhalten gilt”, sagt der Vater.
Bei Rebecca Schwarz zeigten sich im Kleinkindalter Entwicklungsverzögerungen. Im Grundschulalter brachten Tests die Diagnose: geistige Behinderung. An einer Förderschule lernte Rebecca lesen, schreiben und rechnen. In der dritten Klasse erlitt sie ihren ersten epileptischen Anfall.
Die Epilepsie schränkt die mittlerweile 34-Jährige stark ein. Sie lebt im Gemeinschaftlichen Wohnen der Lebenshilfe in Feuchtwangen und arbeitet in einer Werkstatt der Lebenshilfe. Die Eltern blicken mit Sorge auf die politischen Entwicklungen. Ihre größte Befürchtung ist, dass die Inklusion zurückgedrängt wird.
Tanja Fragner wurde mit einer seltenen Fehlbildung des Kleinhirns geboren. „Es bringt nichts, nach dem 'Warum' zu fragen”, sagt Mutter Margit. Sie ist zur Kämpferin geworden – gegenüber Behörden, Kliniken, Krankenkassen. Die Tochter führt als junge Frau ein selbstständiges Leben, unternimmt viel mit ihrem Verlobten.
„Der Alltag mit einem kranken Kind bedeutet viele Arztbesuche, Therapien und eine durchgetaktete Tagesstruktur”, sagt Simone Kühleis. Schon vor der Geburt von Lenny erfuhren seine Eltern von einem schweren Herzfehler und einem Zwerchfellbruch.
Der Achtjährige ist mit seinem jüngeren Bruder Lio (6) immer mittendrin, wenn es etwas zu erleben gibt. Die Eltern haben die Einstellung: „Nicht jammern, sondern machen und um Hilfe zu bitten, wenn es nicht mehr geht.”
Sonja Böhmländer (32) liebt Heavy Metal: Mit ihrem Vater war sie schon auf zahlreichen Konzerten und sogar auf einer Metal-Kreuzfahrt. Häufig ist sie auch auf Motorradtreffen, spielt Schlagzeug, schwimmt gerne und mag es, Fahrrad zu fahren.
Ein Gendefekt, der mit einer geistigen Behinderung einhergeht, führt zu einer permanenten Hilfsbedürftigkeit. Im Kontakt mit Behörden würden die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung häufig nicht ausreichend berücksichtigt, beklagt die Familie.
Patricia Wenninger (43) ist gerne unterwegs: mit der integrativen Trommelgruppe, auf Konzerten oder auf Reisen mit ihren Eltern. Sie wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Der verstörende Vorschlag, ihr Kind in ein Heim zu geben, kam für die Eltern nicht infrage.
Der Sohn von Sabrina und Armin Schäfer kam mit Komplikationen zur Welt. Bei der Geburt blieb das Kind im Geburtskanal stecken, erlitt eine Sauerstoffunterversorgung. Zwei Monate bangten die Eltern um das Leben ihres kleinen Tino. „Hätte uns damals jemand gesagt, dass es ihm heute so gut geht, hätten wir es nicht geglaubt”, sagt die Mutter.
Aris Form der Epilepsie ist selten. Bei einem Anfall ist er stundenlang nicht ansprechbar und wacht nicht von allein auf. Für die Eltern, Heike und Sebastian Schmidt, ist das kräftezehrend. „Wir sind anders, unsere Kinder sind anders, aber das sollte man akzeptieren und selbstbewusst vertreten”, meint die Mutter.
Die Lebensgeschichten zeigen, wie wichtig Zusammenhalt, Solidarität und Unterstützung innerhalb einer Gemeinschaft sind. Oft nehmen Außenstehende nur die Einschränkung wahr und reduzieren einen Menschen auf seine Behinderung. Doch natürlich macht das Handicap nicht die alleinige Identität einer Person aus.
Eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, war Ziel der Ausstellung „60 Jahre Lebenshilfe Ansbach” im Brücken-Center. Familien, die von der Lebenshilfe begleitet werden oder wurden, gaben auf großformatigen Bildern und Texttafeln einen Einblick in ihren Alltag voller Hoffnungen, Sorgen, Herausforderungen und Glücksmomenten. Die Geschichten sind ein Angebot, miteinander ins Gespräch zu kommen, egal wie unterschiedlich die Menschen auch sein mögen.
Die Lebenshilfe stellt die Ausstellung auch zum Ausleihen zur Verfügung. Interessierte können sich an die Lebenshilfe wenden:
presse@lebenshilfe-ansbach.de
0981/9525139