Lebensgefährlich: Illegaler Schildertausch an einer Brücke bei Dietersheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 12.02.2026 08:00

Lebensgefährlich: Illegaler Schildertausch an einer Brücke bei Dietersheim

Unbekannte haben das Schild mit der Begrenzung auf sechs Tonnen abmontiert und durch eines mit 30 Tonnen ersetzt. (Foto: Jürgen Meyer)
Unbekannte haben das Schild mit der Begrenzung auf sechs Tonnen abmontiert und durch eines mit 30 Tonnen ersetzt. (Foto: Jürgen Meyer)
Unbekannte haben das Schild mit der Begrenzung auf sechs Tonnen abmontiert und durch eines mit 30 Tonnen ersetzt. (Foto: Jürgen Meyer)

Die Brücke Richtung Hasenlohe in Dietersheim ist eigentlich auf sechs Tonnen beschränkt. Diese Maßnahme war nötig geworden, nachdem ein Ingenieur das Bauwerk geprüft und daraufhin die Reduzierung der Tonnage empfohlen hatte. Zweimal sind die Schilder nun schon von Unbekannten abmontiert worden. Die Gemeinde hat Anzeige erstattet.

Zunächst dachten die Verantwortlichen an einen Streich

„Es reicht. Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, das ist eine Straftat, eine lebensgefährliche Manipulation”, heißt es in einem Beitrag in den sozialen Medien. Dazu wurde ein Bild veröffentlicht: Auf dem ist die Brücke nach Hasenlohe zu sehen, daneben ein Schild, das mit einem roten Kreuz durchgestrichen ist. Denn hier gilt nicht mehr die darunter gezeigte Beschränkung auf 30 Tonnen, sondern auf sechs. Mittlerweile ist das Verkehrszeichen „Verbot für Fahrzeuge über 6 T” nun schon zum zweiten Mal abmontiert und entwendet worden.

Als die Schilder Ende Januar zum ersten Mal verschwunden waren, hatte man Bürgermeister Jürgen Meyer zufolge noch an einen Streich gedacht. Man habe vorerst darüber hinweggesehen und neue Begrenzungs-Schilder montiert. Nun sind die Schilder aber zum zweiten Mal verschwunden. Und es sind neue montiert worden. Die unterstellen eine mögliche Benutzung der Brücke mit bis zu 30 Tonnen. Doch diese Tragfähigkeit ist längst nicht mehr garantiert. „Hier werden mutwillig Menschenleben und Sachwerte gefährdet”, heißt es in dem Beitrag in den sozialen Medien weiter.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

Meyer bestätigt das auf Nachfrage unserer Redaktion. Demnach sei das von Unbekannten illegal montierte Verkehrszeichen, das 30 Tonnen erlaubt, „professionell” angebracht worden. Und zwar so professionell, dass sogar die seitens der Verwaltung kontaktierten Polizeibeamten zunächst einmal dachten, der gemeindliche Bauhof hätte hier Hand angelegt. Der habe Meyer zufolge aber „auf keinen Fall” etwas damit zu tun. Ganz im Gegenteil. Die Bauhof-Mitarbeiter hatten gewissenhaft das Verkehrsschild mit der Begrenzung auf sechs Tonnen angebracht.

Seitens der Kommune ist nun Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden. Die Polizei informierte zudem in einer Pressemitteilung darüber, dass in diesem Fall ein Ermittlungsverfahren „wegen des Vergehens des Diebstahls und der Amtsanmaßung” eingeleitet worden sei. Den Tatzeitraum des zweiten Schilder-Diebstahls datiert sie auf die Zeit zwischen Montag, 18 Uhr, und Dienstag, 15.15 Uhr.

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Letzte Hauptprüfung im Oktober 2025

Aktuell hängt das Verkehrszeichen mit der Begrenzung auf 30 Tonnen noch. Allerdings in leicht abgeänderter Form. Meyer zufolge sei die Null überlackiert worden, sodass nun Fahrzeuge mit maximal drei Tonnen die Brücke befahren dürfen. Ganz nach dem Motto „lieber zu wenig als zu viel”, kommentiert der Bürgermeister. Denn neue Schilder mit der Begrenzung auf sechs Tonnen müssen erst geliefert werden. „Wir hatten keine mehr als Ersatz im Lager. Die sind nun aber bestellt worden.”

Der Zustand der Brücke hatte zuletzt auf der Tagesordnung der Januar-Sitzung des Dietersheimer Gemeinderats gestanden. Dort war darüber informiert worden, dass das Bauwerk normalerweise im Abstand von sechs Jahren jeweils einer umfangreichen Hauptprüfung unterzogen werde und alle drei Jahre eine einfache Prüfung stattfindet. Dazwischen werden Sichtprüfungen auf offensichtliche Mängel durchgeführt, hatte Bürgermeister Jürgen Meyer seinerzeit erklärt.

Am 20. Oktober 2025 hatte zuletzt eine Hauptprüfung der Brücke stattgefunden. „Die Standsicherheit ist noch gegeben”, zitierte Meyer aus dem Abschluss-Bericht des Gutachters. Eine Dauerhaftigkeit indes sei nicht mehr gewährleistet. Als Grund wird unter anderem „die Abrostung der Walzträger an den Widerlagern” genannt, die „extrem” zugenommen hätte. Außerdem gebe es Betonausbrüche und einen Asphaltquerriss. Beides seien Folgen davon, dass „der Auflagerpunkt bei den Walzträgern der Brücke zum Betonrand des Pfeilers” gerutscht sei. Das habe zu Verformungen geführt.

Rund 1,2 Millionen Euro für einen Neubau

Der Gutachter rät in seinem Bericht dazu, die Erneuerung der Brücke zeitnah im Haushalt einzuplanen und „mit einer Neuplanung mindestens des Überbaus” zu beginnen. Nach den möglichen Kosten für das Vorhaben gefragt, erklärt Bürgermeister Meyer, dass man „über den Daumen gepeilt” mit rund 1,2 Millionen Euro für einen Brücken-Nebau rechnen müsse. Natürlich hoffe man auf eine Förderung, ein Eigenanteil bleibe der Gemeinde aber trotzdem.

Da die Grundsubstanz der Brücke noch nicht allzu schlecht sei, werde sie die Zeit bis zur nächsten Hauptprüfung voraussichtlich überstehen, so Meyer. Wie er jetzt auf Nachfrage erklärte, werde diese vorgezogen und sei demnach schon in drei Jahren wieder fällig. Zwar könnte man an dem Bauwerk „herumdoktern”, um es weiter am Leben zu erhalten. Doch das sei wenig sinnvoll und ein Neubau wohl zwingend erforderlich. Schließlich handele es sich hier auch um eine Ortsverbindungsstraße.

Zeitnaher Start der Planungsphase

Voraussichtlich im Mai sollten Bürgermeister Meyer zufolge erste Gespräche mit Architekten geführt werden. „Es muss auf jeden Fall zeitnah in die Planungsphase gegangen werden”, betont er. Schließlich würde bei einem solchen Vorhaben immer einiges an Zeit vergehen, bis ein Neubau umgesetzt werden kann, zumal auch mögliche Förderungen genutzt werden sollen.

Meyer hofft nun, dass jemand den oder die Täter beim Tausch der Verkehrsschilder an der Brücke beobachtet hat und die Polizei entsprechende Hinweise erhält. Und was er noch sehr viel mehr hofft ist, dass sich der Schilderklau an der Brücke nach Hasenlohe nicht noch einmal wiederholt. „So etwas kann ganz schön schief gehen.”

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