Lara liebt den Duft von Borkenkäfern | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.04.2024 16:00

Lara liebt den Duft von Borkenkäfern

Käferspürhündin Lara hat einen Baum gefunden, der von Borkenkäfern befallen ist. Das zeigt sie an, indem sie ihre Vorderpfoten gegen den Stamm drückt. Für den Erfolg gibt es Leckerli von Frauchen Margarethe Schönleben-Leuprecht. (Foto: Peter Zumach)
Käferspürhündin Lara hat einen Baum gefunden, der von Borkenkäfern befallen ist. Das zeigt sie an, indem sie ihre Vorderpfoten gegen den Stamm drückt. Für den Erfolg gibt es Leckerli von Frauchen Margarethe Schönleben-Leuprecht. (Foto: Peter Zumach)
Käferspürhündin Lara hat einen Baum gefunden, der von Borkenkäfern befallen ist. Das zeigt sie an, indem sie ihre Vorderpfoten gegen den Stamm drückt. Für den Erfolg gibt es Leckerli von Frauchen Margarethe Schönleben-Leuprecht. (Foto: Peter Zumach)

Jetzt im April werden sie wieder aktiv in den heimischen Forsten: Buchdrucker und Kupferstecher schätzen Wärme und Trockenheit. Waldbesitzer fürchten indes diese Borkenkäfer. Und da kommt Lara ins Spiel: Der Bayerische Gebirgsschweißhund riecht die Schädlinge unter der Rinde von Bäumen, noch bevor das menschliche Auge den Befall erkennen kann.

„Lara braucht richtig Arbeit für ihren Kopf“, sagt Frauchen Margarethe Schönleben-Leuprecht. Allein als ihre Begleiterin bei der Jagd sei die zehnjährige Käferspürhündin nicht ausgelastet. Und das tut Lara während des Gesprächs bereits nach wenigen Minuten kund: Zunächst wird sie etwas unruhig an ihrer Schleppleine, dann gibt sie Laut.

Zur Belohnung gibt es Leckerli

Jetzt darf sie endlich los: „Heute Borki“, befiehlt das Frauchen halblaut und schon schnüffelt sich Lara zielstrebig durch den Wald bei Wehlmäusel, wo der Vorsitzende der Jägervereinigung Feuchtwangen, Manfred Hartnagel, sein Revier hat. Ein bisschen hin und her, aber ohne sich mehr als zehn bis 15 Meter vom Frauchen zu entfernen – schon hat die Hündin einen Käferbaum ausgemacht. Sie richtet sich auf und stellt ihre Vorderläufe an den Stamm der stattlichen Fichte. Damit zeigt Lara ihrer Halterin an, dass sie fündig geworden ist. Zur Belohnung gibt es denn auch reichlich Leckerli.

Bis Lara in der Lage war, Käfer unter der Rinde von Bäumen zu erkennen, hat sie eine intensive Ausbildung absolviert. Erst die für Gebrauchshunde und danach die für Jagdhunde, um Margarethe Schönleben-Leuprecht auf der Pirsch zu begleiten. Später folgte ein spezieller Lehrgang für die Suche nach Käfern in Österreich. Der dauerte zweimal eine Woche. Danach galt es aber noch, über ein Jahr lang reichlich zu üben, bis Lara endlich das regelmäßig aufzufrischende Zertifikat für Käferspürhunde erhielt.

Eine üble Plage in Oberbayern

Allerdings wurde sie damals noch nicht mit den Düften der in Franken verbreiteten Kupferstecher und Buchdrucker vertraut gemacht, sondern mit denen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB). Nachdem dieser in Paletten aus China eingeschleppt worden ist, hat er sich in Oberbayern – sowohl in Wäldern als auch in Parks und Privatgärten – bereits zur üblen Plage entwickelt, wie Schönleben-Leuprecht berichtet. Sie war dort früher selbst in einer ALB-Arbeitsgruppe für die Landesanstalt für Landwirtschaft aktiv.

Vor zwei Jahren zog die Hundeführerin dann nach Beyerberg, wo ihr Lebensgefährte Johann Fritz wohnt. Mit dessen Alpenländischer Dachsbracke Cosma versteht sich Lara blendend, wenngleich sie sich auch mit dem Herrchen gerne auf die Suche nach Käferbäumen begibt. Bis das allerdings hier möglich wurde, benötigte sie eine weitere Schulung. Bei der lernte Lara, auch die in Franken heimischen Borkenkäfer gezielt zu erschnuppern.

Bis zu 27 Düfte kann ein Hund erspüren

Bis zu 27 Düfte könne ein Hund insgesamt erspüren, weiß Frauchen Schönleben-Leuprecht. Egal ob Leichen, Drogen, Sprengstoff oder eben Käfer – die Ausbildung von Suchhunden verlaufe stets nach dem gleichen Muster.

Die mit der langen und sensiblen Nase aufgenommenen Geruchsstoffe erzeugten elektrische Impulse. Diese gelangten durch die Nerven zum Gehirn, das die Düfte voneinander unterscheide und den entsprechend konditionierten Spürhund erkennen lasse, was er seinem aktuellen Befehl entsprechend gerade zu suchen hat. So schnuppert Lara bei „Heute Borki“ nach Kupferstechern und Buchdruckern. Hingegen konzentriert sie sich bei „Heute ALB“ auf die Gerüche des Schädlings aus Asien.

Vierbeinerin mit besonderer Qualifikation

Im Übrigen ist Lara wohl der einzige Käferspürhund weit und breit in der Region: Weder ihr Frauchen noch Jägervereinigungsvorsitzender Hartnagel kennen weitere Vierbeiner mit dieser Qualifikation. Dabei sind Laras Künste bei Waldbesitzern im Landkreis Ansbach und darüber hinaus durchaus gefragt. Denn wenn Borkenkäfer einen Baum befallen haben, dann drängt die Zeit: Der Baum muss schleunigst gefällt und aus dem Wald gebracht werden, damit sich die Schädlinge möglichst nicht weiter verbreiten können.

Und da ist es hilfreich und gut, wenn Käferspürhündin Lara die Buchdrucker und Kupferstecher frühzeitig entdeckt.

Woher hat der Buchdrucker seinen Namen?

Ihr Unwesen treiben Borkenkäfer unter der Rinde der von ihnen befallenen Bäume. Hier hinterlassen die Schädlinge ihre typischen Spuren: Gut zu erkennen sind da gerade, mehrere Zentimeter lange Strukturen. In diesen Rammelkammern paaren sich die Käfer und legen darin ihre Eier ab. Wenn die Larven später geschlüpft sind, dann bohren sie von den langen Kammern weg jeweils eigene Kanäle.

Das so entstehende Muster unter der Borke habe die Altvorderen an die früher für den Buchdruck benötigten Bleiplatten erinnert, erzählt der Vorsitzende der Jägervereinigung Feuchtwangen, Manfred Hartnagel, beim Rundgang in seinem Revier bei Wehlmäusel. Deshalb hätten die Menschen den Käfer Buchdrucker genannt.

Gesunde Bäume könnten sich gegen den Käferbefall wehren, so Hartnagel weiter. Denn ihr Harz töte die Schädlinge ab. Doch wegen der zunehmenden Trockenheit produzierten die Bäume immer weniger Harz. Das lasse sie anfällig werden.

north