Ende November: Menschen stehen an der Franken-Therme in Bad Windsheim an. Die Schlange reicht fast bis zum Genusswerk. Ein Bild, das man so nur aus der Zeit zwischen den Jahren kennt. Für den Badetempel bedeutete das einen Rekord, für manche Badegäste Stress statt der erhofften Erholung.
50.260 Gäste haben die Bad Windsheimer Therme im November besucht. Von diesem historischen Ergebnis in der 20-jährigen Geschichte der Einrichtung hatte Irmi Jacob aus unserer Zeitung erfahren und wandte sich daraufhin an die Redaktion. Denn dieser Rekord habe aus ihrer Sicht einen faden Beigeschmack: Die tolle Zahl habe sich die Einrichtung „mit dem Schlemmerblock erkauft”, lautet der Vorwurf der Hohlacherin. Eine Werbemaßnahme der Einrichtung.
Irmi Jacob musste am 30. November selbst in der Schlange anstehen, um nach über einer Stunde Wartezeit in die Therme zu gelangen. Sie und ihr Mann wollten sich eine Auszeit vom Alltag gönnen, erholen und entspannen, erzählt sie. Mit anderen Wartenden sei sie ins Gespräch gekommen. Viele hatten Gutscheine in der Hand, aus dem besagten Gutscheinheft, das es für viele Regionen zu kaufen gibt. Einer bezahlt, einer bekommt freien Eintritt, so lautet das Angebot der Therme darin.
Das Problem, warum akut so viele Menschen mit dem Gutschein anstanden, sei laut Jacob die Ablauffrist des Gutscheins am 30. November gewesen. „Das ärgert einen dann schon”, wenn man sehe, wie viele da „reingestopft” werden. An der Kasse habe sie das Gefühl gehabt, dass „überhaupt nicht auf den Ansturm reagiert” wurde. Endlich drinnen hätten sie über eine halbe Stunde auf einen freien Schrank warten müssen, bis sie Kleidung und Wertsachen verstauen und in die Badehallen und in den Saunabereich gehen konnten.
Dort ist die Sachlage ähnlich – alles voll mit Menschen. Eine freie Liege habe sie in einem Ruheraum gerade noch so ergattert, doch die wurde, als sie diese kurz verlassen hatte „von rabiaten Badegästen einfach abgeräumt”. Sie erwarte schon, dass nur so viele Gäste reingelassen werden, wie es auch Liegen gebe, sagt Jacob, schließlich seien 72 Euro für zwei Personen nicht gerade wenig Eintritt. Auf den Gängen im Saunabereich sei es zugegangen „wie auf dem Weihnachtsmarkt”. An Ruhe sei bei diesem Stimmengewirr nicht zu denken gewesen.
Dasselbe Bild hat sich Margit Dietsch aus Lipprichhausen am 27. November geboten. Mit Mann und Tochter sei sie dort gewesen. Ihr Gatte – bis dato regelmäßiger Franken-Thermen-Saunagänger – mit VIP-Karte, sie und Tochter Franziska mit dem Schlemmerblock-Gutschein. Die Warteschlange habe sich da zwar nur auf die Eingangshalle beschränkt, allerdings sei es auch ein Vormittag und unter der Woche gewesen. Drinnen erging es ihnen wie den Jacobs. Es sei „utopisch” gewesen, eine Liege zu bekommen. Die Menschen seien sich gegenseitig auf die Füße getreten. Während ihr Mann die Saunen abgeklappert habe, um dort einen freien Platz zu ergattern, habe sie gerade noch eine freie Liege gefunden.
Ihre Tochter schaute sich in den Badehallen um. An Schwimmen sei dort überhaupt nicht zu denken gewesen, weshalb sie zurückkam. Die Familie habe daraufhin beschlossen, gemeinsam ins Restaurant zu gehen. Doch auch dort fand sich kein Platz. Nicht mal zehn Minuten später seien sie wieder bei der Liege gewesen, doch die war zwischenzeitlich von jemand anderem besetzt. Ihre Sachen lagen in einem Körbchen, erzählt Dietsch. Die Konsequenz: Die Familie brach den Thermenbesuch ab.
Geschäftsführer Oliver Fink hört nach eigener Aussage zum ersten Mal von diesen Beschwerden. Bei ihm sei nichts eingegangen und er versichert, dass jeder Beschwerde nachgegangen werde. Dass die Therme im besagten Schlemmerblock aufgeführt wird, bestätigt er und betont, dass dies eine „legitime Werbemaßnahme” sei. Immerhin handle es sich bei der Einrichtung ja auch um einen Wirtschaftsbetrieb, der Vermarktung benötigt.
„Einen Zusammenhang zwischen den Gutscheinen im Schlemmerblock und dem hohen Aufkommen im November kann ich nicht ausschließen”, sagt auch Sylvia Wilson, die Marketingleiterin. Zahlen wollen sie und Fink zwar nicht nennen, aber letzterer spricht von einem erhöhten Umsatz im Schlemmerblock-November 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023, in dem es die Aktion nicht gegeben habe. „2025 ist dieser noch einmal massiv gestiegen”. Thermenbesuche hängen allerdings immer auch mit dem Wetter zusammen, gibt Fink zu bedenken.
Die Wartezeiten am Eingang seien „nix Neues und nix Ungewöhnliches”. Zudem können Gäste sich vor dem Besuch den „Füllstand „ der Therme auf der Homepage ansehen, und sich überlegen, ob sie anreisen. Eingelassen würden maximal 1200 Besucherinnen und Besucher, denn nur so viele Schränke gebe es. Mehr könnten gar nicht reingelassen werden, da „sonst das System mit dem Bezahlarmband ja gar nicht funktioniert”, erklärt Fink. Und dass jeder Gast einen Anspruch auf eine Liege hat, diesem Anspruch könne man nicht gerecht werden. Das sei aber auch in der Badeordnung festgehalten, die jeder Gast lesen könne.
Fink ist übrigens nur noch bis zum 31. Dezember Geschäftsführer der Franken-Therme. Er hat gekündigt und übergangsweise so lange übernommen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Laut Informationen unserer Redaktion übernimmt ab Januar 2026 Benjamin Woodcock die Geschäftsführung. Dieser hatte zuletzt die Bali-Therme in Bad Oeynhausen geführt. Der Aufsichtsrat der Therme hat der Personalie bereits zugestimmt, Donnerstagabend entscheidet der Stadtrat.