Von einer Katastrophe will der Ansbacher Kreisobmann Reinhold Meyer vom Bayerischen Bauernverband (BBV) noch nicht sprechen, aber die Verluste durch die Trockenheit und Hitze sind inzwischen enorm. Noch in dieser Woche dürften die ersten notreif gewordenen Wintergerstenfelder gedroschen werden.
Am gravierendsten wird vom BBV-Vorstand im Landkreis Ansbach inzwischen die sich anbahnende Futternot für die Rinderhalter angesehen. Erste Betriebe hätten bereits zehn Prozent ihrer Tiere verkauft, um den Bestand über den Winter zu bringen. Außerdem werde damit gerechnet, dass die Preise für Schlachtvieh sinken werden.
Das jährliche Pressegespräch des BBV zur Vorschau auf die heranwachsende Ernte fand diesmal auf dem Hof von Thomas Ziegelmeier in Diederstetten bei Mönchsroth statt. Anders als in vorangegangenen Trockensommern hat es diesmal auch im südlichen Landkreis und dem Hesselbergraum zu wenig geregnet.
Lediglich der östliche Teil um Neuendettelsau und eng begrenzt einzelne Orte haben nennenswerte Gewitterregen bekommen. Doch weithin hat es seit dem 11. Mai kaum mehr Niederschläge gegeben.
Beim Silomais werde mit ganz erheblichen Ertragsausfällen gerechnet, selbst wenn er auf manchen Flächen gut dasteht, hieß es. Auf schweren Böden konnte wegen der Frühjahrsnässe erst spät gesät werden und immer wieder sind Schläge zu sehen, wo der Mais kaum aufgelaufen ist und vielerorts noch einmal gesät wurde.
Die aktuellen Wetterprognosen geben keine Aussicht auf Niederschläge und die Nachsaaten dürften kaum noch akzeptable Maisbestände werfen, so die stellvertretenden Kreisobmänner Fritz Hein (Hainklingen) und Markus Förster (Dornhausen).
Dieter Proff vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach machte beim Wintergetreide auf ein besonderes Phänomen aufmerksam. Wegen der Frühjahrsniederschläge, die insgesamt sehr positiv gesehen wurden, hätten Weizen, Roggen und Triticale nur wenige Wurzeln ausgebildet, die jetzt nicht ausreichen.
Da hier keine hohen Erträge erwartet werden, ebenso wie es beim Mais der Fall ist, haben deshalb viele Landwirte Getreidefelder gehäckselt und als Ganzpflanzenmischung (GPS) siliert.
Thomas Ziegelmeier baut Hafer für Pferdehalter in der Nachbarschaft an. Der Zustand, in dem sich dieser befände, bestätige das alte Sprichwort, dass diese Getreideart viel Wasser braucht. Es besagt, dass es keinen Hafer gäbe, wenn kein verregnetes Heu auffindbar ist.
Landwirte, die auf schweren Böden daheim sind, hätten auch die Beobachtung gemacht, dass frühere Generationen mit ihren Erfahrungen, den Pflug als entscheidendes Instrument des Ackerbaus anzusehen, richtig lagen. Denn es habe sich gezeigt, dass die Maisbestände überall da relativ gut dastehen, wo früh im Winter gepflügt wurde. Mulchsaaten hingegen sähen nicht gut aus. Somit zeige sich, dass, wie in jüngerer Zeit häufig empfohlen, das Einbringen von Mulchsaaten in einen Bestand von Zwischenfrüchten nicht nur Vorteile hat – auch wenn dadurch Erosionen des Erdreichs vermieden werden könnten.
Kreisobmann Reinhold Meyer befürchte, dass in Folge der Trockenheit noch mehr Betriebe die Viehhaltung aufgeben könnten. Für viele bleibe nun die Hoffnung, dass gesäte Zwischenfruchtpflanzen einen Teil der Futterlücken schließen könnten – wie es auch im Vorjahr passierte.
Reinhold Meyer und Fritz Hein hoffen, dass sich Bundesernährungsminister Cem Özdemir angesichts der Ertragsausfälle beim deutschen Bauerntag doch noch umstimmen lässt. Ab dem Herbst plant der Minister nämlich, vier Prozent der Ackerflächen verpflichtend stillzulegen.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig betonte, dass er nun schon zum fünften Male erlebe, dass die Natur unter zu wenig Regen leidet und er erfahren muss, welche negativen Auswirkungen dies auf die Viehhaltung hat. Für ihn sei es wichtig, sich über die Situation kundig zu machen und an den Vorschauen auf die Ernte teilzunehmen – besonders, da die Masse der Verbraucher angesichts voller Regale davon nichts mitbekomme.