In das laufende Jahr geht der Verein Rauhreif mit einem Defizit von rund 30.000 Euro, das wurde bei der Jahresversammlung klar. Grund sind Personalkosten, von denen aktuell unklar ist, wer sie übernimmt. Beim Treffen hat sich außerdem der alte Vorstand geschlossen zur Wiederwahl gestellt.
In Zeiten, in denen es schwierig ist, wahrgenommen zu werden und engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden, freute sich Dr. Eckhard Göritz, Vorsitzender des Vereins Rauhreifs im Nachgang der Jahreshauptversammlung darüber, dass sich der alte Vorstand erneut zur Wahl gestellt hat und von den Mitgliedern einstimmig wiedergewählt wurde. Bis 2028 im Amt sind nun: Dr. Eckhard Göritz als erster Vorsitzender, Marion Binder als zweite Vorsitzende, Angela Büchner (Schatzmeisterin), Dieter Stockert (Schriftführer) sowie Kathrin Pollack, Manfred Riedel und Dietlind Werner-Wicke als Beisitzende.
Der Verein, der seit 1993 besteht, unterstützt und berät Menschen in der Region, die sexualisierte Gewalt erleben oder erlebt haben. Außerdem bietet er Vorträge, Seminare und Workshops zur Prävention an. Groß in der Öffentlichkeit stand Rauhreif im Herbst 2025. Hier veranstaltete das Polizeiorchester Bayern im Onoldiasaal in Ansbach ein Benefizkonzert zugunsten der Institution. Rund 8000 Euro sind so für Rauhreif zusammengekommen. „Es war gut und wichtig für uns, dass wir durch das Konzert gesehen wurden”, sagt der Vorsitzende Göritz.
Das Jahr 2025 hat Rauhreif mit einem Plus von 20.000 Euro abgeschlossen. 153 Anfragen nach Beratungen sind eingegangen. Kontaktaufnahmen um persönliche, telefonische oder eine Online-Beratung zu erhalten, gab es 428 Mal. Im laufenden Jahr 2026 sind bereits 41 neue Bitten um Beratungen hinzugekommen. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Beratungsbedarf um 25 Prozent gestiegen, fasst Eckhard Göritz zusammen. Hilfe suchen unter anderem Personen, die sexualisierte oder körperliche Gewalt oder auch üble Nachrede erfahren haben.
Im Bereich Prävention haben 30 Veranstaltungen stattgefunden. Die Mitarbeitenden werden häufig von Schulen angefragt. 2025 seien so mit Workshops und Schulungen 315 Kinder und 92 Jugendliche erreicht worden. Inzwischen wenden sich auch vermehrt Firmen an den Verein, zum Beispiel um Vorträge zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz oder Beratungen bei der Entwicklung von Schutzkonzepten zu erhalten. Insgesamt hat der Verein im Jahr 2025 mit seinen Angeboten zur Prävention 201 Erwachsene erreicht.
Aufgrund der gestiegenen Nachfrage in diesem Bereich hat Rauhreif zusätzlich zu einer festangestellten und vier ehrenamtlichen Mitarbeitenden eine weitere Mitarbeiterin eingestellt. Die neue Personalstelle wird Rauhreif zunächst aus eigenen Rücklagen finanzieren. Wegen des Gewalthilfegesetzes gibt es jedoch Unklarheiten bezüglich der Finanzierung.
Das Gesetz, das den Zugang zu Schutz- und Beratungsangeboten bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt sicherstellen soll, wurde im Februar 2025 bundesweit beschlossen. Seitdem haben alle Bundesländer die Aufgabe, Bestand und Bedarf festzustellen und Maßnahmen für die Umsetzung des Bundesgesetzes festzulegen.
Das Problem ist laut Vorstand Eckhard Göritz: „Es gibt noch keine Ausführungsbestimmungen. Wir wissen nicht, wie viel von den angekündigten Mitteln unserem Verein zustehen.” Aufgrund dieser Unsicherheiten ist die neue Personalstelle zunächst auf zwei Jahre befristet und wird von den Rücklagen des Vereins finanziert. Unter anderem dadurch entstehe bei Rauhreif für das laufende Jahr ein Defizit von 30.000 Euro. Nur übergangsweise, bis das Gewalthilfehgesetz einen konkreten Rahmen hat, hoffen die Verantwortlichen.
Auch ist man bei Rauhreif besorgt, dass durch die versprochenen Bundesmittel freiwillige Leistungen der Städte und Kommunen wegfallen könnten. Diese seien für den Verein jedoch essenziell, um seine Zielgruppen weiterhin unterstützen zu können.