Landgerichtsbezirk Ansbach: Projekt hat Ratschläge für Väter in Haft | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.12.2024 15:00

Landgerichtsbezirk Ansbach: Projekt hat Ratschläge für Väter in Haft

Jasmin Dürner (links) und Svenja Memet vom Verein Straffälligenhilfe-Netzwerk im Landgerichtsbezirk Ansbach sind die Ansprechpartnerinnen des Vater-Kind-Projekts. (Foto: Luca Paul)
Jasmin Dürner (links) und Svenja Memet vom Verein Straffälligenhilfe-Netzwerk im Landgerichtsbezirk Ansbach sind die Ansprechpartnerinnen des Vater-Kind-Projekts. (Foto: Luca Paul)
Jasmin Dürner (links) und Svenja Memet vom Verein Straffälligenhilfe-Netzwerk im Landgerichtsbezirk Ansbach sind die Ansprechpartnerinnen des Vater-Kind-Projekts. (Foto: Luca Paul)

Wenn straffällige Väter in Gefangenschaft kommen, ist das meist für die gesamte Familie nicht leicht – ein Kontaktabbruch ist oft die Folge. Um Inhaftierte dabei zu unterstützten, die Beziehung zu ihrem Kind aufrecht zu erhalten und trotz der Hürden zu stärken, setzt sich der Verein Straffälligenhilfe- Netzwerk im Landgerichtsbezirk Ansbach ein.

Bereits zum dritten Mal sind Jasmin Dürner und Svenja Memet von der Straffälligenhilfe für das neue Vater-Kind-Projekt in die Justizvollzugsanstalt Lichtenau gefahren. „Das war richtig schön heute“, sagt Dürner im Gespräch mit der Redaktion. Passend zur Vorweihnachtszeit hatten die Gefangenen bei dem Gruppenkurs die Möglichkeit, Origami-Sterne zu basteln, als Geschenk für ihr Kind. Egal, ob es noch im Kindergartenalter oder bereits erwachsen ist: „Dann wissen die Kinder, dass ihr Vater an sie denkt“, sagt Dürner. Die Aktion wurde gut angenommen, erzählt sie.

Erfahrungen machen Mut

„Sie wollen Kontakt zu ihren Kindern haben“, sagt Memet. Das kristallisiert sich in der Vätergruppe deutlich heraus. Es ist eine offene Gruppe – derzeit bestehend aus vier Männern. Demnach kann jeder, der Interesse und ein Kind hat, daran teilnehmen. Die Kurse helfen ihnen dabei, aus der Haft heraus Einfluss auf die Erziehung zu nehmen und ihrer Rolle als Elternteil gerecht zu werden. Die Mitarbeiterinnen des Vereins dienen als Stütze, um Kommunikationsbarrieren zu überwinden, beispielsweise die Hemmschwelle vor dem Jugendamt zu nehmen. Aber vor allem, um „die wenige Zeit mit den knappen Ressourcen die man hat, so wertvoll wie möglich zu gestalten“, sagt Memet.

Das Tolle an der Gruppe ist nach den Worten von Jasmin Dürner, dass sich die Gefangenen gegenseitig helfen, ihre Erfahrungen teilen können. Zu sehen, dass es ein anderer Papa auch geschafft hat, einen guten Kontakt zum Kind und womöglich der Mutter herzustellen, macht Mut, so Gabriele Hofmeier, Landgerichtspräsidentin und Vorsitzende des Vereins. Und „dieses Mutmachen ist ein ganz großer Aspekt dabei, dran zu bleiben“, sagt Memet.

Kontakt hauptsächlich über Briefe

Seit knapp zwei Monaten ist das Projekt im Gange. Einmal alle drei Wochen findet der Kurs statt. Der Zeitraum ist bewusst mit einem größeren Abstand gewählt, damit die Inhaftierten Zeit haben, zu handeln. Zeit, um einen Brief an ihr Kind zu schicken und womöglich auch schon eine Antwort zu bekommen. Vorgefertigte Briefsätze, die kindgerecht gestaltet sind, sollen den Vätern dabei helfen. Auch geben die Mitarbeiterinnen Ratschläge, auf was sich die Väter in ihren Texten beziehen könnten.

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„Tatsächlich sind wir ziemlich auf die briefliche Korrespondenz reduziert“, so Memet. Normale Telefonanrufe gibt es und Skype-Anrufe seit der Pandemie auch, doch diese sind zeitlich beschränkt. Zusätzliche Besuchskontakte nur mit den Kindern seien dem Verein ein Anliegen. Jedoch müssen hierfür einige Vorgaben beachtet werden.

Resozialisierung wird vereinfacht

„Tatsächlich war es die JVA, die auf uns zugegangen ist“, sagt Memet. Diese habe den Bedarf ebenfalls gesehen. Das Projekt sei vorerst für ein Jahr angedacht. Für die Resozialisierung, das Ankommen in der Familie nach der Haft ist das Vater-Kind-Projekt eine „wertvolle Einstiegshilfe“, sagt Hofmeier. Vor allem aber profitieren die Kinder davon: Sie „so in den Fokus zu rücken, kam erst in den letzten Jahren“. Der Verein schließt es nicht aus, das Projekt in Zukunft auch in weiteren Gefängnissen in Stadt und Landkreis anzubieten. Pläne gibt es aber noch nicht.

Weil das Straffälligenhilfe-Netzwerk immer größer wird, ist er kürzlich in neue Räumlichkeiten umgezogen. Zwar bleibt die Adresse gleich, doch nun sitzt das Netzwerk nicht mehr im Erdgeschoss, sondern im ersten Stock. „Es war sehr beengt“, sagt Memet über die alten Büros und Beratungsräume. Trotz des Wachstums freut sich der Verein über weitere Mitglieder und Spenden. Eine Mitgliedschaft könne viel bewirken, so Hofmeier.


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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