Landespolitiker mit Hang zur Praxis | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.09.2023 18:00

Landespolitiker mit Hang zur Praxis

Andreas Schalk kämpft erneut um das Direktmandat, will sich aber auch in der Stadtratsarbeit weiter einbringen. (Foto: Jim Albright)
Andreas Schalk kämpft erneut um das Direktmandat, will sich aber auch in der Stadtratsarbeit weiter einbringen. (Foto: Jim Albright)
Andreas Schalk kämpft erneut um das Direktmandat, will sich aber auch in der Stadtratsarbeit weiter einbringen. (Foto: Jim Albright)

Andreas Schalk war schon als Schüler politisch interessiert, zu Beginn allerdings ohne Bindung an eine Partei, aber mit einer „Grundsympathie in eine bürgerlich-konservative Richtung“, erzählt er beim Interview.

Ein Musterschüler war Schalk nicht, bekennt er freimütig. Andere Dinge interessierten ihn damals mehr, aber an die lebhaften Diskussionen zu aktuellen Themen im Leistungskurs Wirtschaft/Recht am Platen-Gymnasium denkt er gern zurück. Auch nach den Studienzeiten an der Berufsakademie und an der Uni in Bamberg sei er froh gewesen, „in die Praxis zu dürfen“, sagt der CSU-Landtagsabgeordnete.

Langsam wuchs das Engagement und im Studium kam irgendwann der Punkt, an dem er sich entschied, verstärkt einzusteigen. Zunächst liebäugelte er auch mit der FDP, aber „am Ende des Tages“ ging es in Richtung Junge Union, die er in Ansbach mit einigen Gesinnungsfreunden wieder stärker aktivierte.

Duales Studium als lebensnahe Form

Das duale Studium an der Berufsakademie, der heutigen Dualen Hochschule Baden-Württemberg, mit drei Monaten Theorie und drei Monaten Praxis im Wechsel fand er schon damals interessant. Den Praxisteil absolvierte er im elterlichen Autohaus. Schalk hat es „bis heute auf seiner politischen Agenda“, diese praxis- und lebensnahe Form des dualen Studiums „auch in Bayern hinzubekommen“.

Um den theoretischen Unterbau seiner wirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen, erwarb er einen Mastertitel an der Uni Bamberg. Nach diesem Studium ging Andreas Schalk ins Steuerfach und war in einer mittelständischen Kanzlei sowie für eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. „Das war eine spannende Zeit“, blickt er zurück.

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2014 entschied er sich „nach sehr langem Überlegen“ dennoch, zurück in den Familienbetrieb zu gehen, nicht zuletzt aus emotionaler Verbundenheit. „Ich bin da aufgewachsen und als Kind rumgestolpert.“ In der gleichen Phase kandidierte er 2013 zum ersten Mal auf der Liste für den Landtag.

Über die Liste führt bei der CSU nur selten ein Weg in den Landtag, weil die Partei meist fast alle Direktmandate gewinnt. Schalk schaffte es aber, erster Nachrücker zu werden, also „immer einen Herzschlag vom Landtag entfernt“.

Mit spürbarer Begeisterung erzählt er von dem Tag, an dem er erfuhr, dass er Abgeordneter wird. Er war mit der Jungen Union in Berlin. Ein Bekannter rief ihn an, erzählte ihm vom Rücktritt eines anderen Parlamentariers und gratulierte ihm zum Einzug in den Landtag. „Das war vor der Botschaft der Republik Mozambique, das weiß ich noch“, erzählt er schmunzelnd. „Auf der Heimfahrt hab ich den ersten und einzigen Punkt meines Lebens kassiert, weil ich in einer Baustelle ein bisschen zu schnell war.“

Bei der Wahl 2018 nominierten ihn die Kreisverbände Ansbach Stadt und Land als Direktkandidaten. Die Wähler bestätigten dies, wenn auch mit einem für CSU-Verhältnisse schlechten Erststimmenergebnis von 33,9 Prozent.

Im Landtag sitzt er heute im Wissenschafts- und Sozialausschuss. Der Wirtschaftsausschuss, auf den er ein Auge geworfen hatte, war schon von erfahreneren Abgeordneten belegt – aber nach der Wahl will der 39-Jährige erneut prüfen, ob sich eine Gelegenheit ergibt, dort mitzuarbeiten.

Menschliche Schicksale kommen zur Sprache

Der Wissenschaftsausschuss liegt ihm unter anderem wegen der Entwicklung der Hochschule Ansbach am Herzen, aber auch wegen des Denkmalschutzes, der dort behandelt wird. Den Sozialausschuss hält er auch aus mittelständischer Perspektive für interessant. Da geht es unter anderem um arbeitsrechtliche Fragen und Themen wie den Ladenschluss. Über Petitionen kommen dort viele menschliche Schicksale zur Sprache: „Das hat mich innerlich schon sehr beschäftigt“.

Und hat er noch weitere Ambitionen? Die Antwort fällt nachdenklich aus. Er würde seine Arbeit gern weiter machen, „aber wenn einem Fußballer gesagt wird, dass er in der Nationalmannschaft spielen darf, wird er immer sagen: Ja, toll“. Allerdings glaubt Schalk momentan auch nicht an höhere Aufgaben, weil in Mittelfranken Schwergewichte wie der Ministerpräsident und der Innenminister zuhause sind und der Regionalproporz im Kabinett gewahrt werden muss.

Auch künftig sind ihm die Stimmkreis- und die Stadtratsarbeit wichtig, um aktuelle Themen mitzubekommen. Dafür nimmt er auch das „Hin- und Hergefahre“ in Kauf.

„Ich glaube, dass wir ein sehr gutes System haben“, meint er zur Bildungspolitik. Durch die verbesserte Durchlässigkeit habe man die Möglichkeit, „zu jedem Abschluss einen Anschluss“ zu finden. Die Mittelschule habe man zu einer weiterführenden Schule „mit hervorragenden beruflichen Perspektiven“ entwickelt. Großes Thema sei jetzt die Sicherstellung der Lehrerversorgung.

„Bayern ist das sicherste Bundesland, wir haben die höchsten Aufklärungsquote“, antwortet Schalk auf die Frage nach der Inneren Sicherheit. Eine Besonderheit hier sei, dass die Politik, „zumindest die Mehrheit“, hinter der Polizei steht. Neue Herausforderungen seien die Cyberkriminalität und die Präsenz in allen Bereichen – gerade in Großstädten.

Beim Klimaschutz setzt er auf den Umgang mit Ressourcen vor Ort, zum Beispiel beim Recycling. Sich selbst „ein gutes Zeugnis ausstellen und alles, was Dreck macht, ins Ausland verlagern“, will er hingegen nicht. Das gleiche gelte, wenn energieintensive Betriebe ins Ausland gedrängt werden, „wo die Produkte zu deutlich schlechteren Konditionen hergestellt werden. Wir müssen aufpassen, dass es nicht doppelzüngig wird und wir uns die deutsche Welt schönrechnen.“

Bei der Energieerzeugung müsse man „alles nutzen, was möglich ist“. Er habe nicht verstanden, warum man jetzt „Kernkraftwerke abschaltet und durch Kohlekraftwerke ersetzt“. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei entscheidend, dass die Netze den Strom auch aufnehmen können.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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