Landesausstellung 2028 in Rothenburg: Doch die Finanzierung wirft Fragen auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.09.2024 06:00

Landesausstellung 2028 in Rothenburg: Doch die Finanzierung wirft Fragen auf

Im Jahr 2022 war die Bayerische Landesausstellung unter dem Motto „Typisch Franken“ in Ansbach zu sehen. (Archivfoto: Jim Albright)
Im Jahr 2022 war die Bayerische Landesausstellung unter dem Motto „Typisch Franken“ in Ansbach zu sehen. (Archivfoto: Jim Albright)
Im Jahr 2022 war die Bayerische Landesausstellung unter dem Motto „Typisch Franken“ in Ansbach zu sehen. (Archivfoto: Jim Albright)

Im Jahr 1987 war die Bayerische Landesausstellung zuletzt in Rothenburg zu Gast. 2028 wird es wieder soweit sein. Mit dem Thema „Kinder in Mittelalter und Früher Neuzeit“ soll sie von Mai bis Anfang November in die Reichsstadthalle einziehen. Der Stadtrat gab in seiner Sitzung grünes Licht – allerdings nicht ohne Bedenken.

Die Bemühungen um die Ausstellung laufen schon eine ganze Zeit: Bereits 2020 hatte der Tourismus Service den Kontakt zum Haus der Bayerischen Geschichte gesucht, um Chancen für eine Bayerische Landesausstellung auszuloten, informierte Oberbürgermeister Dr. Markus Naser in der Sitzung.

Die Stadt sei „prädestiniert für das Thema“. In der Bewerbung für die Ausstellung wird unter anderem der Meistertrunk genannt, in dem die „Gnadenblägerle“ an der Seite der Bürgerfrauen eine Schlüsselrolle spielen. Beim Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst stieß das auf positive Resonanz.

Bedenken hinsichtlich der Finanzierung

Jetzt ging es für den Stadtrat darum, seine Zustimmung zum Vertragsschluss zu geben. Im Gremium allerdings prallten zwei gegensätzliche Positionen aufeinander: CSU, UR und FRV waren der Meinung, dass die Stadt diese Chance auf jeden Fall nutzen sollte. SPD und Grüne hingegen befürchteten – auch wenn sie dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüberstanden – viele Unwägbarkeiten, insbesondere bei der Finanzierung.

Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler hatte im Vorfeld der Sitzung umfassende Informationen dazu geliefert. Weil die Reichsstadthalle flächenmäßig nicht ausreicht, muss angebaut werden: Für rund 321.300 Euro könnte ein temporärer Zeltanbau realisiert werden. 300.000 Euro rechnete Christöphler für zusätzliches Personal mit ein, rund 183.000 Euro für Sicherheit, Reinigung und das Begleitprogramm.

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Die Gesamtkosten: 804.300 Euro. Rechnet man die „realistisch veranschlagten Einnahmen“ von 384.000 Euro gegen, bleibt ein Defizit von rund 420.000 Euro. Das RothenburgMuseum soll während der Ausstellungsphase geschlossen bleiben, die Tourist-Information in die Reichsstadthalle umziehen. „Wir rechnen mit mindestens 120.000 Besucherinnen und Besuchern“, ergänzte der OB in der Sitzung. Das schätze er bei rund zwei Millionen Tagesgästen pro Jahr als realistisch ein. Außerdem hoffe er, dass beispielsweise beim Zeltanbau Kosten eingespart werden könnten. Dennoch gab er zu: „Es ist ein gewisses finanzielles Risiko“. Angesichts des zu erwartenden Renommees jedoch „in kleinem Rahmen“.

Wunsch nach Querfinanzierung

Dr. Dr. Günther Strobl (SPD-Fraktionsvorsitzender) sah das anders. Er begrüße zwar das Vorhaben, halte die Zahlen allerdings für schöngerechnet. Die erwartete Besucherzahl finde er „überzogen“, außerdem fehlen seiner Ansicht nach einige Kosten, beispielsweise für den geplanten Staatsempfang mit rund 1000 Gästen. Er wünsche sich eine Querfinanzierung.

Stefan Stiegele (Grüne) fragte ebenfalls in die Runde: „Die Ausstellung ist toll. Aber können wir uns das leisten?“ Auch er zweifelte an der prognostizierten Besucherzahl. Die 420.000 Euro Verlust kämen zu den ohnehin defizitären Einrichtungen der Stadt noch hinzu. 2028 sei ein neu gewählter Stadtrat zuständig, „der muss das dann tragen“.

Verschiedene Unwägbarkeiten sah auch Michael Benz (SPD): Wird die Sanierung der Reichsstadthalle rechtzeitig abgeschlossen sein? Ist das vorgesehene Rahmenprogramm zu stemmen? Stefan Reihs verwies zudem auf Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen in der Halle.

Chance nicht entgehen lassen

Susanne Landgraf (UR) hielt dagegen: „Diese Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen.“ Die 420.000 Euro könnten durch die erhöhte Wertschöpfung aufgefangen werden. Ihre Fraktion halte 120.000 Besucher für „absolut realistisch“. Sie regte an, Sponsoren und Stiftungsgelder einzuwerben.

Begeistert äußerte sich auch Dr. Wolfgang Scheurer, Fraktionsvorsitzender der CSU. „Das ist eine supertolle Sache, die auf Rothenburg passt wie die Faust aufs Auge“. Er rechne mit einem deutlichen Imagegewinn für die Stadt. Jutta Striffler stimmte für die FRV-Fraktion mit ein: „Diese Chance sollten wir ergreifen.“

Die unterschiedlichen Ansichten spiegelten sich letztendlich auch im Abstimmungsergebnis wider: Bei acht Gegenstimmen aus den Fraktionen SPD und Grüne und mit 16 Ja-Stimmen votierte der Stadtrat für den Vertragsschluss mit dem Haus der Bayerischen Geschichte.

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