Kuriose Retro-Sammlung in Kirchrimbach: Er hat eine ganze Scheune voller Flipper | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2026 15:00

Kuriose Retro-Sammlung in Kirchrimbach: Er hat eine ganze Scheune voller Flipper

Peter Steiner liebt es, kaputte Flipper zu reparieren, Tochter Mona schaut dem Papa gerne über die Schulter.  (Foto: Nicole Gunkel)
Peter Steiner liebt es, kaputte Flipper zu reparieren, Tochter Mona schaut dem Papa gerne über die Schulter. (Foto: Nicole Gunkel)
Peter Steiner liebt es, kaputte Flipper zu reparieren, Tochter Mona schaut dem Papa gerne über die Schulter. (Foto: Nicole Gunkel)

Im ersten Stock der Scheune in Kirchrimbach blinkt es, wohin das Auge reicht. Hier und da ertönt eine Filmmelodie aus den knallbunten Automaten, die nur darauf warten, gespielt zu werden. Die Flipperscheune ist ein wahres Paradies für Nostalgiker.

Laut Excel-Liste besitzt Peter Steiner rund 145 Flipperautomaten. Viele sind noch eingelagert. Sie warten nur darauf, repariert zu werden. Rund 50 davon hat er in seiner Flipperscheune aufgestellt. Blitzblank poliert. Seit dem vergangenen Jahr macht er seine Sammlung auf Anfrage auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Gerade rechtzeitig, denn laut Steiner erleben die Flipperautomaten gerade einen neuen Trend, die Zahl der Hersteller steigt wieder.

Beim Flippern geht es darum, eine Metallkugel an Hindernissen vorbei in Ziele zu katapultieren und dabei Punkte zu sammeln. Nicht nur Retrospiel-Liebhaber, die sich gerne an Zeiten zurückerinnern, als die Flipperautomaten noch in vielen Kneipen zu finden waren, haben das Geschicklichkeitsspiel wieder für sich entdeckt. Geburtstagsgruppen, Ausflügler und sogar einen Vespa-Club hatte Steiner 2025 zu Gast in seiner Scheune. Alle hatten nach seinen Angaben viel Spaß an den Automaten.

Keine Gebühren, dafür eine Spendenbox

Zwischen zehn und 50 Pfennige kostete früher ein Spiel. Geld müssen die Besucherinnen und Besucher bei ihm in Kirchrimbach nicht einwerfen. „Alle sind auf Freispiel gestellt“, erklärt der 57-Jährige. Gern darf etwas in eine Spendenbox für die Stromkosten geworfen werden. „Wenn alle 50 Automaten laufen, wird es hier schon ein bis zwei Grad wärmer.”

Vor 24 Jahren hat Peter Steiner den Hof in Kirchrimbach gekauft. Weil er Platz in seiner Scheune hatte, sprach ihn eine Kleinanzeige an, in der ein Flipperautomat verkauft worden war. Ein „Grand Lizard”, um genau zu sein. Den gelernten Elektriker und studierten Feinwerktechniker reizte es, das Gerät zu reparieren. Die Community im Flipperforum warnte ihn allerdings, dass Flipper „Herdentiere” seien. Und sie sollte recht behalten. „Flippern ist eine Sucht und natürlich suche ich weitere Schätzchen, auch wenn der Platz schon beengt ist. Irgendwo passt immer noch einer hin”, sagt Steiner.

Seit rund 20 Jahren fährt er durch ganz Deutschland, holt Flipper aus Kellern, Scheunen und manchmal sogar aus dem achten Stock eines Hochhauses. Seine Frau begleitet ihn oft auf seinen Raubzügen und scheut auch nicht davor zurück, im ungeheizten Gästezimmer eines Flippermuseums in der Nähe von Wien zu übernachten. Auch Tochter Mona hat er infiziert. Die 16-Jährige schaut ihrem Papa auch beim Reparieren über die Schulter. Der 14-jährige Tom setzt sich noch lieber selbst an die Automaten und testet sein Geschick.

Ältestes Exemplar aus dem Jahr 1937

Peter Steiners ältester Flipper stammt aus dem Jahr 1937 und ist so eine Art Urform der späteren Geräte. Zu jedem Automaten seiner Sammlung kann Steiner eine ganze Geschichte erzählen. Manche sind unglaublich. So hat er mit 18 Jahren – also noch lange, bevor ihn das Flippervirus erfasst hat – auf einem Sperrmüllhaufen in Neustadt einen Flipper mit dem Motiv der Musik-Gruppe „KISS” entdeckt. Der Besitzer gab ihm die Erlaubnis, das Gerät mitzunehmen. Doch er passte nicht in sein Auto und der Sperrmüllwagen rollte schon an. Es gelang ihm gerade noch, die Scheibe mit dem „KISS”-Motiv und ein paar Knöpfe abzumontieren. Dann musste er zusehen, wie der Automat in der Schrottpresse zerdrückt wurde.

40 Jahre lang hat Steiner jene Scheibe bei jedem Wohnungsumzug mitgenommen. Bis ihm im vergangenen Jahr ein Anrufer einen Flipperautomaten anbot. Einen „KISS”-Flipper. Allerdings fehle die Scheibe, so der Anrufer. „Kein Problem”, sagte Steiner und wollte sein Glück selbst kaum glauben. Die Puzzlestücke hatten wie von selbst zueinander gefunden.

Das Universum ist ihm gnädig

Ähnlich war es bei einem „Iron-Maiden”-Flipper, einem Eigenumbau und Einzelstück, den er als Fan der Metalband unbedingt wollte. Doch leider verpasste er die Versteigerung im Internet. 15 Jahre später ging ihm jedoch genau dieser Flipper wieder durch den Kopf. Gerade als er im Forum auf die Suche gehen wollte, bekam er einen Anruf. Jemand bot ihm exakt jenes Model an. Das Universum ist dem Flipperliebhaber offenbar gnädig.

Längst hat sich Steiner nicht nur eine unfassbar große Sammlung, sondern auch ein Netzwerk aufgebaut, das bis nach China reicht. Dort hat er jemanden gefunden, der ihm Leitplatten baut. Im Flipperforum findet er auch Unterstützung von Gleichgesinnten, mit Hilfe von Fotos tauscht man sich stundenlang in Fachgesprächen über Bauteile aus. Steiner liebt zwar auch das Spiel, doch sein eigentliches Hobby sei es viel mehr, kaputte Flipper wieder zum Leben zu erwecken.

Die Flipperscheune im Winterschlaf

Gibt es noch einen Sehnsuchtsflipper, den er unbedingt haben will? „Nein”, sagt Steiner. Er hat alles, was er sich vorstellen kann. Auf der Beliebtheitsliste der Sammler steht unter anderem eine „Adams-Family”-Variante ganz oben, die Steiner natürlich auch sein Eigen nennt. Daneben sind auch so manche nostalgische Videospiele, eine Autorennbahn und ein Schießautomat in der Sammlung zu finden. Die schweren Gerätschaften werden mittels Hebetechnik in den ersten Stock manövriert.

Gerade sind alle Geräte im Winterschlaf mit Decken vor Staub geschützt. Sobald es wieder über zehn Grad Celsius im Dachgeschoss hat, wird Steiner seine Flipperscheune wieder öffnen. Über Newsletter und WhatsApp informiert er seine Flipperfans über Öffnungstage. Kontakt erhalten Interessierte online unter www.flipperscheune.de.

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