Regisseur Lennart Matthiesen bringt mit „Sherlock Holmes – Ein Skandal“ eine selbst geschriebene Krimikomödie auf die Bühne der Kreuzgangspiele. Die bestehende Geschichte will er mit klassischer Krimispannung, mit Humor und modernen Zwischentönen weiterführen. „Eine Krimikomödie, in der es tragisch, aber auch dramatisch wird“, beschreibt er selbst seine Inszenierung.
Für Matthiesen war klar: Wenn Sherlock Holmes auf die Bühne kommt, dann darf es an Action nicht fehlen – und schon gar nicht an dem typischen trockenen Humor der Figur. Als langjähriger Fan hat er sich intensiv mit dem Meisterdetektiv auseinandergesetzt, sei es in Literatur, Serien, Filmen oder Videospielen. „Zunächst suchte ich meine eigene Geschichte in den vielen Sherlock-Holmes-Kurzgeschichten“, sagt er rückblickend.
Die Wahl fiel schließlich auf „Ein Skandal in Böhmen“, jene berühmte Erzählung, in der Sherlock Holmes auf die ebenso kluge wie gefährliche Irene Adler trifft. Adler, gespielt von Kirsten Schneider, ist eine ehemalige Opernsängerin und Schauspielerin. Im Stück kommt sie Holmes näher. Sie ist bekannt für ihre Intelligenz, ihren Charme und ihre Fähigkeit, den Detektiv zu überlisten. Gerade diese Gabe, Holmes ins Schwanken zu bringen, fasziniert auch den Regisseur.
Sie ist für Matthiesen deshalb eine Schlüsselrolle. Ihre Eigenschaften, die auf Holmes wirken, würden ihr die Möglichkeit geben, eine Sherlock-Holmes-Geschichte maßgeblich mitzugestalten, meint er. In seiner Fassung wird ihre Geschichte nicht weitererzählt – sie soll mehr Raum und mehr Tiefe bekommen. „Auf das Ende hatten wir keinen Bock“, erzählt der Regisseur und entschied sich kurzerhand, „ein komplett neu gedachtes Stück“ zu machen.
Er betont, dass diese kreative Freiheit Teil der Holmes-Kultur sei. Die Holmes-Szene, so Matthiesen, würde es lieben, wenn Geschichten neu- und weitererzählt werden. Wie er berichtet, ist die Vorfreude groß: Erste Besuchergruppen und sogar kostümierte Fans hätten sich angekündigt.
Auf der Bühne stehen zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler, die in wechselnden Rollen rund 30 Figuren verkörpern. Für Matthiesen steckt viel Herz in jeder einzelnen davon – besonders in den „vermeintlich kleineren“ Charakteren, etwa beim König von Böhmen, den er als unsympathischen Autokraten gezeichnet hat. Hier soll das Stück aktuelle gesellschaftliche Fragen spiegeln.
Besonders wichtig war ihm die Besetzung von Holmes. Der müsse empathielos, trocken und steif wirken. Johann Anzenberger war daher für den Regisseur die ideale Wahl – zumal er auch den feinen, trockenen Humor mitbringt, den Matthiesen so schätzt. Seine Lieblingsfigur ist jedoch Dr. Watson, gespielt von Mario Schnitzler. Holmes treuer Gefährte darf gleich zu Beginn mit einem Song, den Michael Reffi komponiert hat, das Stück eröffnen.
Auf große Kulissen für viele Spielorte verzichtet Matthiesen bewusst. Das Bühnenbild ist schlicht, wandelbar und lässt Raum für Fantasie. „Die Bühne wird nicht kaschiert“, erklärt er. Requisiten verwandeln sich dabei – so wird eine Stehlampe zur Straßenlaterne. London entsteht so mit einfachen Mitteln in Feuchtwangen.
Und um besondere Stimmungen zu erzeugen, steuert ein Techniker 100 Toneinspielungen auf Stichwort genau an. Für diese Aufgabe setzt Matthiesen auf Max Kraft. Bei so einem Stück sei er der richtige Mann.
Für Holmes-Kenner wird es einige Überraschungen geben: „Zum Beispiel kleine Easter Eggs, also Überraschungen, die den fundierten Zuschauern auffallen könnten“, sagt der Regisseur. Aber auch wer mit Holmes bisher wenig am Hut hat, soll Spaß haben. Matthiesen: „Für Neulinge gibt es viel zu entdecken.“
Premiere hat „Sherlock Holmes – Ein Skandal“ am Donnerstag, 12. Juni, um 20.30 Uhr im Kreuzgang. Die öffentliche Generalprobe ist am heutigen Mittwoch, 11. Juni, und beginnt ebenfalls um 20.30 Uhr. Karten dafür gibt es nur an der Abendkasse.