Noch nicht volljährig, aber schon wählen? Dieses Thema wird seit geraumer Zeit politisch diskutiert. Bei den Europawahlen im kommenden Jahr dürfen jedenfalls – erstmals – bereits 16-Jährige mit abstimmen. Doch als Minderjähriger in der Schule üben, das geht schon seit rund zwei Jahrzehnten: bei der Juniorwahl.
Jedenfalls in jenen Schulen, die dieses Programm umsetzen. Das sind erneut über ein Dutzend im Stimmkreis 510, zu dem der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und ein Großteil des Landkreises Fürth gehören. Erstmals mit von der Partie ist die Dietrich-Bonhoeffer-Realschule in Neustadt. Es ist ihr „ein besonderes Anliegen, zu vermitteln, wie wichtig es ist, zur Wahl zu gehen“, sagt Martina Neumeister, die die Einführung der Juniorwahl an ihrer Schule angestoßen hat.
Da ist es gut und sinnvoll, wenn die Schülerinnen und Schüler mit dem Wahlvorgang schon ein bisschen vertraut gemacht werden, zumal die meisten ihrer Schüler nächstes Jahr schon 16 Jahre alt sind und folglich bei den Europawahlen auch schon in echt wählen dürfen, merkt Neumeister an.
Das Juniorwahl-Konzept ist eng an die tatsächlichen Wahlen angelehnt: Es werden wirkliche Wahltermine zum Anlass genommen, wie nun zum Beispiel die am 8. Oktober anstehenden bayerischen Landtagswahlen.
Ein paar Unterschiede gibt es freilich doch. So werden nur die Landtagswahlen simuliert; die gleichzeitig stattfindenden Bezirkswahlen fallen unter den Tisch. Die Schülerinnen und Schüler können also nur zwei Kreuzchen machen, die Erwachsenen am 8. Oktober insgesamt vier. Der Juniorwahl-Tag ist nicht der eigentliche Wahlsonntag (denn da ist keine Schule), sondern spätestens der Freitag davor. Das schulinterne Ergebnis darf aber dennoch erst am Sonntag mit Schließung der (echten) Wahllokale veröffentlicht werden, lauten die Regeln der vom Verein Kumulus (mit Sitz in Berlin) getragenen Juniorwahl.
Die meisten der heuer teilnehmenden Schulen sind zum wiederholten Male dabei, manche sind schon echte alte Hasen und müssten – wie etwa das Scheinfelder Berufsschulzentrum (BSZ) – in den Annalen kramen, wann sie erstmals mit von der Partie waren. Das Wählen zu lehren tut durchaus not, findet der dortige Lehrkraft Jürgen Fritz. Denn viele am BSZ seien „relativ blank“, da die meisten seiner Schützlinge von der Mittelschule kommen, wo nur wenig Politikunterricht stattfinde, erklärt Fritz.
Mit dem Wahlverhalten der jungen Leute hat man folglich schon an mancher Schule Erfahrungen gesammelt. Die Jugendlichen, so erklärt etwa Andrea Petra Leindecker vom Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasium, wählen nicht so taktisch wie Erwachsene dies bisweilen tun. Sympathien für bestimmte Themen, wie etwa den Tierschutz, schlagen sich deshalb auch in Stimmen nieder.
Echte Ausreißer gibt es aber selten. Im Grunde, so erklärt Fachoberschulleiter Bernd Scheffer von den Schwarzenberger Schlossschulen, ist das Juniorwahl-Ergebnis gar nicht so weit weg von den Erwachsenen. Manche Trends sind allerdings verstärkt, etwa als bei der Bundestagswahl 2021 die FDP zulegte; im hiesigen Landkreis waren sie bei den Juniorwahlen damals sogar Zweitstimmensieger.
Wenn auch für einige Schulen die Juniorwahl schon fast Routine ist, so ist sie doch für die allermeisten Schülerinnen und Schüler eine neue und womöglich nützliche Erfahrung – auf dem Weg zum mündigen Staatsbürger.
Für die fusionierte Berufs- und Wirtschaftsschule in Bad Windsheim merkt Ursula Wild von der Wirtschaftsschule an, dass die beiden Schularten zwar im selben Wahllokal wählen, ausgezählt wird aber nach wie vor getrennt.