Konfessionsgräben sind in Unteraltenbernheim überwunden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.09.2025 10:00

Konfessionsgräben sind in Unteraltenbernheim überwunden

Blick vom Hechelbuck auf das halb evangelische, halb katholische Unteraltenbernheim. „Nebst dem Schlößla und zwa Kerchn kunst drei Türm auf amol sehng“ wurde in den 1930er-Jahren gedichtet. (Foto: Fritz Arnold)
Blick vom Hechelbuck auf das halb evangelische, halb katholische Unteraltenbernheim. „Nebst dem Schlößla und zwa Kerchn kunst drei Türm auf amol sehng“ wurde in den 1930er-Jahren gedichtet. (Foto: Fritz Arnold)
Blick vom Hechelbuck auf das halb evangelische, halb katholische Unteraltenbernheim. „Nebst dem Schlößla und zwa Kerchn kunst drei Türm auf amol sehng“ wurde in den 1930er-Jahren gedichtet. (Foto: Fritz Arnold)

Ein ökumenischer Gottesdienst wird am Sonntag zur Kirchweih in der evangelischen Martinskirche in Unteraltenbernheim abgehalten. In den 1950er-Jahren wäre ein gemeinsames Fest von Protestanten und Katholiken völlig undenkbar gewesen. Damit beschäftigt hat sich Ingeborg Brunner in den 1960er-Jahren in einer Zulassungsarbeit fürs Lehramt.

Der kleine Ort, zu dem auch die Weiler Wimmelbach, Hechelbach, Limbach und Oberaltenbernheim sowie die Binsmühle, der Hörhof und der Schafhof mit zusammen dann 686 Einwohnern gehören, war weitgehend zweigeteilt.

Es gab nicht nur zwei Kirchen und Schulen, sondern auch zwei Gasthäuser, zwei Metzger, Schreiner und auch zwei Friedhöfe. Jede Seite meinte, der richtigen Lehre anzugehören. Schwierig war es bei Misch-Ehen, die tunlichst vermieden wurden. So ist die Bemerkung eines Mädchens zu einer Freundin überliefert, dass sie „wegen des blöden Luther nicht den Burschen anlachen darf, der ihr gefallen würde.“

Katholiken hatten nicht selten Ehepartner im Raum Herrieden oder Richtung Unterfranken gesucht. Doch diese Zweiteilung ist weitgehend verschwunden und man geht immer häufiger zu den „Anderen“ in die Kirche und sowieso gemeinsam in das inzwischen einzige Wirtshaus.

Eingemeindung im Jahr 1978

Weshalb die 1978 nach Obernzenn eingemeindete Zenngrund-Gemeinde stärker zweigeteilt als anderswo war und ist, hat damit zu tun, dass die Gehöfte teils zu der Herrschaft der von Seckendorf in Obernzenn/Unternzenn und damit zum Ansbacher Markgrafen sowie zum Deutschorden in Virnsberg mit Sondernohe gehörten.

Im Detail hat dies die Pfarrerstochter Ingeborg Brunner in ihrer Zulassungsarbeit für das Lehramt zusammengetragen. Danach habe sich Unteraltenbernheim schon sehr früh der Reformation zugewandt. Doch der Deutsche Orden wollte da nicht mitgehen. Der Komtur von Virnsberg machte es den evangelisch eingestellten Pfarrern nicht leicht und wandte sich an den Bischof in Würzburg, der es den Pfarrern verbot, zu einem Termin nach Ansbach zu gehen, bei dem es um die Glaubensrichtung ging.

In der Gegenreformation versuchten die Komturen zu Virnsberg wieder katholische Priester einzusetzen. Es kam auch zu der Situation, dass Pfarrer Sebastian Hocheisen in Sondernohe als katholischer Priester wirkte, aber in Unteraltenbernheim die evangelische Lehre verkündete. 1818 wurde für Bayern das Religionsedikt erlassen, das die Gleichberechtigung der Konfessionen und Glaubensfreiheit gewährleistete.

Ein Betsaal für die Protestanten

Daraufhin besann sich die Gemeinde Unteraltenbernheim auf ihr Recht und forderte auch eine eigene evangelische Schule. Nachdem man sich der Nachbargemeinde Trautskirchen angeschlossen hatte, kam es zur Errichtung eines Betsaales, wo 1834 der erste protestantische Gottesdienst stattfand. Damit verbunden war die Auspfarrung aus dem Pfarrverband Sondernohe.

Als das Bethaus bald zu klein wurde, entstand der Wunsch nach einer eigenen Kirche. Nach einer Spende von Bayerns König Ludwig I. und Kollekten in der evangelischen Umgebung begann 1848 deren Bau. .

Nicht unerwähnt blieben in der Kirchengeschichte auch die Friedhöfe. Als jener um die katholische Kirche „St. Peter und Paul“ nicht mehr ausreichte, wurde Richtung Oberaltenbernheim ein neuer Friedhof angelegt.

Klare Trennung im Friedhof

Es bürgerte sich ein, dass die Katholiken rechts des Eingangs und die Protestanten links bestattet wurden. Da es immer wieder zu Schwierigkeiten kam, entschlossen sich 1887 die Protestanten, einen eigenen Friedhof gegenüber dem Schulhaus in Richtung Hechelbach anzulegen.

In der Pfarrchronik ist ein Vorfall aufgeführt, der heute eher befremdlich wirkt: „Die Gräßerei auf dem ganzen Friedhof blieb dem katholischen Lehrer vorbehalten. Die Rohheit, dass er die Gräber der Protestanten nicht bloß mit Hafer bebaute, sondern auch Vieh darauf hütete, wurde nach einer Anzeige vom königlichen Amtsgericht abgestellt.“

Der Gottesdienst zur Kirchweih findet am Sonntag, 14. September, in der Martinskirche statt. Beginn ist um 10 Uhr.


Von FRITZ ARNOLD
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