Wenn es draußen stürmt und schneit, zieht es viele Besucher in die Franken-Therme in Bad Windsheim. Doch woher kommen das Thermalwasser und die Sole? Und wie kommt all das wiederum in die Becken? Geschäftsführer Oliver Fink nimmt Interessierte gerne mit auf einen Rundgang.
Und der ist mitunter schweißtreibend. Denn hinter den Kulissen der Therme ist es heiß und es herrscht gefühlt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Doch es lohnt sich, das komplexe System im Untergrund zu inspizieren. Es scheint eine Welt für sich zu sein, die so ganz anders aussieht als das, was der normale Badegast zu sehen bekommt. Während der sich nämlich im wohlig-warmen Wasser räkelt, sorgen Rohre, Leitungen, technische Anlagen, riesige Behälter und komplexe Steuerungsanlagen dafür, dass das überhaupt möglich ist.
Geschäftsführer Oliver Fink zeigt gerne, wie die Technik der Therme funktioniert und mit welchem finanziellen Aufwand der Betrieb verbunden ist. Schließlich müsse „ein sehr gutes Produkt“ geboten werden, damit die Gäste entspannen und etwas für ihre Gesundheit tun können. Fink hofft, dass Besucher nach einem solchen Blick hinter die Kulissen auch besser nachvollziehen können, warum die Eintrittspreise absolut gerechtfertigt seien.
Das Salz sei für den Betrieb der Therme „Fluch und Segen“ zugleich, betont Fink und zeigt auf die dicken Salzkrusten, die sich entlang einiger Rohre gebildet haben. Das sei unvermeidlich. Damit das Salz aber beispielsweise nicht auch die Lüftungsanlage angreift und diese rostet, ist sie speziell beschichtet worden.
Trotz der Herausforderungen, die das Salz für die technischen Anlagen bedeutet, ist das „weiße Gold“ ganz klar „ein Schatz“. Und der muss immer wieder neu aus dem Bad Windsheimer Untergrund geborgen werden. Der Weg zur Therme und in die Becken indes ist nicht weit. Denn Bad Windsheim kann mit einem seltenen Pfund wuchern: der Bad Windsheimer Natursole, die aus der Solimed-Quelle und damit aus einer Tiefe von rund 150 Metern aus einem mächtigen Salzstock gewonnen wird.
Der wiederum war vor rund 250 Millionen Jahren entstanden. Die Sole wird mit Heilwasser ausgelaugt und als „vollgesättigte Sole“ gefördert. Der Salzsee der Franken-Therme weist demnach einen Salzgehalt von 26,9 Prozent auf und ist damit wohl deutschlandweit in dieser Form einzigartig. Zum Vergleich: Das Tote Meer hat einen Solegehalt von 30 Prozent.
Und auch die Thermalsole-Quelle wird nur 200 Meter von der Franken-Therme entfernt gefördert und nahezu direkt in die Schwimmbecken eingeleitet. Damit Thermalsole offiziell überhaupt als solche bezeichnet werden darf, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So muss sie beispielsweise mindestens 20 Grad vorweisen, wenn sie aus dem Boden kommt. „Bei uns liegt die Temperatur sogar bei 29 Grad“, sagt Fink.
Bevor das Thermalwasser aber in die Badebecken eingeleitet werden kann, werden ihm Mangan und Eisen entzogen. Denn beide Bestandteile reagieren mit Sauerstoff. Die Folge: Es kommt zu bräunlichen Verfärbungen. Da diese chemische Reaktion nicht komplett zu vermeiden ist, kommt es im Laufe der Zeit an den Einströmdüsen in die Becken trotz allem zu braunen Flecken. „Der Gast assoziiert das oft mit Schmutz, tatsächlich sind es die abgelagerten Inhaltsstoffe des Thermalwassers. Das ist schließlich ein Naturprodukt“, erklärt Fink. Trotzdem werde regelmäßig gereinigt – meistens nachts. Dabei helfen Filteranlagen, die unter anderem mit Sand und Aktivkornkohle arbeiten.
Gereinigt wird jedes Becken in einem eigenen Kreislauf. Sollte in einem etwas repariert werden müssen, kann dessen gesamte Wassermenge auch in eigens dafür geschaffenen Beton-Becken im Untergrund der Therme zwischengelagert werden. Und zwar ohne dass es einen Wärme- oder Wasserverlust gibt.
Das sei Fink zufolge wichtig, weil so energieeffizient und ressourcenschonend gearbeitet werden könne. Rund zwei Stunden würde es dauern, bis eines der Becker leergelaufen sei, zweieinhalb Stunden, bis es wieder gefüllt ist.
Damit das Badewasser in einer stets hohen Qualität gehalten werden kann, wird es von den technischen Anlagen kontinuierlich überwacht. Zusätzlich wird drei Mal täglich per Hand kontrolliert, ob die Technik richtige Werte ermittelt. Und ein Mal im Monat kommt eine Fachkraft aus einem Labor und prüft beispielsweise, ob das Wasser auch frei von Bakterien ist. „Damit sich der Gast sicher fühlen kann“, so Fink. Deswegen werden Viren und Bakterien auch fortlaufend mittels Chlorgas ausgeschaltet. Eine automatisierte Anlage sorgt für die richtige Dosierung. Sollte es zu einer Havarie kommen, greift ein Sicherheitsmechanismus, der das unkontrollierte Ausströmen des Gases verhindert.
Rund 200 Meter neben dem Gelände des vor kurzem abgerissenen Hochseilgartens, unweit des Reisemobilhafens und in Sichtweite der Therme, steht ein unscheinbares Häuschen. Es sieht auch im Innern wenig spektakulär aus: Ein großer Schaltkasten und durchsichtige Rohre sind zu sehen. Hier kommt die Thermalsole an. Und hier wird kontrolliert und dokumentiert.
Bei der Frage nach der Endlichkeit der Sole muss Geschäftsführer Oliver Fink schmunzeln. Und er beruhigt sogleich. Der Salzstock sei enorm. „Meine Kinder und deren Kinder und dann wiederum deren Kinder werden es nicht erleben, dass kein Salz mehr da ist“, sagt er. Und auch ihre Exklusivität wird die Bad Windsheimer Sole nicht verlieren: Sie ist die wohl stärkste Sole Europas, in der man baden kann.