„Farbenrauschen“ ist die neue Ausstellung des Bad Windsheimer Künstlers Gerhard Rießbeck überschrieben, die er in den Central Lichtspielen, dem ehemaligen Kino, in Bad Windsheim präsentiert. Er gestaltet sie gemeinsam mit dem Nürnberger Maler Joachim Kersten. Der Name ist dabei Programm.
Es ist bereits die 14. Ausstellung, die Rießbeck in seinem Atelier der Öffentlichkeit präsentiert, am Samstag, 5. Juli, wird sie um 15 Uhr eröffnet. Ziel des Künstlers war es stets, die vielfältigen Facetten der Kunst zu zeigen. Bislang sei allerdings noch kein abstrakter Maler zu Gast gewesen. Ein solcher ist Joachim Kersten.
Ein verbindender Aspekt: Beide haben an der Kunstakademie in Nürnberg studiert. „Da haben wir uns aber noch nicht gekannt“, betont Rießbeck. In Nürnberger Künstlerkreisen kenne man sich aber einfach.
Für die Auswahl seiner Werke für die Ausstellung hat sich Kersten vom Titel leiten lassen. „Ich habe Arbeiten ausgesucht, bei denen die Farben richtig rauschen.“ Ihre Wirkung und die Emotionen, die sie auslösen, faszinieren ihn. In seiner Anfangszeit zeichnete er noch draußen in der Natur. „Die Landschaft war und ist eine große Inspiration. Schon damals war das sehr abstrahiert.“
Mittlerweile fotografiert er sehr viel. Die Bilder dienen ihm als Gedankenstütze. Wenn drei Farben oder drei Formen aneinanderkommen, dann hält er das fest. In seinem Atelier habe er mehrere große Kästen, Ordner und Tagebücher, in denen er die Fotografien sammelt. Immer wieder blättert er sie durch – und bleibt an Fotos hängen. „Dann habe ich eine Rückerinnerung als Ausgangspunkt für eine Bildidee, die schon irgendwo im Hinterkopf war.“ Sogar an Gerüche erinnere er sich.
„Nach den Farben suche ich nicht, sie sind einfach da.“ Auch wenn seine Bilder nicht immer so grell und kräftig waren. Anfang der 1990er Jahre bekam Kersten ein Stipendium in Nebraska (USA). „Dort war das Licht ganz anders als hier. Das hatte eine große Wirkung auf mich.“
Eine neunteilige Bilderreihe trägt beispielsweise den Titel „Animato“, ein Begriff, der aus der Musik kommt. Kersten sieht die Werke als Teil einer größeren gedanklichen Arbeit. Der Nürnberger Künstler ist nämlich durchaus auch musikbegeistert, beim Gestalten höre er gerne Klassik, aber auch Jazz. „Musik hören hilft, um in die Arbeit reinzukommen.“
Viele der Bilder, die in Bad Windsheim ausgestellt sind, haben den Übertitel „Le Batterie“, der für ihn das Grundstück von Freunden in Südfrankreich bezeichnet. Für Kersten ist der Titel ein „Synonym für die Farben des Südens“.
Manche seiner Werke wurden im Liegen gemalt. Acrylfarben verlaufen unter Zugabe von mehr Wasser. Oft kommen dann auch Schellack-Tuschen zum Einsatz. Teils beeinflusst er die Fließrichtung, tupft Flüssigkeit weg und wiederholt das bis zu 30 Mal – „bis zu dem Moment, in dem ich sage: fertig“.
Den Schellack stellt Kersten selbst her – mit gekauften Schellackflocken. Diese werden aus den natürlichen Ausscheidungen der Lacklaus hergestellt. Sie haben eine unterschiedliche Tönung, man mische sie dann mit farbigen Pigmenten. Malerei mit Schellack sei nicht sonderlich verbreitet, dieser komme eher in der Schreinerei zum Einsatz, sagt Kersten. Für ihn ist er „der Gegensatz zu den stumpfen Acrylfarben“.
In Rießbecks Teil der Ausstellung wiederum sind einige „Bilder im Bild“ zu sehen. Rechtecke schweben dabei in einem Farbraum. Ganz neu ist „Der Farbenträger“: ein Entdecker, der einen Rucksack aus Farben auf dem Rücken hat und sie in die Welt trägt.
Weitere Öffnungstage sind am Sonntag, 6. Juli, sowie an den Samstagen und Sonntagen, 12., 13., 19. und 20. Juli – jeweils von 15 bis 18 Uhr. Zur Eröffnung am Samstag wird neben Kersten und Rießbeck auch Dr. Janine Witt, Leiterin des Museums „Kirche in Franken“, vor Ort sein.