Klimawandel verändert den Wald: Junge Forstwirte pflanzen viele neue Bäume | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.03.2025 14:00

Klimawandel verändert den Wald: Junge Forstwirte pflanzen viele neue Bäume

Im Wald sind sie zur Zeit häufiger zu sehen: Forstwirte, die neue Bäume setzen. Unter guten Bedingungen bringt ein Azubi am Tag bis zu 100 Pflanzen in die Erde. (Foto: Daniela Ramsauer)
Im Wald sind sie zur Zeit häufiger zu sehen: Forstwirte, die neue Bäume setzen. Unter guten Bedingungen bringt ein Azubi am Tag bis zu 100 Pflanzen in die Erde. (Foto: Daniela Ramsauer)
Im Wald sind sie zur Zeit häufiger zu sehen: Forstwirte, die neue Bäume setzen. Unter guten Bedingungen bringt ein Azubi am Tag bis zu 100 Pflanzen in die Erde. (Foto: Daniela Ramsauer)

Im Frühlingswald tut sich was. Mit den wärmeren Temperaturen hat die Pflanzzeit begonnen. Noch bis Ostern sind die Auszubildenden des Forstbetriebs Rothenburg in der Region unterwegs, um neue Bäume zu setzen. Die jungen Forstwirte haben keine geringere Aufgabe, als den Wald klimafit zu machen.

Die in knalliges Orange gekleideten Männer haben nicht schwer zu tragen. Die weißen Säcke liegen locker in den Händen, sie wirken so, als wären sie leer. Im Schatten von ein paar Fichten, die schon etwas angeschlagen wirken, wird ausgepackt. Ganz unten in den Säcken liegen winzige Tannenbäumchen. Mit Wurzel haben sie etwa die Höhe einer ausgestreckten Männerhand.

20 bis 50 Bäume pro Stunde

Um die 100 „Wildlinge“, das sind kleine Tannen, die an anderer Stelle ausgegraben wurden, wird heute jeder angehende Forstwirt, der beim Ausflug im Wald dabei ist, setzen. Je nach Bodenbedingung kann eine Person 20 bis 50 Bäume in der Stunde pflanzen. Mit dem Hohlspaten wird dazu ein Stück Boden ausgehoben, dann wird die Erde vorsichtig rund um die Wurzel herum gekrümelt.

Auf die richtige Technik kommt es durchaus an: Nach dem Orkan Wiebke, der im Jahr 1990 auch große Waldflächen in Westmittelfranken flachlegte, war dafür wenig Zeit. Die Waldarbeiter forsteten im Akkord wieder auf. In der Eile wurden die Wurzeln schief gesetzt.

Die tiefen Wurzeln von Tannen helfen

„Solche Bäume kippen 20 Jahre später einfach um, weil sie nicht den richtigen Halt haben“, erklärt Florian Vogel. Seit Anfang 2025 ist er Leiter des Forstbetriebs Rothenburg. Rund 20.300 Hektar Wald, verteilt auf die Landkreise Ansbach, Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Fürth und Gunzenhausen, zählen zu seinem Revier. Aktuell werden hier 9 Forstwirte ausgebildet, 18 fertig ausgebildete sind bereits im Einsatz. Abgesehen vom Blockunterricht in der Berufsschule verbringen sie ihre komplette Ausbildungszeit im Wald. „Wir brauchen diese Leute, damit wir gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen können“, sagt Forstbetriebsleiter Vogel.

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Tannen sind eine Baumart, auf die die Forstwirtschaft in diesen Zeiten setzt. Man hofft, dass sie auch gut durch trockene Sommer kommen. „Mit ihren tiefen Wurzeln gelangen sie bis in die untersten Bodenschichten und so auch in trockenen Sommern an Wasser“, erklärt Vogel.

Neues Leben unter sterbenden Fichten

Damit die Tannen-Wildlinge nicht direkt in der grellen Frühlingssonne verbrennen, werden sie in einen sterbenden Fichtenbestand gepflanzt. Die Fichten hier im Waldstück bei Wachsenberg haben, wenn überhaupt, dann nur noch lichte Kronen. In feuchten Frühjahren saugen sich die Flachwurzler mit Wasser voll, um in den trockenen Sommern zu verdorren. Wenn es so weitergeht mit dem Klimawandel und den steigenden Temperaturen, wird sich die Sache mit der Fichte in Westmittelfranken in ein paar Jahren weitestgehend erledigt haben, befürchtet Florian Vogel.

Mit klimaresistenten Bäumen wie Tanne, Douglasie, Eiche, Spitzahorn, Buche oder Elsbeere versucht man, den sich verändernden Bedingungen zu trotzen. Um den Wald zu erhalten, müssen laut Vogel jährlich 40 Hektar aufgeforstet werden. Fällt das Frühjahr zu trocken aus, kann es sein, dass bis zu 50 Prozent der neu gepflanzten Bäume eingehen.

„Im Büro ist man nur eingesperrt”

„Wir wissen nicht, ob die Tannen, die wir heute einpflanzen, etwas werden. Ich hoffe es aber“, sagt Azubi Quentin Kustra. In ein paar Jahren möchte er noch einmal an diesen Ort zurückkommen. Er wünscht sich, dass hier dann ein Tannenwald steht. Die Azubis haben die Arbeit in der Natur bewusst gewählt. „Ein Bürojob wäre nichts für mich. Ich bin lieber draußen“, sagt Fabian Ammon. „Im Büro ist man nur eingesperrt“, pflichtet ihm Kollege Quentin Kustra bei. „Es ist ein sinnstiftender Job“, dieser Meinung ist Forstbetriebsleiter Florian Vogel. „Man ist im Wald unterwegs und setzt hier eine Lebensgrundlage für nachfolgende Generationen.“

Es könnten jedoch mehr Leute sein, die sich in den Wäldern Westmittelfrankens ausbilden lassen. „25 bis 30 fertig ausgebildete Fortwirte wären optimal“, sagt Ausbildungsleiter Hartmut Klosch. „Die Mannschaft ist relativ alt, wir brauchen Nachwuchs.“ Frauen gibt unter den Azubis im Forstbetrieb Rothenburg gar keine, perspektivisch möchte man versuchen, auch sie zu gewinnen.

Viele bilden sich anschließend weiter

Viele der Männer, die sich zum Forstwirt ausbilden lassen, kommen laut Ausbildungsleiter Klosch direkt nach der Bundeswehr oder dem Abitur – einer Lebenszeit, in der sie nicht genau wissen, was sie später arbeiten wollen. An ihre Ausbildung zum Forstwirt hängen einige ein Studium dran. „Die sind dann weg für uns“, bedauert Hartmut Klosch. Es gibt wenige Forstwirte, die erst im Rentenalter aufhören. Das Graben, das Sägen, das Tragen – der Job ist körperlich anspruchsvoll.

Bandscheibenvorfälle und andere Verletzungen gehörten in der Vergangenheit quasi zum Berufsbild, meint der stellvertretende Ausbildungsleiter Franz Weik. Inzwischen habe sich sowohl das Arbeitsgerät als auch die Ausbildung weiterentwickelt. Spezialgeräte erleichtern die Boden- und Baumbearbeitung.

Von Beginn der Ausbildung an bekommen die Azubis eine körper- und rückenschonende Arbeitsweise beigebracht. „Als junger Mensch spürst du das nicht, im Alter jedoch macht sich jeder Haltungsfehler bemerkbar“, so Weik.

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