Kleinkrieg am Stromkasten: Monatelanger Vandalismus in Sachsen bei Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.12.2025 07:00

Kleinkrieg am Stromkasten: Monatelanger Vandalismus in Sachsen bei Ansbach

Eine große Deutschlandflagge prangt auf dem Stromkasten in Sachsen bei Ansbach. (Foto: Antonia Müller)
Eine große Deutschlandflagge prangt auf dem Stromkasten in Sachsen bei Ansbach. (Foto: Antonia Müller)
Eine große Deutschlandflagge prangt auf dem Stromkasten in Sachsen bei Ansbach. (Foto: Antonia Müller)

Stromkästen sind ein häufiges Opfer von Vandalismus: Fußballfans verewigen ihren Herzensclub, Jugendliche ihre erste Liebe oder Graffiti-Künstler nutzen sie als ihre Leinwand. Ein Stromkasten in Sachsen ist in den vergangenen Monaten Schauplatz eines Kleinkriegs geworden.

Der Kasten steht direkt an der Ampelkreuzung der Staatsstraße 2223 zwischen Ansbach und Windsbach. Grau, unauffällig, den meisten Vorbeifahrenden dürfte er lange nicht einmal aufgefallen sein.

Das änderte sich aber vor einigen Monaten. Denn seitdem leuchtet er immer wieder in unterschiedlichen Farben. Nicht nur ein Symbol oder Spruch – nein, der Kasten ist von oben bis unten in Farbe getunkt.

Es ging aber nicht um Fußball, auch nicht um Liebe oder Kunst. Es ging um Politik. An einem Tag Ende Oktober strahlte der Kasten noch komplett in rot. Einige Sprüche oder Zahlencodes stehen mit schwarzer Farbe darauf geschrieben. „161” oder „Antifa” weisen eher auf Täter aus dem politisch linken Spektrum hin.

Risiko der Täter

Zwei Tage später ist davon keine Spur mehr. Drei Farben sind stattdessen dominant: schwarz, rot und gelb. Die Nationalfarben überlagern die linke Symbolik. Schon kurz darauf aber ist der Kasten wieder rot. Wer an der roten Ampel steht, blickt auf ein großes, gelbes kommunistisches Symbol: Hammer und Sichel prangen auf einer Seite. Links und rechts scheinen sich auf dem Kasten zu duellieren.

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Wie und wann genau es angefangen hat, konnte die Redaktion nicht herausfinden. Fest steht aber, dass sich die Beteiligten viele Nächte damit um die Ohren geschlagen haben – und direkt neben der Staatsstraße auch ein gewisses Risiko eingegangen sind.

Schmierereien auch am Bushäuschen

Nicht so genau verfolgt hat das ganze Sachsens Bürgermeister Bernd Meyer. Im Gespräch erzählt er, dass viele Stromkästen im Gemeindegebiet in rot und schwarz angestrichen wurden. Das könnten Club-Fans gewesen sein. Das hin und her an der Staatsstraße ist ihm nicht aufgefallen, auch weil die Kommune nicht für den Kasten zuständig ist. Aber das Bushäuschen – nur wenige Meter neben dem Stromkasten – wird immer wieder beschmiert, so Meyer. Da wird die Kommune tätig und muss mit Farbroller und weißer Farbe ausrücken.

Doch wem gehört der kunterbunte Kasten dann? Uns nicht, antworten der Energieversorger N-Ergie und auch die Telekom auf FLZ-Anfrage. Doch es kommt der Hinweis, dass das Staatliche Bauamt zuständig sein könnte.

Und so ist es auch, weil die Ampelsignale vom Kasten ausgehen. Baudirektor Martin Assum antwortet auf FLZ Anfrage: „Schmierereien oder gar Vandalismus betreffen leider auch Einrichtungen an den von uns betreuten Bundes-, Staats- und Kreisstraßen.”

Kripo ermittelt

Wenn es sich um politisch motivierte Motive handelt, stellt das Staatliche Bauamt Anzeige. Außerdem lassen sie die Schaltkästen im Nachgang durch die Straßenmeisterei überstreichen. Andere Motive, wie beispielsweise die von Fußballfans, bringen die Zuständigen „im Einzelfall zur Anzeige”. Assum schreibt weiter: „Damit wollen wir dieses, die Allgemeinheit schädigende Verhalten keinesfalls legitimieren. Vielmehr liegt es daran, weil die Verursacher ohne Hinweise aus der Bevölkerung oftmals nicht ermittelt werden können.”

Den Sachsener Fall hat das Staatliche Bauamt jedenfalls angezeigt. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei. Das ist bei politischen Schmierereien häufig der Fall. Täter wurden bisher nicht ermittelt, auch Hinweise auf Gruppen gibt es bislang nicht, erklärt Gloria Güßbacher, Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Doch es soll noch weiter ermittelt werden. Schließlich ist es nicht nur eine einfache Kritzelei: „Jede Bemalung ist streng genommen eine eigene Straftat”, erklärt Güßbacher.

In der jüngsten Vergangenheit war der Kasten übrigens schwarz-rot-gelb, dann wieder rot mit schwarzer 161 (ein Code für „Antifaschistische Aktion”). Später wurde eine Seite mit leuchtend pinker Forstfarbe angesprüht. „Rote Armee Fraktion” stand in großen, schwarzen Buchstaben darauf. Dann legte sich der graue Lack des Staatlichen Bauamts über die Schmierereien. War das der letzte Streich?


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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