Kleines altes Wohnhaus in Rothenburg bietet einen reizvollen Architekturkontrast | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.02.2026 21:00

Kleines altes Wohnhaus in Rothenburg bietet einen reizvollen Architekturkontrast

Bei der Ausstellung werden Aufnahmen des Berliner Fotografen Jean Molitor (rechts) gezeigt. Inhaltlich konzipiert hat die Schau die Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss aus Geretsried. (Foto: Jürgen Binder)
Bei der Ausstellung werden Aufnahmen des Berliner Fotografen Jean Molitor (rechts) gezeigt. Inhaltlich konzipiert hat die Schau die Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss aus Geretsried. (Foto: Jürgen Binder)
Bei der Ausstellung werden Aufnahmen des Berliner Fotografen Jean Molitor (rechts) gezeigt. Inhaltlich konzipiert hat die Schau die Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss aus Geretsried. (Foto: Jürgen Binder)

Es ist der Anspruch des Vereins Kulturerbe Bayern, die von ihm sanierte mittelalterliche Doppelhaushälfte Judengasse 10 mit öffentlichem Leben zu füllen. Großveranstaltungen sind in den engen Räumen nicht möglich. Für kleinere Kulturangebote reicht der Platz aber, etwa für Fotoausstellungen. Die erste läuft inzwischen.

„Jüdische Architektur der Moderne und ihr Wirken in der Welt“ lautet der Titel der Präsentation, die bis Ende November aufgebaut bleibt. Gezeigt werden Aufnahmen, die der Berliner Fotograf Jean Molitor über viele Jahre von im Bauhaus-Stil realisierten Gebäuden in zahlreichen Ländern der Erde angefertigt hat. Die Geretsrieder Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss, die schon lange zu diesem Thema recherchiert, hat die Schau zusammengestellt und Hintergrundtexte beigesteuert.

Foyer zur Eröffnung rappelvoll

Zur Eröffnung der Ausstellung war das Foyer des Hauses rappelvoll, wofür aber bereits rund 50 Personen reichten. Kulturerbe-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft erklärte, dass es auf den ersten Blick überraschend wirken könne, Aufnahmen großer Gebäude im Bauhaus-Stil, der einst als Inbegriff der Moderne und Avantgarde gegolten habe, ausgerechnet in einem kleinen mittelalterlichen Wohnhaus zu zeigen.

Gerade dieser Kontrast sei aber durchaus gewollt. Überdies seien die in der ersten und frühen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichteten Bauhaus-Objekte inzwischen ebenfalls historische Architekturzeugnisse. Zum Umgang mit Baudenkmälern biete gerade Rothenburg viel Anschauungsmaterial. Deshalb passe die Schau hervorragend in diese Stadt.

Und weil es sich um Werke jüdischer Architekten handele, deren Biografien von Repressalien und Verfolgung durch das NS-Regime sowie von Flucht geprägt seien, eigne sich dafür gerade auch dieses kleine Haus in der Judengasse mit seiner wechselvollen Nutzungsgeschichte, so die Vorsitzende.

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Bogenschlag zwischen Architektur und Erinnerungskultur

Die Schau lade ein zum Perspektivwechsel und solle als Anstoß zur Auseinandersetzung mit Architektur und Erinnerungskultur dienen. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser sprach ebenfalls von einer reizvollen Verbindung und bezeichnete die vom Verein Kulturerbe Bayern geschaffene Einrichtung als „Glücksfall für die Stadt”.

Finanziell unterstützt wurde die Realisierung der Ausstellung von der Ilse-Blank-Mezger-Hesselberger-Stiftung mit Sitz in München. Deren Vorsitzende Anne Kaum, die ursprünglich aus Frankreich stammt, erklärte, dass in ihrer Heimat „Rothenburg sehr bekannt” sei. Dieses Gebäude hier sei „ein wunderbares Beispiel dafür, wie jüdische Vergangenheit wahrgenommen und wieder sichtbar gemacht” werden könne. Ohne solches altes Gemäuer bleibe hingegen Geschichte „oft lückenhaft”.

Kuratorin Dr. Kaija Voss wies in ihrer Rede auf die wechselvollen Biografien jüdischer Bauhaus-Architekten hin, von denen nach der Flucht aus Deutschland einige in Israel, aber auch in anderen europäischen Ländern, den USA oder in Südamerika Prägendes und Bleibendes entworfen hätten.

Fotografien als Mittel gegen das Vergessen

Die Arbeit an dem vor etwa zehn Jahren von Jean Molitor gestarteten Projekt könne hoffentlich noch lange weiterlaufen, erklärte Dr. Voss. Sie sei „auch ein Wettlauf gegen die Zeit”, denn die Aufnahmen zeigten neben noch intakten und sinnvoll genutzten Gebäuden auch solche, die inzwischen verschwunden oder durch Abriss, Verfall oder Investitionsdruck bedroht seien. Ihr Festgehaltensein auf Fotografien bewahre sie vor dem Vergessen.

Musikalisch gestaltet wurde die Eröffnungsfeier von der Würzburger Jazz-Sängerin Julia Damiani, die, begleitet von Thomas Schießl am E-Piano, Lieder jüdischer Komponisten vortrug, darunter „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück” von Werner Richard Heymann.

Öffnungszeiten:
samstags von 15.30 bis 18 Uhr

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