Die Stadt muss eine Reparatur alleine tragen, sagt die Mehrheit der Kreisräte. Ihr Argument: Die anderen Gemeinden müssen für ihre Bäder auch selbst sorgen.
Wenn in Familien das Geld gerade mal knapp ist, dann klingen Dialoge schon ab und zu mal so: „Papa, ich brauch´ Geld für die Disco.” „Sohn, das ist nicht mein Problem, das wirst du selbst bezahlen müssen.” In der Kreisausschusssitzung dürfte sich Jürgen Heckel nun gefühlt haben wie der Sohn in diesem Beispiel.
Denn als Bad Windsheimer Bürgermeister hatte Heckel die undankbare Aufgabe, als Bittsteller gegenüber dem Vater – in diesem Fall dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – aufzutreten und um einen Zuschuss zu bitten: Zwar nicht für die Disco, aber für den Hubboden im städtischen Hallenbad am Schulzentrum. Das Dumme nur: Vor über 30 Jahren hatte die Kommune eine Vereinbarung unterschrieben, wonach sie allein für den Unterhalt des Bades zuständig ist.
Folgerichtig wurde bei der Diskussion sehr schnell deutlich, dass sich angesichts der klammen Landkreis-Kassen sich eine klare Mehrheit des Kreisausschussses dazu verpflichtet fühlt, gegenüber dem Sohn (Stadt Bad Windsheim) als strenger Papa zu agieren und jeglichen Zuschuss abzulehnen.
Landrat Dr. Christian von Dobschütz hatte die Debatte begonnen, indem er darauf hinwies, dass der besagte Hubboden vor allem für Schwimmkurse genutzt werde und bei diesen tummelten sich mittlerweile bekanntlich Kinder aus dem ganzen Landkreis. Er könne sich deshalb auch einen einmaligen Zuschuss des Kreises vorstellen – eine Ansicht, die er mit Heike Gareis (SPD) teilte. Die Neustädterin argumentierte, „jedes Kind, das schwimmen kann, ist etwas sicherer unterwegs” und folgerichtig handele man mit einer Zuwendung nicht nur im Sinne Bad Windsheims, sondern im Sinne der Kinder.
Die Phalanx der strengen „Papas” wurde angeführt von Dr. Birgit Kreß (FWG). Die Markt Erlbacher Bürgermeisterin erinnerte daran, dass man im Rangaubad auch schon zahlreiche Reparaturen habe durchführen müssen und „wir wären nie auf die Idee gekommen, den Landkreis nach Geld zu fragen”. Sie würde es als ungerecht gegenüber anderen Gemeinden empfinden, wenn man für Bad Windsheim nun eine Sonderregelung mache.
Ähnlich äußerten sich auch Claudia Wust (CSU), Kreß' Amtskollegin in Neuhof, sowie der Burghaslacher Bürgermeister Armin Luther (CSU). Letztgenannter erklärte, seine kleine Gemeinde habe vor 15 Jahren zwei Millionen Euro in die Hand genommen, um das eigene Freibad zu sanieren, da müsse eine Stadt wie Bad Windsheim das bitteschön auch alleine stemmen können. Wust wurde ebenso deutlich: „Wir wecken bei allen anderen, die ein Bad besitzen, gewisse Begehrlichkeiten.” Und fügte hinzu: „Wir bieten in unserem Freibad auch Schwimmkurse an.”
Die Sicht des Gremiums fasste Grünen-Kreisrat David Muck gut zusammen. Er fände es schwierig, „so zu tun, als könnten wir es uns leisten und die arme Stadt Bad Windsheim nicht”. Angesichts wiederkehrender Einsparsitzungen und der Tatsache, dass man als Landkreis Jahr für Jahr hohe Beträge in den Schulverband Bad Windsheim einzahle, der federführend verantwortlich für das Hallenbad ist, sei für ihn ein solcher Zuschuss nicht zu rechtfertigen.
Angesichts dieses Meinungsbildes stand Jürgen Heckel in seiner undankbaren Rolle als Bittsteller auf verlorenem Posten. Zwar erinnerte er daran, dass „die Vertragsgrundlage vor 30 Jahren eine andere war, als sie heute ist”, und dass damals „kein Kind aus Diespeck zu uns gekommen wäre, um Schwimmen zu lernen”, doch letztlich dominierte die Auffassung, die auch Uehlfelds Ex-Bürgermeister Werner Stöcker vertrat. Für eine solche freiwillige Leistung neue Schulden zu machen, würde aus seiner Sicht nur bedeuten, dieses Bad Windsheimer Problem auf künftige Generationen von Landkreis-Bewohnern abzuwälzen. Sein Appell: „Wir müssen wieder lernen, Nein zu sagen: Wir haben das Geld nicht.”
Angesichts des klaren Meinungsbildes war eine Abstimmung nicht mehr nötig. Christian von Dobschütz bat Heckel abschließend darum, diese Diskussion mit in den Bad Windsheimer Stadtrat zu nehmen, der – wie Heckel es auf Nachfrage erklärte – letztlich darüber zu entscheiden habe, ob die Stadt sich noch irgendwie in der Lage sehe, die veranschlagten 75.000 Euro für die Reparatur des Hubbodens alleine aufzubringen. Übrigens: Über die Höhe eines potenziellen Landkreis-Zuschusses wurde im Verlauf der Debatte gar nicht erst gesprochen.