Als Lokführer muss man flexibel sein. „Jeder Tag ist anders“, weiß Patrick Dierolf. Der Ansbacher steuert Regionalexpress-Züge des Eisenbahnunternehmens Arverio in Richtung München, Nürnberg, Würzburg und Stuttgart.
Heute steht die Fahrt von Crailsheim nach Ansbach auf seinem Dienstplan. Der Zug hat schon 20 Minuten Verspätung, als er im dortigen Bahnhof einfährt. Eine kurze Übergabe vom Kollegen, dann kann es losgehen. Das Signal zeigt Grün und Orange, also darf Patrick Dierolf langsam starten.
Die vor 150 Jahren errichtete Strecke nach Nürnberg ist landschaftlich reizvoll und wurde schon damals großzügig für den Fernverkehr angelegt. Aber der 32-jährige Lokführer kann sich nicht allzu sehr mit der Landschaft beschäftigen. Seine Aufmerksamkeit gilt der Strecke. Entgegen kommende Lokführer grüßen mit Lichthupe oder einem Handzeichen – egal ob sie von Arverio sind oder von einem anderen Unternehmen. „Es gibt da keine Feindschaft, sondern ein gutes Miteinander“, meint Dierolf.
Schon kurz nach dem Start ein Anruf: Einige Gleise des Ansbacher Bahnhofs sind gesperrt wegen eines Böschungsbrands in der Nähe des Klärwerks. Die Fahrdienstleitung will den Zug daher auf Gleis 27 einfahren lassen. Das geht aber nicht, weil der zweiteilige Regionalexpress dafür zu lang ist, sagt Patrick Dierolf.
Also heißt es warten am Bahnhof in Leutershausen-Wiedersbach, bis die Gleise in Ansbach wieder befahrbar sind. Dierolf bleibt gelassen, informiert die Fahrgäste und die Arverio-Leitstelle. Er mag seinen Job nach wie vor, erzählt er, gerade weil er nicht jeden Tag das Gleiche bringt.
Eigentlich ist er Industriemechaniker. Aber als er las, dass Arverio Lokführer als Quereinsteiger sucht, erfüllte er sich 2021 seinen Kindheitstraum und begann mit der Ausbildung zum Lokführer. Zuvor musste er Reaktionstests, psychologische und medizinische Untersuchungen absolvieren.
Auch gute Deutschkenntnisse muss man für den Beruf mitbringen. Die Messlatte, die vom Eisenbahn-Bundesamt festgelegt wird. ist hoch. Viele Kandidaten scheitern schon an dieser Hürde.
Die theoretische und praktische Ausbildung, die er in Augsburg und Stuttgart absolvierte, ist ebenfalls herausfordernd. Nicht jedem Seiteneinsteiger gelingt es, sich wieder auf das Lernen einzustellen. Patrick Dierolf hat die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und würde auch anderen empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen. Als Lokführer verdient der 32-Jährige rund 3700 Euro. Dazu kommen einige Hundert Euro monatlich an Schichtzulagen. Je länger man dabei bleibt, desto höher wird das Gehalt.
Als Sicherheitsmaßnahme muss er alle 30 Sekunden einen Schalter bedienen. Würde er es einmal vergessen – was ihm nach der Ausbildung noch nie passiert ist – würde der Zug eine Schnellbremsung einleiten.
Noch härter wären die Folgen, wenn er ein rotes Signal überfahren würde. Dann bleibt nicht nur der Zug stehen, sondern der Lokführer darf auch nicht mehr weiterfahren und muss abgelöst werden. Aber auch das war bei Dierolf noch nie der Fall. Sicherheit steht an erster Stelle im Bahnbetrieb. Deswegen braucht man auch eine gesonderte Einführung in jeden Fahrzeugtyp und jede Strecke.
Die Digitalisierung macht auch vor der Eisenbahn nicht Halt. Rund um Stuttgart soll schon bald ein neues System eingeführt werden, das ganz ohne Signale auskommt. So sollen die notwendigen Abstände zwischen den Zügen verringert werden. Rund um Ansbach wird es aber noch lange die klassischen Signale geben. Und Patrick Dierolf hofft, dass sie möglichst oft auf Grün stehen.
Das Streckenjubiläum „150 Jahre Nürnberg-Ansbach-Crailsheim“ wird am Samstag, 14. Juni, am Bahnhof Ansbach gefeiert.