Kinder-Wanderung bei Neuhof: Den scheuen Wildkatzen auf der Spur | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.09.2025 10:26

Kinder-Wanderung bei Neuhof: Den scheuen Wildkatzen auf der Spur

Da abzusehen war, dass es keine Wildkatzen auf der Exkursion zu sehen gibt, hatte Moni Nunn zwei Plüschtiere als Anschauungsobjekte mitgebracht, eine Haus- und eine Wildkatze. Die beiden Mädchen hielten sie nur allzu gern. (Foto: Ute Niephaus )
Da abzusehen war, dass es keine Wildkatzen auf der Exkursion zu sehen gibt, hatte Moni Nunn zwei Plüschtiere als Anschauungsobjekte mitgebracht, eine Haus- und eine Wildkatze. Die beiden Mädchen hielten sie nur allzu gern. (Foto: Ute Niephaus )
Da abzusehen war, dass es keine Wildkatzen auf der Exkursion zu sehen gibt, hatte Moni Nunn zwei Plüschtiere als Anschauungsobjekte mitgebracht, eine Haus- und eine Wildkatze. Die beiden Mädchen hielten sie nur allzu gern. (Foto: Ute Niephaus )

Sie gehören wohl zu den seltensten Waldbewohnern in Bayern: Die Rede ist von Wildkatzen, die schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten, durch die Wälder Europas streiften. Das tun sie immer noch. Rund 500 Tiere leben im Freistaat, erfuhren die Teilnehmenden an einer Exkursion in Neuhof.

In ganz Deutschland sind es etwa 8000 Exemplare. Sie haben zwar große Ähnlichkeit mit ihren domestizierten Verwandten, sind aber eine eigene Art, informierte die Biologin und Naturpädagogin Moni Nunn zu Beginn der gut zweistündigen, informativen und kurzweiligen Wanderung. Diese wurde vom Naturpark Frankenhöhe im Rahmen des Neuhöfer Ferienprogramms angeboten.

Menschen rotteten Wildkatzen nach und nach aus

Rund 20 Erwachsene und Kinder nahmen daran teil, um auf spielerische Art mehr über Wildkatzen zu erfahren. Diese waren zur Mitte des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen Deutschlands ausgerottet, in Bayern galten die Tiere nach 1940 als ausgestorben. Als Ursache für den Rückgang der Wildkatze ist im Wesentlichen die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts intensiv praktizierte Verfolgung durch den Menschen zu sehen.1984 startete der Bund Naturschutz dann eine Wiedereinbügerungsaktion, bei der 600 Tiere ausgewildert wurden.

Das war durchaus erfolgreich, wie die wachsende Population der seit 1992 in Europa zu den streng geschützten Arten zählenden Wildkatze zeigt. Da – wie zu erwarten – keine der scheuen nachtaktiven Vierbeiner auf der Wanderung zu sehen war, hatte Moni Nunn neben Fotos von den Vierbeinern auch Plüschversionen einer Haus- und einer Wildkatze dabei. Zwei Mädchen waren nur allzu gern bereit, sie zu Anschauungszwecken zu halten und ihnen nebenbei ein paar Streicheleinheiten zukommen zu lassen.

Mit Baldrian die scheuen Tiere anlocken

Wie unterscheiden sich Haus- und Wildkatze? Letztere haben ein dichteres Fell als die Hauskatzen. Als typische Merkmale der Wildkatze nannte Nunn zudem den dicken buschigen Schwanz mit den schwarzen abgesetzten Ringen in der hinteren Hälfte und dem schwarzen stumpfen Ende. Die Nase ist rosa (fleischfarben), die Fellzeichnung ist verwaschen getigert.

Nach diesen ersten Informationen ging es auf die rund drei Kilometer lang Tour, die auch einige steile Passagen am Kolmberg umfasste. Die Mühe lohnte sich, denn auf der Höhe belohnten ein wunderbarer Blick über Neuhof und einige Spiele, bei denen Groß und Klein begeistert mitmachten und viel lernten. Dabei stellte sich heraus, dass Wildkatzen Baldrian gern riechen und nicht, wie einige geraten hatten, Katzengras oder Rosmarin. Da liegt es nahe, dass man Stöcke mit Baldrian besprüht, um die Tiere im Wald anzulocken, erfuhr die Gruppe.

Das hat einen bestimmten Grund. Die Vierbeiner reiben sich an diesen Stöcken. Danach können Fachleute mit einer Lupe Haare darauf suchen, sie entfernen und zur Analyse in ein Labor schicken. So lässt sich nachweisen, dass Wildkatzen in dem Revier unterwegs sind. Schwer ist es dagegen, aufgrund gefundener Spuren festzulegen, ob es sich um eine Haus- oder Wildkatze handelte, teilte die Biologin mit und zeigte die Spuren von Luchs, Wildkatze und Fuchs, die sich alle unterscheiden

Straßenverkehr als große Bedrohung

Was fressen Wildkatzen überhaupt? Dazu holte Moni Nunn aus ihrem Rucksack etliche kleine Plüschtiere und legte sie auf eine Decke. Nicht alle der dort versammelten Gesellen stehen auf dem Speiseplan der Vierbeiner. Die Kinder lagen mit ihren Antworten jedoch weitestgehend richtig. Munden lassen sich Wildkatzen demnach zu 90 Prozent Mäuse. Aber auch Eidechsen, Frösche, kleine Vögel, Insekten und Junghasen fressen sie ab und zu. Als besten Lebensraum für die Wildkatzen nannte Nunn große störungsfreie Wälder, von denen es jedoch kaum noch welche gibt. Die größten Gefahren stellen für die scheuen Tiere der Verlust ihres Lebensraums und der Straßenverkehr dar.

Wie sich das Fell einer Wildkatze anfühlt, konnten die großen und kleinen Teilnehmenden der interessanten Tour am Ende ebenfalls noch erfahren. „Es ist so weich wie bei unserer Katze”, erklärte einer der Erwachsenen spontan, als er wie die anderen seine Hände durch das Fell gleiten ließ. Auch die Mädchen und Jungen, die die ganze Strecke wacker mitgelaufen waren, streichelten ganz begeistert durch das Fell. . So waren die Kinder und Erwachsenden, unter ihnen auch die beiden stellvertretenden Neuhöfer Bürgermeister Herbert Reiß und Lydia Stoll, am Ende der zweistündigen Tour um einige Erkenntnisse reicher. Und wer weiß – vielleicht sichtet man ja doch irgendwann mal eine Wildkatze.

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