Kind, Job, Haushalt: Wie schaffen Eltern Raum für Lust? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.05.2026 00:07

Kind, Job, Haushalt: Wie schaffen Eltern Raum für Lust?

„Du machst das alles ziemlich gut, finde ich!“: So ein Lob geht runter wie Öl - und kann Eltern wieder näher zusammenbringen.  (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)
„Du machst das alles ziemlich gut, finde ich!“: So ein Lob geht runter wie Öl - und kann Eltern wieder näher zusammenbringen. (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)
„Du machst das alles ziemlich gut, finde ich!“: So ein Lob geht runter wie Öl - und kann Eltern wieder näher zusammenbringen. (Foto: Joseffson/Westend61/dpa-tmn)

Es gibt keinen Satz, der angehende Eltern mehr nervt: „Mit Kind wird alles anders!“ Wer da abwinkt, erntet oft ein müdes: „Du wirst schon sehen“. 

Doch ob man es wahrhaben will oder nicht: „Mit der Familiengründung ändert sich die Partnerschaft. Kinder sind zwar die Früchte einer Liebesbeziehung, doch sie sprengen auch die Partnerschaft, sie triangulieren sie quasi“, sagt Heike Melzer, Neurologin sowie Paar- und Sexualtherapeutin aus München. 

Die Triangel ist ein schönes Bild für diese neue Dreiecksbeziehung. Kinder - insbesondere die ganz Kleinen - fordern fast rund um die Uhr Aufmerksamkeit. Dazu kommen noch Kämpfe um die neue faire Aufteilung. All das kann die Lust regelrecht erdrücken. Da tritt die Partnerschaft fast automatisch in den Hintergrund. Ganz nach dem Motto: Früher hatten wir mal aufregenden Sex, dafür haben wir heute wunderbare Kids.

Warum „We-Time“ so wichtig ist

Eine Illusion muss die Expertin Paaren rauben: „Dass die Lust irgendwann aus dem Nichts wiederkommt, ist kein Selbstläufer.“ Sie vergleicht das mit einem Vorgarten. Wenn man sich um ihn nicht kümmert, wird er unansehnlich und verwildert.

Wie laden Paare die Lust wieder ein bzw. schenken dem „Vorgarten“ wieder Aufmerksamkeit? Die Sexualtherapeutin nennt zwei Schlüsselwörter: Zeit und Rituale. „Die knappe Zeit, die man zusammen verbringt, sollte man nicht pulverisieren lassen, etwa mit ewigem Smartphone-Scrollen“, sagt sie. 

Und sie hält Rituale für wichtig: Wie begrüße ich meinen Partner, wenn ich morgens aufwache? Gibt es auch Küsse und Umarmungen, wenn der andere nach Hause kommt? Gehe ich in Vorleistung mit prickelnden Vorschlägen für die Wochenendplanung? „Dann könnte er oder sie mit noch besseren Ideen einsteigen“, schlägt die Liebesexpertin vor.

Sie berichtet aus ihrer Praxis von einem Paar, dass ein Ritual für „We-Time“ eingeführt hat: Als gemeinsames Reingleiten ins Wochenende kochen sie zusammen ausgefallene Gerichte - ganz ohne Kinder. „Unser Gehirn ist so strukturiert, dass wir solche fixen Termine brauchen“, sagt Melzer. Das sei für die Lust und Liebe viel gewinnbringender als einmal im Jahr ein Wellness-Wochenende im Allgäu mit viermal Sex hintereinander.

Noch ein Tipp: Aufmerksamkeiten sollten sich nicht nur auf Weihnachten und den Valentinstag beschränken. Kleine Überraschungen lassen das ganze Jahr über das Herz hüpfen.

Einmal pro Woche sollte jeder einen Impuls setzen

Paare können sich vornehmen, dass jeder einmal pro Woche einen Impuls für die Partnerschaft setzt. Das sollte dabei natürlich nicht einseitig sein, rät die Expertin. Es funktioniert nicht, wenn immer nur einer wartet, dass sich der andere was einfallen lässt. 

„Meist ist es dann ja so, dass man den Partner nur beobachtet und wartet, dass er mal wieder „Fehler” macht und denkt: Er oder sie hat sich wieder keine Zeit für mich genommen“, beobachtet Melzer. Die Gefahr dabei: „Man ist nur noch am Anstänkern.“ 

Probleme im Alltag und in Beziehungen seien normal - doch sich einfach nur darüber zu beklagen, führe selten zum Ziel: „Wenn man etwas anspricht, sollte man zuvor bereits drei Lösungsvorschläge mitdenken“, empfiehlt Heike Melzer. 

Beispiel: „Lass uns mal über unseren Sex sprechen. Ich hätte da drei Vorschläge für was Neues. Vielleicht hast du ja noch bessere Ideen?“ Wer so in Vorleistung geht, aktiviere eine Art Echo. „Wenn dabei gegenseitige Wunschzettel herausspringen, was der Partner tun sollte - wunderbar.“

Die Paartherapeutin kennt noch ein Lustknöpfchen, das Wunder bewirken kann: „Loben Sie, wo Sie nur können!“ Gartenarbeit, Kinderbetreuung, Einkaufen und Co.: Oft nähme man den Einsatz des anderen einfach als Selbstverständlichkeit hin. Aber Loben kostet nichts und zeigt: Ich sehe, was du für uns machst. Heike Melzers Formel lautet: „Für einen Tadel muss man 10-mal loben!“

© dpa-infocom, dpa:260524-930-124805/1


Von dpa
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