KI, was hab' ich? Symptome online checken - aber richtig | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.09.2026 05:43

KI, was hab' ich? Symptome online checken - aber richtig

Muss ich zum Arzt oder kann ich das einfach zu Hause auskurieren? Als Entscheidungshilfe nutzen viele Menschen KI-Chatbots.  (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Muss ich zum Arzt oder kann ich das einfach zu Hause auskurieren? Als Entscheidungshilfe nutzen viele Menschen KI-Chatbots. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Muss ich zum Arzt oder kann ich das einfach zu Hause auskurieren? Als Entscheidungshilfe nutzen viele Menschen KI-Chatbots. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Haarausfall, Hautausschlag oder Herzstolpern: Macht unser Körper seltsame Sachen, machen wir uns schnell Sorgen. Ist Abwarten okay oder sollte zeitnah ein Arzt draufschauen?

Gar nicht so wenige Menschen reichen diese Fragen prompt an einen KI-Chatbot weiter. So zeigte eine Bitkom-Umfrage aus dem November 2025, dass 73 Prozent der Befragten Symptome und Gesundheitsfragen im Internet recherchieren. 45 Prozent davon nutzen dafür KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini, Copilot oder Claude. 

Klar, eine Diagnose kann nur ein Arzt oder eine Ärztin stellen. KI-Chatbots können aber verschiedene Verdachtsdiagnosen auflisten - und Orientierung geben bei der Frage, was nun zu tun ist. Wie stellt man das am besten an? Antworten auf 7 Fragen. 

1. Wie gut sind die Diagnosen und Verhaltensempfehlungen von KI-Chatbots? 

Dieser Frage ist jüngst die Zeitschrift „Stiftung Warentest“ nachgegangen (Ausgabe 8/2026). Das Test-Team wollte wissen: Wie gut erkennen fünf KI-Chatbots etwa einen Bandscheibenvorfall, eine Angina Pectoris oder eine Depression anhand der geschilderten Symptome? Was taugen ihre Verhaltensempfehlungen? 

Dabei konnte ChatGPT das Test-Team am meisten überzeugen, es lag in allen fünf fiktiven Modellfällen richtig. Insgesamt gaben drei der fünf KI-Chatbots akzeptable Antworten, zwei schwächelten. 

2. Welche Risiken gibt es, wenn ich den KI-Chatbot um eine Einordnung meiner Symptome bitte? 

Nicht immer lässt sich mit dem Ergebnis, das der Chatbot ausspuckt, viel anfangen. Und manchmal verunsichert es sogar. „Dann sind da fünf Diagnosen aufgelistet, einiges klingt dramatisch - dabei ist es am Ende vielleicht gar nichts Schlimmes“, beschreibt der Wissenschaftler Marvin Kopka ein typisches Muster. Er forscht an der TU Berlin zu Digital Health - und auch dazu, wie Menschen mit KI-Chatbots interagieren. 

Zur Verunsicherung trägt oft auch bei, dass viele KI-Chatbots Aussagen tätigen wie: „Wenn zu dem Symptom noch Fieber oder Bewusstseinsstörungen dazukommen, gehe sofort in die Notaufnahme“. Auch wenn solche Komplikationen womöglich nur sehr selten vorkommen: So ein Satz kann Ängste füttern. 

Ein Problem sieht Marvin Kopka auch darin, dass medizinische Laien die Ergebnisse, die der KI-Chatbot ausspuckt, oft nicht einordnen können. Plus: „Unsere Studien haben gezeigt: ChatGPT etwa empfiehlt fast immer, zum Arzt zu gehen - selbst bei harmlosen Sachen“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter. Das kann das Gesundheitssystem belasten. 

Ein weiteres Risiko: ChatGPT, Gemini, Antrophic und Co. sind sogenannte Large Language Models (LLM). Sie haben kein Verständnis von Fakten, sondern basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Heißt: Das, was sie ausgeben, muss nicht unbedingt stimmen. Falschinformationen können allerdings Gesundheitsschäden zur Folge haben, wenn man sie ungeprüft umsetzt. 

Das zeigt ein Fall aus den USA, den Ärztinnen und Ärzte des Uniklinikums Seattle in einer Fachzeitschrift beschreiben. Ein Mann kam mit Wahnvorstellungen in die Notaufnahme. Die Ursache konnte sich das Personal vor Ort auch nach verschiedenen Tests nicht erklären. 

Schließlich klärte sich auf: Der Mann hatte über die negativen Effekte von Kochsalz, also Natriumchlorid, auf die Gesundheit gelesen. Er hatte ChatGPT nach Alternativen dazu gefragt - allerdings ohne einzugrenzen, dass es um die Ernährung geht. Der Chatbot empfahl Natriumbromid. Der Mann besorgte sich die chemische Verbindung im Internet, würzte sein Essen damit - und entwickelte eine Bromidvergiftung - mitsamt Wahnvorstellungen. 

3. Wenn ich meine Symptome mit Hilfe von KI checken lassen möchte - wie gehe ich am besten vor? 

Am besten fragt man sich vorher einmal selbst: Was will ich überhaupt erreichen? „Ich habe Symptom XY, was kann es sein?“ ist zwar schnell ins KI-Chatfenster getippt. „Am Ende bekommt man fünf Diagnosen aufgelistet, weiß aber gar nicht, was man tun soll“, sagt Kopka. Dabei wollen Nutzerinnen und Nutzer meist genau das: erfahren, welche Schritte jetzt sinnvoll sind. Gut ist also, genau danach zu fragen. 

Wichtig ist aber auch, den KI-Chatbot mit ausreichend Informationen zu füttern. Viele tippen im Chatfenster der KI lediglich in ein, zwei Sätzen ihre aktuellen Beschwerden zusammen. „Das, was dabei rauskommt, ist aber nicht sonderlich personalisiert“, sagt Marvin Kopka. 

Um eine individuellere Antwort zu bekommen, rät er dazu, der KI Kontext zu liefern. Basics, die der KI bei der Einordnung helfen, sind etwa Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen - und ob man ähnliche Symptome schon einmal hatte. „Eine gute Herangehensweise ist auch, die KI explizit zu bitten, dass sie Rückfragen stellen soll, um den Kontext zu erfragen“, sagt Marvin Kopka. 

Gut ist auch zu überlegen: Was habe ich in den letzten Tagen so gemacht? Dass man vor drei Wochen noch durch ein tropisches Land gereist ist, ist durchaus eine relevante Info. Man kann es in Sachen Kontext allerdings auch übertreiben - und damit womöglich das Ergebnis in eine bestimmte Richtung lenken, wie Marvin Kopka warnt.

4. Welcher konkrete Prompt kann mir helfen? 

Die Stiftung Warentest hat im Zuge ihres KI-Chatbot-Tests diesen Prompt entwickelt, den man verwenden kann:

„Ich bin weiblich/männlich, xx Jahre alt und habe folgende Vorerkrankungen: xx. Jetzt habe ich diese neuen Symptome: Art/Körperstelle, seit xx Tagen/Wochen/Monaten. Die Symptome treten vor allem auf, wenn xx. Antworte als erfahrener Allgemeinmediziner. Nenne wahrscheinliche Diagnosen zu meinen Symptomen, begründe sie und empfehle jeweils, wie dringend und bei welcher Art von Arzt ich sie abklären lassen sollte. Bleibe bei den Fakten und erfinde nichts. Erstelle eine nummerierte Liste, beginnend mit der wahrscheinlichsten Diagnose. Füge zu jeder Diagnose eine kurze Checkliste mit empfohlenen nächsten Schritten hinzu. Erkläre in verständlicher Sprache - ohne Fachbegriffe und mit kurzer Erklärung dazu.“

5. Wie sieht es mit dem Thema Datenschutz aus? 

Mulmiges Bauchgefühl, während Sie der KI ihre Verdauungsprobleme schildern? Aufgrund des mangelnden Datenschutzes empfiehlt die Stiftung Warentest Chatbots für Gesundheitsfragen tatsächlich nur bedingt. 

Denn Nutzerinnen und Nutzer bleiben im Ungewissen darüber, was genau mit diesen sensiblen Daten passiert. Bei allen fünf KI-Anbietern in der Auswahl ist dem Test-Team zufolge möglich, dass Daten auf Servern außerhalb Europas landen, wo Datenschutzvorschriften schwächer sind.

Was also tun? Die Stiftung Warentest rät, für Gesundheitsfragen KI-Chatbots am besten ohne Anmeldung zu nutzen. Das geht allerdings nur bei ChatGPT und Gemini. Weiterer Tipp: auf sogenannte Symptom-Checker umsteigen, bei denen Nutzerdaten in aller Regel besser geschützt sind. 

6. Was genau sind Symptom-Checker? 

Das sind Apps und Webseiten, die nur dafür gemacht sind, die von Nutzer oder Nutzerin geschilderten Symptome mit verschiedenen Erkrankungen abzugleichen. So entsteht eine Liste der wahrscheinlichsten Verdachtsdiagnosen - plus passenden Handlungsempfehlungen. „Die Symptom-Checker machen - anders als die LLM - keine Wortvorhersage. Stattdessen greifen sie auf qualitätsgeprüfte Datenbanken zu“, erklärt Marvin Kopka den Unterschied. 

Das funktioniert in vielen Fällen gut, zeigt eine Analyse der Stiftung Warentest aus dem Februar 2025. Am verlässlichsten zeigten sich in dem Test die Symptom-Checker „Ada“ und „Symptomate“, beide sind kostenlos nutzbar. 

Marvin Kopka zufolge eignen sich Symptom-Checker als „Was jetzt tun?“-Entscheidungshilfe besser als beispielsweise ChatGPT. „Bei extrem seltenen Krankheiten kann es allerdings sein, dass sie in den Datenbanken der Symptom-Checker nicht drinstecken. Da könnten LLM dann doch einen Vorteil haben.“

Übrigens: Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bietet einen Symptom-Checker an: das „Patienten-Navi“, das einen durch einen Fragebogen lotst. Empfiehlt der Symptom-Checker eine Behandlung innerhalb von 24 Stunden, wird man zu einer bevorzugten Terminbuchung bei einem Haus- oder Facharzt weitergeleitet oder kann sich vom ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 weiter telefonisch beraten lassen. 

7. Ob KI-Chatbot oder Symptom-Checker: Was hilft mir, die Ergebnisse gut einzuordnen? 

„Eine kritische Einordnung ist das Allerwichtigste“, sagt Marvin Kopka. Ob einmal kurz in der Suchmaschine, besser noch über die Webseite einer seriösen Organisation geprüft: Ein Gegencheck hätte wahrscheinlich auch dem Mann in den USA seine Bromidvergiftung erspart. 

Gute Anlaufstellen sind etwa die Webseiten von medizinischen Fachgesellschaften, Universitätskliniken oder Fachbehörden wie das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) oder das Robert Koch-Institut (RKI).

© dpa-infocom, dpa:260918-930-703608/1


Von dpa
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