Das Verkehrsjahr 2025 war im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim kein schönes. Das macht die Unfallstatistik der Polizei deutlich. In der Gegenüberstellung zu 2024 ist überall ein rotes Plus verzeichnet: Es gab mehr Unfälle, mehr Verletzte, mehr Schwerverletzte und auch mehr Tote.
2862 Verkehrsunfälle verzeichneten die Inspektionen in Neustadt und Bad Windsheim für das Jahr 2025 insgesamt – so viele waren es im Zehn-Jahres-Vergleich noch nie. Immerhin: Die Zahl der Verletzten und Schwerverletzten stieg im Vergleich zu den Vorjahren zwar spürbar an, hatte in der Vergangenheit aber schon deutlich höhere Werte erreicht. Das gilt auch für die Toten, sechs Menschen verstarben 2025 im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall – und jeder ist einer zu viel.
Der Verkehrsbeauftragte der Neustädter Polizei, Bastian Stegmeier, listet jeden der tödlichen Zwischenfälle auf. Am Abend des 5. Februars wollte ein 75-Jähriger – er schob sein unbeleuchtetes Fahrrad – die B8 bei Emskirchen überqueren. Eine Autofahrerin sah den Mann zu spät und erfasste ihn. Der Senior starb noch an der Unfallstelle. Am 2. März war eine 58-Jährige auf der Kreisstraße von Weiherhof Richtung Birkenfeld unterwegs. In einer leichten Linkskurve fuhr sie frontal gegen einen Baum, schildert Stegmeier. Der Aufprall endete tödlich.
Im Obernzenner Ortsteil Oberaltenbernheim war am Vormittag des 18. März eine 83-Jährige mit ihrem Auto unterwegs. Sie kam von der Fahrbahn ab, schlitterte rund 50 Meter über eine Wiese und krachte in eine Hauswand. Die Seniorin hatte den Sicherheitsgurt nicht angelegt und starb. Knapp vier Wochen später – am 19. April – ereignete sich bei Altschauerberg (Gemeinde Emskirchen) ein Unfall mit zwei Pedelec-Fahrern. Ein 72-Jähriger wollte den Vordermann überholen, beide stürzten und der Verursacher starb vier Tage später in der Klinik – obwohl er einen Helm getragen hatte.
Am Folgetag krachte es an der Sugenheimer Staatsstraßenkreuzung am RSV-Sportheim. Ein 83-Jähriger übersah beim Abbiegen einen 29-jährigen Motorradfahrer. Für den Zweiradfahrer kam jede Hilfe zu spät. Am 23. Oktober geriet ein 39-Jähriger mit seinem Wagen auf der Mailheimer Steige auf regennasser Fahrbahn in den Gegenverkehr. Die Folge: eine Frontalkollision. Der 69-Jährige im entgegenkommenden Fahrzeug überlebte den Unfall nicht. Seniorinnen und Senioren (ab 65 Jahren) waren 2025 überdurchschnittlich häufig an tödlichen Kollisionen beteiligt, so die Unfallstatistik.
Immerhin sinkt die Zahl der Zwischenfälle unter Alkoholeinfluss deutlich – wobei dabei mehr Menschen verletzt wurden. Auffällig: Die zweitgrößte Gruppe der Betroffenen waren alkoholisierte Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. Und auch der Trend dreht sich: Waren es früher vor allem Jugendliche, die sich alkoholisiert hinters Steuer setzten, sind nun die Altersgruppe zwischen 35 und 54 Jahren und Seniorinnen und Senioren „auffallend stark vertreten”, wie es Stegmeier ausdrückt. Und: Die Zahl der Alkoholunfälle ist erwartbar am Wochenende am höchsten. Zumindest liegt der Frauenanteil bei gerade einmal 13,3 Prozent.
Und das, obwohl die Polizistinnen und Polizisten im Landkreis gute Präventionsarbeit leisten: Laut Bastian Stegmeier wurden 89 Alkoholisierte im Jahr 2025 aus dem Verkehr gezogen. Die traurigen Höchstwerte: 3,29 Promille (Uhrzeit: 17.21 Uhr) und 2,72 Promille (15.02 Uhr). Wegen anderer Drogen ereigneten sich sieben Unfälle mit sechs Verletzten, eine Person davon schwer. Im Vergleich zum Vorjahr stoppten die Beamten aber deutlich mehr Fahrerinnen und Fahrer, die unter Drogeneinfluss unterwegs waren, vor allem wegen eines THC-Nachweises nach Cannabiskonsum.
Der Hauptgrund für schwere Unfälle bleiben aber Raserinnen und Raser, die nach Polizeiangaben 2025 auch für zwei Todesfälle und 71 verletzte Menschen (davon 27 Schwerverletzte) verantwortlich waren. Der Raserunfall ist jedenfalls jugendlich, sagt Stegmeier. 18- bis 24-Jährige sind dabei „überproportional vertreten”, Seniorinnen und Senioren tendieren nicht mehr zu hohen Geschwindigkeiten.
Das Problem ist natürlich auch längst in den Polizeiinspektionen angekommen. Unterstützt durch die Verkehrspolizeiinspektionen Ansbach, Fürth und Nürnberg standen im Jahr 2025 unter dem Strich 575 Geschwindigkeitsmessungen mit rund 2180 Einsatzstunden, erläutert der Verkehrsbeauftragte Stegmeier. 2471 Anzeigen wurden im Nachgang geschrieben, sowie 4724 Verwarnungen und 60 Fahrverbote ausgesprochen.
Spitzenreiter waren außerorts (bei erlaubten 100 km/h) 187 Stundenkilometer auf der B470 bei Bad Windsheim, 177 auf der B13 bei Marktbergel und 165 km/h bei Baudenbach. Innerorts (50 km/h erlaubt) raste eine Person mit 90 Stundenkilometern durch die Adelhofer Straße in Uffenheim, ein Verkehrsteilnehmer war mit 88 km/h durch den Uehlfelder Ortsteil Tragelhöchstädt unterwegs und durch Burghaslachs Würzburger Stra0e bretterte ein Fahrer mit 86 km/h. Bei erlaubtem Tempo 30 wurde eine Person mit 77 km/h sowie eine mit 61 in der Wiebelsheimer Straße in Bad Windsheim geblitzt, in der Markt Erlbacher Hauptstraße raste ein Mensch mit 66 Stundenkilometern.
Rund 20 Prozent der Gesamtunfälle waren mit Fluchten verbunden. Der Klassiker bleibt dabei der Rempler auf dem Supermarktparkplatz. Die Aufklärungsquote lag laut Stegmeier bei gut 40 Prozent. Auffällig ist auch der Anstieg bei den Schulwegunfällen, wobei diese sich mit fünf Zwischenfällen vergleichsweise auf niedrigem Niveau bewegen. Als Beispiel führt der Polizist einen Schulbus-Unfall auf: Der Fahrer musste verkehrsbedingt stark bremsen, eine elfjährige Schülerin stürzte und wurde schwer verletzt.
Ebenfalls mit gewisser Sorge blickt die Polizei auf Unfälle mit Beteiligung von motorisierten Zweirädern – also vom Mofa bis zum Motorrad. Die Zahl hat einen neuen Höchstwert erreicht (79 Unfälle insgesamt 2025, ein Todesopfer). Beim Gros waren die beteiligten Zweiradfahrer Schuld. Ursache Nummer eins: überhöhte Geschwindigkeit.
In den vergangenen rund zehn Jahren sind auch die Balken bei den Wildunfällen 2025 am höchsten. 1207 Unfälle registrierten die Polizeiinspektionen 2025 für diese Kategorie. Immerhin: Mit zehn Verletzten gingen die meisten Zwischenfälle glimpflich aus.
Fest steht, wie Stegmeier erläutert: Fahranfängerinnen und Fahranfänger sowie Seniorinnen und Senioren sind besonders häufig in Unfälle verwickelt. Während es bei den jungen Erwachsenen vor allem an ungenügendem Sicherheitsabstand, Raserei und Vorfahrtsverstößen liegt, sind es bei Seniorinnen und Senioren häufig Unaufmerksamkeiten: Vorfahrtsverstöße und Wenden beziehungsweise Rückwärtsfahren. Aber auch fehlender Abstand spielt bei den Älteren eine Rolle.