Kein Handyempfang: Obermögersheimer im dauernden Flugmodus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.12.2023 15:47, aktualisiert am 01.12.2023 18:59

Kein Handyempfang: Obermögersheimer im dauernden Flugmodus

Seit August steht der Funkmast bei Obermögersheim. Allerdings ist er bis heute nicht in Betrieb. Das sorgt für Unmut. (Foto: Stefan Zinsmeister)
Seit August steht der Funkmast bei Obermögersheim. Allerdings ist er bis heute nicht in Betrieb. Das sorgt für Unmut. (Foto: Stefan Zinsmeister)
Seit August steht der Funkmast bei Obermögersheim. Allerdings ist er bis heute nicht in Betrieb. Das sorgt für Unmut. (Foto: Stefan Zinsmeister)

Die Menschen in Obermögersheim sind es einfach leid: Seit 2018 warten sie darauf, dass sie in ihrem Dorf Handyempfang haben. Ein Funkmast steht zwar seit Ende August 2022, technisch voll ausgestattet. Und doch gibt es keinen Empfang. Der Ortsteil von Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach ist wie im dauernden Mobilfunk-Flugmodus, also ohne Anbindung ans Netz.

Das kann im Alltag erhebliche Konsequenzen haben: Es ist noch gar nicht so lange her, dass vor der Schreinerei von Stefan Zinsmeister ein Kind mit dem Fahrrad verunglückt ist. „Die Begleitperson konnte auf der Straße mit dem Handy keinen Notruf absetzen“, erinnert sich der Ortssprecher und CSU-Stadtrat. Das sei nur über das Festnetz seines Betriebs möglich gewesen.

527 Menschen leben im Wassertrüdinger Ortsteil, darunter viele ältere. Außerdem gibt es eine ziemlich große Kindertagesstätte. Dass da Notfälle eintreten können, steht für Zinsmeister außer Frage.


Die Bürgerschaft ist ziemlich aufgebracht.

Klaus Schülein

„Die Bürgerschaft in Obermögersheim ist ziemlich aufgebracht“, bestätigt Klaus Schülein, Wassertrüdingens zweiter Bürgermeister. Ebenso wie Stefan Zinsmeister kann er auf eine lange Liste von Telefonaten oder E-Mails mit Telekom-Mitarbeitern verweisen, um den „Flugmodus“, in dem sich das Dorf befindet, auszuschalten.

Der Versuch, Obermögersheim in das Mobilfunk-Zeitalter zu bringen, begann Ende 2018, als Zinsmeister an den CSU-Stimmkreisabgeordneten im Bundestag, Artur Auernhammer, eine Anfrage stellte. Der antwortete damals, dass die Bundesnetzagentur die Mobilfunknetzanbieter verpflichtet habe, dass am 1. Januar 2020 „mindestens 95 Prozent der Haushalte in Deutschland über den Mobilfunk erreichbar sein müssen“. Denn in Obermögersheim funktioniert laut Zinsmeister auch das Festnetz nicht immer zuverlässig. Auernhammer riet damals auch, mit einem Zweitanbieter das Gespräch zu suchen und bot seine Unterstützung an.

Daraufhin gab es einen ersten Kontakt mit einem freien Akquisiteur im Auftrag der Deutschen Funkturm GmbH, bei dem über mögliche Standorte gesprochen wurde. Die Deponie, von den Obermögersheimern favorisiert, sei damals schon ins Gespräch gebracht worden. Der Akquisiteur habe in der Folge weitere Standorte vorgeschlagen, darunter das Sportgelände, das jedoch im August 2019 vom Funknetzbetreiber abgelehnt worden sei.

Die Suche nach einem Platz für den Funkmast ging laut Zinsmeister unverzüglich weiter. Es ging vorrangig um städtische Grundstücke, aber auch kirchliche oder private Gebäude waren im Gespräch. In der näheren Auswahl waren das denkmalgeschützte Pfarrhaus und eine private Liegenschaft.

Wassertrüdingens Bürgermeister Stefan Ultsch sollte mit den Eigentümern den Erstkontakt aufnehmen, was aber offenbar unterblieb, weil der Mitarbeiter des Funkmastbetreibers Zinsmeister im Dezember 2019 diesbezüglich informiert habe.

Im April 2020, die Pandemie war bereits in vollem Gange, nahm der Akquisiteur selbst Kontakt mit Pfarrer Spitzenpfeil auf. Der Kirchenvorstand solle entscheiden, hieß es in der Folge. Doch dieses Gremium wollte laut Zinsmeister den Punkt nicht behandeln und regte an, dass darüber in einer öffentlichen Gemeindeversammlung beraten werden solle.

Bedenken wegen des Denkmalschutzes

Im Juli 2020 wurde dann die private Liegenschaft nordwestlich des Pfarrhauses beplant. Ein 25 Meter hoher Mast sollte gebaut werden. Bedenken wegen des Denkmalschutzes wurden laut, da der Abstand zum Pfarrhaus lediglich 16 Meter betragen hätte.

Im August 2020 fand schließlich ein Ausspracheabend mit der Obermögersheimer Bürgerschaft statt. Viele offene Fragen hätten auf eine Antwort gewartet, erinnert sich der Ortssprecher. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes forderten zur Klärung der Punkte eine öffentliche Veranstaltung. Überdies verlangten die Obermögersheimer eine neutrale Expertise, beispielsweise vom Landesamt für Umweltschutz. Mit dieser Stelle sei dann Kontakt aufgenommen worden, geht aus Zinsmeisters Chronologie hervor.

Dann machte aber das Landratsamt Ansbach dem Standort einen Strich durch die Rechnung, denn der Standort nahe des Pfarrhauses wurde abgeschmettert. Ein paar Wochen später brachte der Akquisiteur dann einen neuen Standort ins Spiel: Das Grundstück mit der Flurnummer 701 am Winkelfeld.

Zu diesem Standort gab es Ende Mai 2021 eine Informationsveranstaltung mit einer Vertreterin der Deutschen Telekom und einem Vertreter des LfU Bayern. Im März 2022 wurde der Standort genehmigt und im August 2022 der Mast gebaut.

Da steht er nun. Technisch voll ausgestattet, wie Zinsmeister und Schülein der FLZ erzählen. Aber die Anbindung über Richtfunk scheint nicht zu klappen. Die Telekom spreche in diesem Zusammenhang von „Herausforderungen“. Nachfragen würden abgewimmelt. Dabei brenne der Obermögersheimer Dorfgemeinschaft das Problem unter den Nägeln. Dabei sei es leicht zu lösen, meint der Ortssprecher: Der Mast wäre leicht zu verlegen und könnte über Richtfunk an den Gnotzheimer Mast angebunden werden.


Auch das Festnetz funktioniert nicht immer.

Stefan Zinsmeister

Noch besser wäre in Zinsmeisters und Schüleins Augen die Anbindung ans Glasfasernetz. „Aber das ist dem Telekommunikationsbetreiber anscheinend zu teuer“, so Schülein resigniert.

Auf eine Nachfrage der FLZ versicherte die Telekom, der Standort gehe „voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals 2024 ans Netz“. Derzeit fehle noch eine Anbindung über Richtfunk. Genehmigungen, Technik und alles andere seien bereits am Start. Es geht jetzt lediglich noch darum, eine Firma zu finden, die die Richtfunkstrecke einrichtet. „Dann wird sich die Mobilfunkversorgung in diesem Bereich verbessern“, schreibt die Pressestelle.

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